Max Hopps WM-Rekord, Scholtens Abrechnung mit der PDC-Expansion & Gurneys Brillen-Comeback

Darts News vom 17.09.2026: Max Hopp knackt den deutschen WM-Rekord, Roland Scholten kritisiert die PDC-Expansion und Daryl Gurney spielt wieder mit Brille.
Das Wichtigste des Tages
Der Donnerstag war ein Tag der leisen Schlagzeilen – und die größte davon kam ausgerechnet aus Deutschland. Max Hopp hat sich sein zehntes Ticket für die PDC-Weltmeisterschaft im Alexandra Palace gesichert und damit einen deutschen Rekord aufgestellt, den vor ihm niemand hielt. Dazu rechnete Roland Scholten mit der weltweiten Expansionspolitik der PDC ab, Co Stompé nahm das Teilnehmerfeld der World Series Finals auseinander, Michael van Gerwen redete vor dem Heimspiel in Amsterdam seine Favoritenrolle klein und zweifelte gleichzeitig am Hunger von Luke Littler. Und Daryl Gurney erklärte, warum er nach 21 Jahren wieder mit Brille an der Oche steht.
Darts in Deutschland: Max Hopp schreibt Geschichte
Es ist die deutsche Darts-Nachricht des Tages, und sie hat eine ordentliche Portion Comeback-Kitsch. Max Hopp wird im Winter zum zehnten Mal bei der PDC-Weltmeisterschaft im Alexandra Palace stehen. Kein deutscher Spieler hat das vor ihm geschafft. Der 30-Jährige hat sich den Platz über die ProTour Order of Merit gesichert, jene Rangliste also, die Woche für Woche auf den Players Championships verdient wird. Kein Zufallstreffer bei einem Qualifier, sondern das Ergebnis einer konstanten Saison.
„Es bedeutet mir unendlich viel“, sagte Hopp. „Schon im vergangenen Jahr habe ich den Traum skizziert, dass ich mit 30 meine zehnte WM spiele. Dass das jetzt wirklich klappt, kann ich kaum in Worte fassen.“ Und er weiß genau, was der Rekord wert ist: „Zehn Weltmeisterschaften hat noch kein Deutscher gespielt. Das sage ich nicht aus Eigenwerbung, sondern weil es ein Fakt ist. Und es ist ein Fakt, auf den ich unglaublich stolz bin.“
Der Weg dorthin war alles andere als gerade. Nach dem Verlust der Tour Card folgten für den früheren Teenager-Star Jahre auf der Development und der Challenge Tour, weit weg von dem Rampenlicht, in dem er einmal gestanden hatte. Über die Q-School holte er sich den Profistatus zurück, im vergangenen Winter stand er nach fünf Jahren Pause erstmals wieder auf der WM-Bühne. In der laufenden Saison hat er mehr als 50.000 Pfund Preisgeld eingespielt, für ihn selbst die stärkste Spielzeit seiner Karriere. Sein bestes WM-Resultat bleibt die dritte Runde, und genau dort will er ansetzen: „Ich gehe sehr positiv in den Winter rein und möchte bei der WM einfach Vollgas geben.“
Warum kein Deutscher in Amsterdam steht
Passend dazu wurde heute aufgearbeitet, warum bei den World Series of Darts Finals kein einziger Deutscher am Start ist. Die Antwort steckt im Qualifikationsmodus: 24 der 32 Plätze werden über die World Series Order of Merit vergeben, und kein deutscher Spieler hat in dieser Saison auch nur ein World-Series-Event bestritten. Vier weitere Startplätze gingen an die bestplatzierten Profis der Order of Merit, vier an einen Tour-Card-Qualifier. Dort waren 14 Deutsche gemeldet, weiter als in die Runde der letzten 32 kam niemand. Niko Springer und Dominik Grüllich waren die besten, Martin Schindler scheiterte an Madars Razma.
