Van Barneveld verzaubert Amsterdam, Van der Voort rügt die eigenen Fans & Jim Longs bitteres Tour-Fazit

Van Barneveld verzaubert Amsterdam, Van der Voort rügt die eigenen Fans & Jim Longs bitteres Tour-Fazit

Darts News vom 19. September 2026: Van Duijvenbode wirft Humphries raus, Van Barneveld verzaubert Amsterdam, Van der Voort rügt die Fans – alle Ergebnisse.

Die zweite Runde der World Series of Darts Finals hat in der Amsterdamer AFAS Live reichlich Hochkaräter-Darts geliefert – die Geschichten des Tages schrieben aber ein dreijähriger Junge im Bühnenlicht, ein fünffacher Weltmeister ohne Startplatz und ein 57-jähriger Kanadier, der laut über das Ende seiner Profilaufbahn nachdenkt.

Dazu kamen ungewöhnlich deutliche Worte eines niederländischen Ex-Profis über das eigene Publikum, ein nachdenklicher Michael van Gerwen im eigenen Livestream und ein Gerwyn Price, der Luke Littlers historisches Projekt gleichzeitig bewundert und verhindern will. Der Reihe nach.

Das Wichtigste des Tages

  • Dirk van Duijvenbode dreht ein 3:6 gegen Luke Humphries und gewinnt 10:9 – gefeiert wird mit dem dreijährigen Sohn Levi auf der Bühne.
  • Raymond van Barneveld sorgt für den Gänsehautmoment des Tages: ein kompletter Walk-on, ohne einen einzigen Dart zu werfen.
  • Vincent van der Voort kritisiert im Podcast das Verhalten des Amsterdamer Publikums gegenüber Luke Littler scharf.
  • Jim Long spricht offen über das wahrscheinliche Ende seiner PDC-Tour-Zeit: „Als Nordamerikaner ist es einfach zu schwer.“
  • Gerwyn Price nimmt zu Littlers Major-Jagd Stellung – mit einer bemerkenswerten Einschränkung.
  • Michael van Gerwen räumt im eigenen Stream mit dem Glamour-Bild des Darts-Profis auf.

Story des Tages: Ein Dreijähriger auf der ganz großen Bühne

Es gibt Siege, die man an Zahlen festmacht, und es gibt Siege, die man an Bildern festmacht. Dirk van Duijvenbode gelang an diesem Samstagnachmittag beides. Der Niederländer legte gegen Luke Humphries mit 3:0 los, sah dann sechs Legs in Folge an den Engländer gehen und lag plötzlich 3:6 zurück – gegen einen Gegner, der in dieser Phase wirkte, als wolle er die Sache in aller Ruhe nach Hause schaukeln.

Dass es anders kam, lag an einer Mischung aus wiedergefundener Scoring-Power, eiskalten Doppeln und einer Halle, die jeden Pfeil des „Titan“ feierte. Van Duijvenbode glich zum 9:9 aus, und im Entscheidungsleg war die Stimmung in der AFAS Live kaum noch zu beschreiben. Doppel 16 – 10:9. Am Ende standen 101,14 Punkte im Schnitt für den Sieger, 98,34 für Humphries. Ein Match, das auf beiden Seiten deutlich über 98 lag und trotzdem an den Nerven entschieden wurde.

Das eigentliche Bild lieferte die Zeit danach. Van Duijvenbode hatte während des gesamten Matches immer wieder lächelnd zur Spielerbox geschaut, in der seine Frau Saskia und der dreijährige Sohn Levi saßen. Nach dem entscheidenden Doppel durfte der Junge selbst auf die Bühne. „Ich sehe dieses Lächeln in seinem Gesicht – und alles andere verschwindet“, fasste der Niederländer den Moment zusammen. Auch die PDC verbreitete die Szene als „lovely scenes“. Nach einer Saison, die für van Duijvenbode weit weniger geradlinig verlief als erhofft, war das mehr als nur ein Achtelfinalsieg.

