Littler droht mit Niederlande-Boykott, Usher jagt in Bridlington das britische Double & Hedman im Titelkampf

Darts News vom 20. September 2026: Littler droht mit Niederlande-Boykott, Clayton stoppt sein Major-Jahr, Usher steht in Bridlington gleich in zwei Endspielen.
Das Wichtigste des Tages
Ein Darts-Sonntag, der in Amsterdam beginnt und an der englischen Ostküste endet – und dazwischen steht eine Ansage, die weit über diesen Tag hinausreicht. Luke Littler hat den niederländischen Fans offen mit Boykott gedroht, Jonny Clayton hat dem Weltranglisten-Ersten die Vision vom perfekten Major-Jahr genommen, Gerwyn Price hat den Big Fish geworfen, und in Bridlington greift ein 53-Jähriger nach einem seltenen Doppelschlag.
- Luke Littler kündigt an, Euro-Tour-Turniere in den Niederlanden künftig auszulassen – auf die Nachfrage antwortet er mit „100 Prozent“.
- Jonny Clayton beendet mit einem 10:4 Littlers Traum vom Major-Clean-Sweep 2026.
- Gerwyn Price checkt gegen James Wade den Big Fish (170) und legt über 103 Punkte Average auf.
- Graham Usher steht in Bridlington gleich in zwei Endspielen auf der Hauptbühne.
- Deta Hedman muss ihren British-Open-Titel gegen Natalie Gilbert verteidigen.
Story des Tages: Littlers schwarzer Sonntag
Es gibt Tage, an denen ein Spieler zwei Niederlagen einsteckt – eine auf der Bühne, eine daneben. Für Luke Littler war dieser Sonntag so ein Tag. Sportlich zerlegte ihn Jonny Clayton im Viertelfinale von Amsterdam mit 10:4, und das war keine dieser knappen Geschichten, die man mit einem verpassten Doppel erklärt. Littler startete zwar mit 2:1, doch ab dem Stand von 3:3 nahm der Waliser sieben der letzten acht Legs.
Die entscheidende Zahl des Nachmittags war Littlers Doppelquote: magere 19 Prozent. Wer so wirft, gewinnt kein Major – und genau darum ging es. Denn mit dieser Niederlage ist der historische Anlauf beendet. Littler hatte in diesem Jahr die Weltmeisterschaft, den World Masters, die UK Open, die Premier League, den World Cup of Darts und das World Matchplay gewonnen – ein Major-Jahr, wie es der Sport noch nicht gesehen hat. Der komplette Durchmarsch durch alle großen Titel des Kalenderjahres ist nun rechnerisch vom Tisch.
Das Bemerkenswerte daran: Clayton hat dieses Spiel nicht mit einem Feuerwerk gewonnen, sondern mit Geduld. Der Waliser, der schon 2021 in diesem Wettbewerb triumphierte, ließ Littler in den entscheidenden Phasen schlicht keine zweite Chance und setzte mit einem 121er-Finish das Ausrufezeichen, das die Partie kippte. Seine Einordnung blieb trocken: „Er war heute nicht in Topform, aber man muss seine Chancen nutzen.“
Raymond van Barneveld lieferte die psychologische Deutung: „Es ist der Druck. Jeder spricht darüber: Kann er das ganze Jahr gewinnen? Das erzeugt großen Druck.“ Es ist eine plausible These. Ein Spieler, der als Weltmeister und Weltranglisten-Erster jede Woche gegen die eigene Makellosigkeit antritt, trägt eine Last, die kein Trainingsplan abfedert. Der Rekordjäger wird zum Gejagten seiner eigenen Statistik – und irgendwann kostet das genau die Prozentpunkte auf den Doppeln, die den Unterschied machen.
Die Boykott-Debatte – und warum sie deutsche Fans angeht
Die zweite Geschichte des Tages ist die lautere. Littler hat die Stimmung in Amsterdam offen angesprochen und dabei eine Drohung ausgesprochen, die der PDC nicht gefallen dürfte. Auf die Frage, ob er mit den Niederlanden künftig so umgehen werde wie mit Deutschland, antwortete er: „100 Prozent.“ Und weiter: „Wenn die Niederländer so bleiben, dann werde ich dort keine Euro-Tour mehr spielen. Es hat einfach keinen Sinn, dass ich anreise und meine Zeit verschwende, während ich ausgebuht werde.“ Dazu der fast trotzige Nachsatz: „Ich will einfach nur Darts spielen – und natürlich Autogramme geben.“
Für das deutsche Publikum ist das mehr als eine Randnotiz, denn Littler zieht die Parallele selbst. Deutschland ist für ihn längst das Negativbeispiel, und die Euro-Tour-Stopps hierzulande gehören zu den bestbesuchten Veranstaltungen des gesamten Kalenders. Wenn der größte Zugpferd-Name des Sports zwei seiner wichtigsten Märkte auf die interne Ausschlussliste setzt, ist das ein Thema für Veranstalter, Ticketverkäufer und Verbände.
