Porter deutet neues Europa-Major an, Nijman klopft an die Top 10 & Humphries segnet Littlers Rekordjagd ab

Porter deutet neues Europa-Major an, Nijman klopft an die Top 10 & Humphries segnet Littlers Rekordjagd ab

Darts News vom 18. September 2026: Matt Porter deutet neues Europa-Major an, Wessel Nijman greift nach den Top 10, van de Pas gewinnt die MODUS-Gruppe C.

Das Wichtigste des Tages

Dieser Freitag hat weniger über Tabellen verraten als über die Zukunft dieses Sports. In Amsterdam ließ PDC-Geschäftsführer Matt Porter durchblicken, dass der Turnierkalender 2027 ein neues Event auf europäischem Boden bekommen könnte. Wessel Nijman sprach so ausführlich wie lange nicht über seinen Weg an die Schwelle der Top 10. Luke Humphries erklärte, unter welcher Bedingung er Luke Littler den historischen Major-Sweep gönnt. Und während in der AFAS Live die zweite Erstrundensession lief, fielen bei der MODUS Super Series die Vorentscheidungen für die Finalnacht – im englischen Bridlington begann parallel eines der ältesten Ranglistenturniere des Sports.

Story des Tages: Porter lüftet einen Zipfel des 2027-Kalenders

Es war ein kurzes Interview am Rande der World Series of Darts Finals, aber es hatte es in sich. Gegenüber Viaplay sprach PDC-Chef Matt Porter über den Spielplan für 2027 – und darüber, dass dieser noch gar nicht fertig ist: „So we're making some last-minute changes. Next week you will see it, and I think hopefully you will like what you see.“ Der Kalender soll demnach in der kommenden Woche veröffentlicht werden.

Spannender als der Termin war die Andeutung, die Porter hinterherschob. Auf ein mögliches neues Turnier angesprochen, antwortete er mit einer Gegenfrage: „Do you like the UK Open? Maybe we'll do something like that.“ Ein Event im Stil der UK Open – offener Zugang, Lostöpfe, Runde für Runde neu gemischtes Tableau – auf dem europäischen Festland wäre eine der größten strukturellen Neuerungen im PDC-Kalender seit Jahren. Wo genau, wollte Porter nicht verraten: „Oh, it's a big place, Europe. I'll have to make a decision.“

Für den deutschsprachigen Raum ist das eine Meldung mit Fallhöhe. Deutschland stellt die größten Hallen und die lautesten Kulissen des European-Tour-Zirkus, und ein Turnier mit UK-Open-Charakter bräuchte genau das: Platz, viele Boards, Publikum über mehrere Sessions. Gleichzeitig ist Porters Formulierung bewusst offen gehalten – „something like that“ ist keine Zusage, sondern ein Versuchsballon. Wer auf ein „UK Open Europe“ hofft, muss sich bis zur Veröffentlichung des Kalenders gedulden.

Humphries über Littlers perfektes Jahr

Die zweite große Erzählung des Tages dreht sich um eine Zahl: fünf. So viele der zehn TV-Majors hat Luke Littler in diesem Kalenderjahr bereits gewonnen. Fünf fehlen noch: World Series of Darts Finals, World Grand Prix, Europameisterschaft, Grand Slam of Darts und Players Championship Finals. Kein Spieler hat je alle Majors eines Jahres gewonnen – die Rekordjagd ist damit das Leitmotiv, das über dem restlichen Jahr hängt.

Humphries, Weltranglistenzweiter und in diesem Jahr mehrfach an Littler gescheitert, wurde in Amsterdam gefragt, ob er diesen Sweep sehen wolle – und lieferte eine bemerkenswert ehrliche Antwort. Es wäre „the most incredible thing I've ever seen in my lifetime“, sagte er, allerdings mit einer klaren Bedingung: Er selbst müsse bereits ausgeschieden sein. Er wolle nicht derjenige sein, der Littler stoppt, wenn das bedeute, auf einen eigenen Major-Titel zu verzichten. Fliege er früh raus, drücke er dem 19-Jährigen die Daumen. Das ist keine Kapitulation, sondern die präzise Beschreibung eines Dilemmas, in dem gerade die gesamte Weltspitze steckt.

Die größte Hürde auf Littlers Weg ist dabei nicht einmal ein Gegner, sondern eine Rangliste. Auf der Players-Championship-Order-of-Merit steht Littler mit rund 10.500 Pfund derzeit nur auf Rang 125, weil er im Pro-Tour-Alltag kaum gespielt hat. Für die Players Championship Finals braucht es die Top 64 – nach aktuellem Stand also rund 17.500 Pfund zusätzlich aus den verbleibenden Pro-Tour-Events. Die Ironie: Das Turnier, für das sich der dominanteste Spieler der Welt erst noch qualifizieren muss, könnte am Ende das Kapitel sein, an dem die Rekordjagd scheitert.

Nijman: „Hätte man mir das vor zwei Jahren gesagt …“

Wessel Nijman gehört zu den auffälligsten Figuren dieser Saison, und heute ordnete er sein Jahr selbst ein. Sechs Players-Championship-Titel und zwei Euro-Tour-Siege stehen 2026 zu Buche, rund 297.000 Pfund Preisgeld, elf Titel insgesamt in der Karriere. Weltranglistenplatz zwölf ist für den 26-Jährigen aus Uitgeest Ausgangspunkt, nicht Ziel: Auf Danny Noppert, den Zehnten, fehlen ihm nur etwa 28.500 Pfund.