Ein Walk-on ohne Spiel: Van Barneveld lässt die Halle beben

Vor dem ersten Dart der zweiten Runde passierte etwas, das im Spielplan nirgends stand. Raymond van Barneveld, fünffacher Weltmeister und in diesem Jahr nicht im 32er-Feld von Amsterdam vertreten, wurde zu einem kompletten Walk-on auf die Bühne gebeten. Eigene Musik, eigener Auftritt, volle Lautstärke – und eine Halle, die sofort explodierte.

Es war ein Marketing-Einfall, sicher. Aber es war auch eine dieser Gesten, die im Darts funktionieren wie sonst kaum wo: Ein Publikum, das seinen Helden nicht spielen sehen darf, bekommt ihn wenigstens für zwei Minuten zurück. Barneveld wurde mit lautem Jubel empfangen und sorgte damit noch vor dem ersten geworfenen Pfeil für die Atmosphäre, die den Nachmittag prägen sollte.

Van der Voort nimmt die eigenen Fans in die Pflicht

Genau diese Atmosphäre hat allerdings zwei Seiten – und darauf hat Vincent van der Voort heute im Podcast „Darts Draait Door“ den Finger gelegt. Der frühere Profi nahm seine eigenen Landsleute ins Gebet, weil sie Luke Littler bei dessen Erstrundenauftritt gegen Danny Noppert massiv ausgepfiffen hatten.

„Warum muss man ihn als Publikum so sehr ausbuhen? Man zollt ihm nicht genug Respekt“, sagte Van der Voort. Und weiter: „Du weißt, dass du für Noppert bist. Gut. Aber du musst ihn deswegen nicht so ausbuhen.“ Sein Kernvorwurf: Die Halle sei mehr damit beschäftigt gewesen, den Weltmeister aus dem Konzept zu bringen, als den eigenen Mann nach vorne zu tragen. „Sie waren mehr damit beschäftigt, an ihn heranzukommen, als Noppert anzufeuern.“

Dass ausgerechnet ein Niederländer diese Debatte eröffnet, gibt ihr Gewicht. Van der Voort ist kein Freund steriler Atmosphäre – umso bemerkenswerter, wo er die Grenze zieht: Unterstützung für den Eigenen ja, systematische Störung des Gegners nein. Die Diskussion dürfte die Tour über Amsterdam hinaus begleiten.

Price über Littlers Major-Jagd: „Wenn ich sie nicht gewinne, hoffe ich, dass er es tut“

Eine der originellsten Wortmeldungen des Tages kam von Gerwyn Price. Der Waliser wurde auf Littlers Jagd nach einem kompletten Major-Durchmarsch in diesem Kalenderjahr angesprochen – und lieferte eine Antwort, die Sportsgeist und Kampfansage in einem Atemzug unterbringt.

„Wenn ich sie nicht gewinne, hoffe ich, dass er es tut. Fair play“, so Price. „Schreib die Geschichtsbücher neu, und wenn er jedes Turnier gewinnt – happy days. Aber ich bin natürlich hier, um ihn aufzuhalten.“

Das ist mehr als eine Floskel: Price gehört zu den wenigen im Feld, die Littler auf großer Bühne regelmäßig unangenehm werden. Dass er die historische Dimension anerkennt und trotzdem klarmacht, dass er selbst der Spielverderber sein will, ist exakt die Tonlage, die dieses Turnier gerade braucht.

Jim Long und die Rechnung, die für Nordamerikaner nicht aufgeht

Deutlich leiser, aber inhaltlich schwerer wog das, was Jim Long heute über seine Zukunft sagte. Der 57-jährige Kanadier, der sich seine Tour Card 2025 bei der Q-School geholt hatte, steht aktuell auf Platz 82 der Order of Merit – weit außerhalb der Top 64, die man für den Kartenerhalt bräuchte.

Long beschreibt das Problem nüchtern und ohne Selbstmitleid: schlaflose Nächte im Flugzeug, fünf bis sechs Stunden Zeitverschiebung, und danach soll man gegen Europas Beste bestehen. „Es ist als Nordamerikaner einfach zu schwer, wenn man nicht bereit ist, dauerhaft hierher zu ziehen“, sagte er. Ein Hintertürchen ließ er sich offen: „Wenn ich bei der WM einen guten Lauf hätte – und ich meine einen richtig guten Lauf –, dann könnte ich über eine Wohnung für sechs Monate vielleicht nachdenken.“

Gleichzeitig machte er klar, wie sehr er diese Welt liebt: „Wäre ich ein europäischer Dartspieler, würde ich alles dafür tun, auf dieser Tour zu bleiben.“ Neue Städte, neue Hallen, neue Fans – für Long ist das kein Reisestress, sondern der eigentliche Lohn. Am Abend stand er im Feld der zweiten Runde – ausgerechnet gegen Gerwyn Price.