Und es ist eine unbequeme Frage an die Fankultur in den Hallen. Zwischen Stimmung machen und einen Spieler über Stunden niederpfeifen liegt ein Unterschied, den ein Teil des Publikums offenbar nicht mehr zieht. Wer Darts als Volksfest verkauft, muss damit leben, dass es laut wird – wer aber einen 19-Jährigen bei jedem Wurf anbrüllt, treibt genau die Namen aus der Halle, für die das Ticket gekauft wurde. Bemerkenswert war, dass Littler diesmal bewusst auf jede Geste Richtung Tribüne verzichtet hat: Wer ihn auspfeife, brauche kein Dankeschön. Die PDC dürfte die Aussage zur Kenntnis genommen haben; die Euro-Tour lebt schließlich von der Zugkraft ihrer Topstars.
Bridlington: Usher jagt das britische Double
Während Amsterdam die Schlagzeilen liefert, entsteht in Bridlington die schönste Geschichte des Tages. Im Bridlington Spa steht Graham Usher gleich zweimal auf der Hauptbühne: Der 53-Jährige, früherer PDC-Tour-Card-Inhaber und World-Seniors-Finalist von 2025, bestreitet sowohl das Endspiel des WDF British Open als auch das des British Classic. Ein Doppelfinale an einem Tag – das schafft in der WDF-Welt kaum jemand, weil beide Titel über zwei komplette, zermürbende Brettertage gehen.
Im Open trifft er auf den 21-jährigen Harrison Leigh, der in diesem Jahr auf Development und Challenge Tour unterwegs war und dort bereits einen Nine-Darter geworfen hat. 32 Jahre Altersunterschied, best of nine Legs, 1.500 Pfund für den Sieger und 700 für den Verlierer bei diesem Silver-Ranking-Event – das ist das ungeschminkte Zahlenwerk des Basis-Darts, und es erklärt, warum diese Finals so kompromisslos gespielt werden. Im Classic wartet Harry Lane.
Ushers Weg dorthin war alles andere als komfortabel: Gegen Jack Nankervis setzte er sich mit 5:4 durch, obwohl der Gegner im Average klar vorn lag – 92,96 zu 88,98. Ein Lehrstück darüber, wie wenig der Average im Kurzformat wert ist, wenn die Doppel sitzen. Auch Leigh musste über die volle Distanz, er bezwang Reece Robinson ebenfalls mit 5:4.
Die Frauen-Endspiele: Hedman unter Druck
Bei den Frauen sind die Finals mindestens so reizvoll. Im British Open fordert Natalie Gilbert die amtierende WDF-Weltmeisterin Deta Hedman heraus – Gilbert hatte sich im Halbfinale mit 4:1 gegen Steph Clarke durchgesetzt, Hedman fegte Jane Robson ohne Satzverlust von der Scheibe. Im British Classic treffen Vicky Pruim und Lorraine Hyde aufeinander; Pruim hatte auf ihrem Weg dorthin Hedman mit 4:2 und einem Average von 86,34 gestoppt – ein Ergebnis, das dem Open-Finale zusätzliche Würze gibt, weil es zeigt, dass die Titelträgerin an diesem Tag schlagbar ist. Alle vier Titel werden auf der Hauptbühne in Bridlington vergeben.
Amsterdam kompakt: World Series of Darts Finals
Der Finaltag im AFAS Live hat die Favoritenordnung gründlich durcheinandergewirbelt. Die Viertelfinals im Überblick:
- Jonny Clayton 10:4 Luke Littler – Clayton clever, geduldig und mit einem 121er-Finish als Ausrufezeichen.
- Gerwyn Price 10:7 James Wade – die beste Leistung der Session: über 103 Average und der Big Fish, der 170er-Checkout.
- Ross Smith 10:7 Josh Rock – 97er-Average, fünf 180er und eine frühe 5:2-Führung, die Smith nie hergab.
- Gian van Veen 10:8 Dirk van Duijvenbode – das Oranje-Duell drehte der Weltranglisten-Dritte aus einem 6:8-Rückstand, Schlusspunkt: 124 ausgecheckt.
Damit stehen sich im Halbfinale Ross Smith und Gian van Veen gegenüber – die Partie läuft zur Stunde – sowie anschließend Gerwyn Price und Jonny Clayton im rein walisischen Duell. Für Smith ist es das erste Halbfinale eines Premier-Events seit knapp zwei Jahren, für van Veen das erste bei diesem Turnier; im direkten Vergleich führt Smith mit 5:4 Siegen. Es geht um 100.000 Pfund aus einem Gesamttopf von 450.000 Pfund.
MODUS Super Series: Van de Pas krönt seine Woche
In der Live Lounge in Portsmouth hat Benito van de Pas die Wochenkrone der MODUS Super Series geholt. Der Niederländer setzte sich im Endspiel mit 4:3 gegen Henry Cooper durch – ein Finale, das der Debütant bis ins Entscheidungsleg offen hielt. Cooper war als weitgehend unbeschriebenes Blatt angetreten und verlässt die Woche als deren Entdeckung. „Big Ben“ van de Pas löst mit dem Titel das Ticket für die Champions Week.
Das steht morgen an
Auf der großen Bühne bleibt es zum Wochenstart ruhig: Ein PDC-TV-Turnier ist für Montag nicht angesetzt. Täglich Darts gibt es trotzdem – die MODUS Super Series startet in Portsmouth mit der Gruppe A ab 9:30 Uhr britischer Zeit in eine neue Woche. Für den Nachfolger von Benito van de Pas als Wochensieger beginnt die Jagd also sofort von vorn.