Dass das nicht immer so war, zeigt ein Blick in die Historie: Von 2017 bis 2019 gehörte die German Darts Masters zur World Series. Auf Schalke kamen 20.201 Zuschauer, bis heute eine Hausnummer. In Köln lieferte Deutschland dann sportlich ab: Schindler warf van Gerwen aus dem Turnier, Gabriel Clemens stand im Finale. Seit dem Wegfall des deutschen Events fehlt schlicht die Eintrittskarte in diese Turnierserie.
Story des Tages: „Aus Liebe zum Geld“
Roland Scholten hat heute ausgesprochen, was viele in der Szene denken. Auf die Frage, warum die PDC ihre World Series immer weiter über den Globus verteilt, von Bahrain über Saudi-Arabien bis nach Australien, Neuseeland und in die USA, antwortete der frühere Weltklasse-Profi: „Das geschieht nicht aus Liebe zum Sport, sondern aus Liebe zum Geld.“ Bemerkenswert ist, dass Scholten daraus keinen Skandal macht. Er schob nach: „Niemand ist dadurch schlechter gestellt.“ Mehr Events bedeuten mehr Preisgeld, mehr Bühnen, mehr Reichweite.
Die PDC hält mit dem Argument des langen Atems dagegen. Chief Executive Matthew Porter verteidigt Standorte, an denen bislang wenig Publikumsresonanz entsteht, mit dem Hinweis, man verstehe das als Aufbau eines nachhaltigen Interesses. Bahrain gilt als Beispiel dafür, dass so etwas Jahre dauern kann. Aus Spielersicht meldete sich Gian van Veen zu Wort: In Australien habe er vor einer ausverkauften Halle mit 5.000 Zuschauern gespielt, an anderen Standorten sei er deutlich skeptischer. Die Reisebelastung wächst mit jedem neuen Kontinent im Kalender.
In dieselbe Kerbe schlug Co Stompé, allerdings mit Blick auf das aktuelle Teilnehmerfeld in Amsterdam. Für viele der internationalen Qualifikanten sei die Reise sportlich wie finanziell ein Verlustgeschäft, sie seien faktisch Außenseiter ohne echte Chance und zahlten dabei kräftig für Flug und Hotel. „Am Ende muss auch die Qualität stimmen“, sagte Stompé. Trotzdem bleibe genug Klasse im Feld, und die Stimmung werde ohnehin stimmen, sobald die Halle voll ist. Zwei Stimmen, ein Thema: Die Globalisierung des Dartsports ist längst kein Selbstläufer mehr, sondern eine Rechnung mit vielen Unbekannten.
Van Gerwen: Außenseiter im eigenen Wohnzimmer
Michael van Gerwen hat heute einen Ton angeschlagen, den man von ihm selten hört. „Ich bin nicht der Favorit für dieses Turnier, und das bringt mich auch in eine Außenseiterrolle“, sagte der 37-Jährige. Er ist an Position eins gesetzt, spielt auf heimischem Boden und ist in der Weltrangliste so tief abgerutscht wie seit 2013 nicht mehr. In dieser World-Series-Saison bestritt er nur drei Turniere, gewann davon zwei, in Bahrain und in Kopenhagen, und verlor das Endspiel in Saudi-Arabien gegen Littler. Van Gerwen sprach zudem über seine umgestellte Lebensweise: gesünderes Essen, mehr Bewegung. Sein Spiel habe darunter nicht gelitten, im Gegenteil, er fühle sich wohler.
Gleichzeitig positionierte er sich beim Dauerthema Littler. „Als ich jünger war, habe ich alles gespielt“, so van Gerwen. In seinen ersten Jahren auf der Pro Tour habe er jedes erreichbare Turnier mitgenommen, während Littler bewusst Events auslasse. Den größten Unterschied zwischen sich und dem Weltranglisten-Ersten sieht er also nicht im Können, sondern im Hunger. Die Leistungen des Weltmeisters stellt er dabei ausdrücklich nicht infrage.