Van Gerwen zerlegt den Glamour-Mythos

Michael van Gerwen ist in Amsterdam bereits nicht mehr im Turnier, sichtbar bleibt er trotzdem. In einem Livestream auf seinem eigenen YouTube-Kanal, gemeinsam mit Vincent van der Voort, ging der Niederländer heute auf eine Frage ein, die er offenbar oft hört: ob sein Leben nicht ein Traum sei.

„Sie alle denken, sie wollen mein Leben haben. Ich gebe ihnen gern eins: Reist einfach ein Jahr lang mit mir mit“, antwortete van Gerwen trocken. Auf die Frage nach seinem besten Freund auf Tour kam die vielleicht entlarvendste Pointe des Tages: „Wahrscheinlich der Schiedsrichter.“ Und während im Stream parallel auf die 121 geworfen und der Chat gelesen wurde, seufzte er: „Wir versuchen, gleichzeitig 121 zu spielen, den Chat zu lesen und alles zu beantworten. Das ist ziemlich schwierig, Leute.“

Dazwischen streute der Routinier einen Satz ein, den sich Hobbyspieler einrahmen dürfen – über das, worauf es beim Wurf ankommt: „Der Release. Der Release ist so gut. Du lässt einfach alles los.“

Die Ergebnisse kompakt

World Series of Darts Finals, zweite Runde (Nachmittagssession, Best of 19 Legs):

  • Dirk van Duijvenbode 10:9 Luke Humphries (101,14 / 98,34)
  • Gian van Veen 10:7 Karel Sedláček (101,52 / 103,30)
  • Josh Rock 10:7 Ryan Searle (95,11 / 90,60)
  • Ross Smith 10:5 Daryl Gurney (100,30 / 94,57)

Kuriosum des Tages: Karel Sedláček warf mit 103,30 den höchsten Average der Session – und flog raus. Gian van Veen konterte unter anderem mit einem hohen Finish von 147 zum 3:3 und machte den Sack am Ende im gegnerischen Anwurfleg per Doppel 8 zu. Anschließend bedankte er sich bei seinen Eltern, die extra angereist waren: „Das letzte Mal waren sie in Polen dabei.“ Sedláček habe „ein fantastisches Match geworfen“, so van Veen – ein 10:7 gegen diesen Gegner gebe ihm mehr Selbstvertrauen als ein Spaziergang.

In der Abendsession sind vier weitere Achtelfinals angesetzt: Jonny Clayton – Motomu Sakai, Gerwyn Price – Jim Long, James Wade – Wessel Nijman und Luke Littler – Nathan Aspinall. Nijman, der seit Monaten an der Tür zum ersten großen Major-Durchbruch klopft, gab sich vorab kämpferisch: Er brauche einfach einmal das Quäntchen Glück auf seiner Seite.

MODUS Super Series: Parallel wird am Abend das Finale der Woche sieben ausgespielt. Sechs Spieler – David Evans, Henry Cooper, Steve Green, Richie Howson, Benito van de Pas und Sam Spivey – kämpfen um den Wochensieg und den einen Platz, der noch für die Champions Week zu vergeben ist.

Das steht morgen an

Die World Series of Darts Finals gehen am Sonntag in den Schlusstag: Ab 13:00 Uhr MESZ stehen die vier Viertelfinals an, ab 19:00 Uhr folgen die beiden Halbfinals und das Endspiel. Fix ist bereits das rein niederländische Duell Gian van Veen gegen Dirk van Duijvenbode; im selben Tableauteil treffen Josh Rock und Ross Smith aufeinander, der Sieger dieser Partie wartet im Halbfinale. Zu vergeben sind 100.000 Pfund für den Champion aus einem Gesamtpreisgeld von 450.000 Pfund.

Weitere News

Alle Darts-News auf DartCloud