„If you'd said that two years ago, I wouldn't have believed you“, sagte Nijman mit Blick auf seinen Status. Der Satz hat Gewicht, denn seine Karriere war nach einer Sperre wegen Manipulation in einem Online-Turnier praktisch beendet. Der Wiederaufstieg habe zweieinhalb Jahre gedauert und mit einer nüchternen Entscheidung begonnen: Er kündigte seinen Job, um Vollprofi zu werden, und stehe seither nach eigener Aussage „three hours a day“ am Board. Statistik-Rekorde lassen ihn kalt – dass die Spanne zwischen seinem ersten und seinem zehnten Titel zu den kürzesten überhaupt gehört, habe er irgendwo gelesen, groß beschäftigen würde ihn so etwas nicht. Die Themen, die jetzt anstehen, heißen Top 10, Premier League und ein Platz im Oranje-Team beim World Cup.

Stimmen aus Amsterdam: van Veen über den zu frühen Comeback-Versuch

Gian van Veen lieferte die lehrreichste Selbstkritik des Tages. Körperlich sei er von seiner Operation längst wiederhergestellt, der Kopf habe deutlich länger gebraucht – und daran sei er selbst schuld: „I had that operation and I think I just started back too soon. I went to Berlin too early for that Premier League night. That dented my confidence. It took me months to recover from that.“ Vier bis fünf Monate habe es gedauert, bis Selbstvertrauen und Leistung zurück waren. Dass sein Average inzwischen wieder bei 96 bis 97 liegt statt bei 88 bis 89, sieht er als Beleg, dass der Weg stimmt. Eine Erinnerung daran, dass im Darts die Reha des Selbstvertrauens länger dauert als die des Handgelenks.

World Series of Darts Finals: Der zweite Erstrundenabend

In der Amsterdamer AFAS Live ist am Abend die zweite Hälfte der ersten Runde gestartet, gespielt wird im Modus Best of 11. Den Auftakt machten Adam Leek und Jim Long; die Partie lief bei Redaktionsschluss noch. Auf dem Programm stehen außerdem:

  • Motomu Sakai – Callan Rydz
  • Wessel Nijman – Simon Whitlock
  • Nathan Aspinall – Raymond Smith
  • James Wade – Damon Heta
  • Gerwyn Price – Brody Klinge
  • Luke Littler – Danny Noppert
  • Jonny Clayton – Maik Kuivenhoven

Das Duell mit dem größten Überraschungspotenzial ist Price gegen Klinge: Der Ex-Weltmeister bringt einen Zwölf-Monats-Average von 98,37 mit, der australische Qualifikant kommt als völlig unbelastetes Los. Ausführliches zum Turnierverlauf gibt es in unserem eigenen Turnier-Artikel.

MODUS Super Series: van de Pas mit dem perfekten Tag

Benito van de Pas hat seine Gruppe gedreht und als Einziger fünf von fünf Partien gewonnen:

  • van de Pas 4:1 Leung, 4:3 Spivey, 4:0 Chrysospathis, 4:1 Hughes, 4:3 McClelland
  • Benjamin McClelland gewann 4:0 gegen Hughes, 4:3 gegen Chrysospathis, 4:0 gegen Spivey und 4:3 gegen Leung – scheiterte aber im direkten Duell
  • Sam Spivey holte zum Ausklang 4:1 gegen Chrysospathis und 4:2 gegen Leung; Panagiotis Chrysospathis gewann gegen Leung (4:3) und Hughes (4:1)

In der zweiten Gruppe des Tages blieb es eng: Richie Howson bezwang Chas Barstow 4:1 und Henry Cooper 4:3, verlor aber 3:4 gegen Steve Green. Barstow schlug Keegan Brown 4:2 und Green 4:2, Cooper gewann 4:3 gegen Green und 4:1 gegen Brown.

WDF British Open: Auftakt in Bridlington

Im Royal Spa von Bridlington hat heute das WDF-Wochenende mit British Open und British Classic begonnen. Die British Open gehören zu den traditionsreichsten Ranglistenturnieren überhaupt – auf der Siegerliste stehen Namen wie Alan Evans, Eric Bristow und John Lowe. Gespielt wird in Herren-, Damen-, Jugend- und Mädchen-Konkurrenzen; im Hauptwettbewerb der British Open sind insgesamt 5.040 Pfund ausgeschrieben, 1.500 Pfund davon für den Champion. Zum Auftakt standen heute die Doppel-Wettbewerbe und Sichtungsspiele auf dem Programm, die Einzel-Tableaus folgen am Wochenende.

Das steht morgen an

In Amsterdam wird am Samstag die komplette zweite Runde gespielt – am Nachmittag und am Abend, erstmals im längeren Modus Best of 19. Bei der MODUS Super Series steigt die Finalnacht der Woche, in Bridlington folgen die British Classic Singles sowie die Jugend- und Mädchenkonkurrenzen.

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