Am Rande streifte van Gerwen auch das Netflix-Format „Beat Luke Littler“, bei dem Amateure für ein sechsstelliges Preisgeld ein Leg gegen den Weltranglisten-Ersten gewinnen sollen. Sein Kommentar fiel trocken aus: Sonst schicke er eben Vincent van der Voort für die halbe Million rüber, dann teile man sich das Geld. Ernsthafter Nachsatz: Selbst ein einziges Leg gegen Littler zu gewinnen, verlange ein Topspiel und eine Portion Glück.
Nach 21 Jahren: Gurney greift zur Brille
Die schönste Randnotiz des Tages liefert Daryl Gurney. Der Nordire steht erstmals seit 21 Jahren wieder mit Brille an der Oche. Damals war ihm bei einem Turnier die Brille abhandengekommen, gestohlen, während er in der Schlussphase eines Matches auf der Toilette war. Seitdem: keine Sehhilfe. Bestimmte Bereiche des Boards habe er zuletzt nur noch unscharf wahrgenommen, jetzt sehe er sie wieder problemlos. Seit rund drei Wochen trainiert er mit der neuen Brille, die Eingewöhnung läuft noch, die ersten Eindrücke sind positiv. Wer Gurney in Amsterdam an die Scheibe treten sieht, weiß nun, warum da plötzlich ein Gestell im Gesicht sitzt.
Branche: Winmau öffnet die Vorbestellung für Autodarts X
Abseits der Bühne wurde es heute technisch. Winmau hat um 12 Uhr BST die Vorbestellung für das Autoscoring-System Autodarts X geöffnet, unverbindliche Preisempfehlung 449 Pfund. Vier HD-Kameras, die hauseigene PinPoint-Erkennung und eine integrierte 360-Grad-Beleuchtung sollen Turnier-Genauigkeit an jedes Standard-Board bringen. Montiert wird geklemmt, ohne Bohren, laut Hersteller in unter zwei Minuten spielbereit. Für Ligen und Heimspieler ist das mehr als eine Spielerei: Automatisches Scoring senkt die Einstiegshürde und liefert Statistiken, die früher nur auf der Bühne entstanden.
Kompakt: MODUS Super Series und der Auftakt in Amsterdam
Bei der MODUS Super Series gab es heute einen makellosen Tagessieger: S. Spivey gewann alle fünf Gruppenspiele und ließ dabei nur sechs Legs zu. Dahinter wurde es eng, denn zwischen den beiden Verfolgern lag am Ende ein einziges Leg.
- S. Spivey – 5 Siege, Legs 20:6 (4:0 Leung, 4:1 Chrysospathis, 4:1 McClelland, 4:3 van de Pas, 4:1 Hughes)
- P. Hughes – 3 Siege, Legs 16:11, unter anderem 4:0 gegen McClelland und 4:3 gegen Chrysospathis
- Benito van de Pas – 3 Siege, Legs 16:12, gewann das direkte Duell gegen Hughes mit 4:3
- P. Chrysospathis – 2 Siege; K. F. Leung und B. McClelland je 1 Sieg
Parallel sind in Amsterdam die World Series of Darts Finals in die erste Runde gestartet, gespielt wird im Modus Best of 11 Legs. Das Auftaktmatch zwischen V. Tingström und Dirk van Duijvenbode lief bei Redaktionsschluss noch. Beide Turniere begleiten wir in eigenen ausführlichen Turnier-Artikeln.
Das steht morgen an
Am Freitag wird die erste Runde in Amsterdam mit der unteren Tableau-Hälfte komplettiert, Beginn ist um 19 Uhr deutscher Zeit. Angesetzt sind unter anderem Luke Littler gegen Danny Noppert, Gerwyn Price gegen Brody Klinge, James Wade gegen Damon Heta sowie Jonny Clayton gegen Maik Kuivenhoven. Parallel geht die MODUS Super Series mit dem nächsten Gruppentag weiter.