Visa-Chaos kippt van Gerwens WSOD-Auslosung, Schindler unter Zugzwang & Paxtons Alarm aus der zweiten Reihe

Visa-Chaos kippt van Gerwens WSOD-Auslosung, Schindler unter Zugzwang & Paxtons Alarm aus der zweiten Reihe

Darts News vom 9. September 2026: Visa-Chaos kippt van Gerwens WSOD-Auslosung, Schindler und Clemens zittern um den World Grand Prix, Paxton schlägt Alarm.

Kein Fernsehturnier, keine große Bühne, kein Live-Board – und trotzdem war dieser Mittwoch einer jener Tage, an denen sich der Darts-Herbst 2026 tatsächlich sortiert. Ein Visum, über das nicht rechtzeitig entschieden wurde, verändert die Auslosung eines Majors. Ein paar hundert Pfund entscheiden darüber, wer beim World Grand Prix ans Oche darf und wer zusieht. Und der dominanteste Spieler des vergangenen Jahrzehnts setzt sich erstmals vor die eigene Kamera und gesteht, dass er in seinen besten Jahren praktisch nie trainiert hat.

Das Wichtigste des Tages

Zwei philippinische Spieler verlieren ihre Startplätze bei den World Series of Darts Finals – nicht am Board, sondern in der Visastelle. Michael van Gerwen bekommt dadurch ein deutlich unangenehmeres Auftaktlos. Vor dem letzten wertungsrelevanten Turnier trennen die letzten Grand-Prix-Tickets nur ein paar hundert Pfund, für Martin Schindler und Gabriel Clemens wird es dadurch eng. Und in zwei Podcasts und einem Livestream wurde heute mehr über den Zustand des Sports gesagt als in mancher Turnierwoche.

Visa-Chaos: Ilagan und Toylo raus, Gurney und Kuivenhoven rücken nach

Lourence Ilagan und Alexis Toylo können bei den World Series of Darts Finals in Amsterdam nicht antreten. Der Grund liegt nicht auf der Scheibe, sondern in der Bürokratie: Über ihre Schengen-Visa-Anträge wurde nicht rechtzeitig entschieden. Beide Philippiner mussten für das abschließende Wochenprogramm der PDC Asian Tour und die PDC Asian Championship nach China reisen – die Papiere für die Niederlande kamen nicht hinterher.

Nachgerückt wird nach PDC-Regel 3.7 über die Warteliste des Tourcard-Holder-Qualifiers: Daryl Gurney übernimmt Ilagans Platz, Maik Kuivenhoven den von Toylo. Damit verschiebt sich die Auslosung an prominenter Stelle. Titelverteidiger Michael van Gerwen trifft zum Auftakt nun auf Gurney statt auf einen asiatischen Qualifikanten, Kuivenhoven bekommt es mit Jonny Clayton zu tun.

Sportlich ist das eine spürbare Verschärfung. Gurney ist kein Losglück, sondern ein ehemaliger Major-Sieger, der genau weiß, wie man einen großen Namen unter Druck setzt – und van Gerwen ist derzeit nicht in der Verfassung, sich einen Fehlstart leisten zu können. Nebenbei ist der Vorgang eine unangenehme Erinnerung daran, dass die PDC ihr Weltturnier-Versprechen an Behörden delegiert, auf die sie keinerlei Einfluss hat: Wer aus Asien anreist, spielt sein Major-Los mitunter schon am Schalter.

World Grand Prix: 750 Pfund entscheiden über die letzten Tickets

Die Flanders Darts Trophy in Antwerpen ist das letzte Turnier, das für die Grand-Prix-Wertung zählt – und damit für ein gutes Dutzend Spieler wichtiger als jedes Preisgeld. Das Feld in Leicester setzt sich aus den Top 16 der PDC Order of Merit und den 16 bestplatzierten noch nicht qualifizierten Spielern der ProTour-Rangliste zusammen.

Oben ist fast alles geklärt: Luke Littler führt die Setzliste mit 3,135 Millionen Pfund und mehr als zwei Millionen Vorsprung auf Luke Humphries an. Nur Jermaine Wattimena kämpft noch um einen gesetzten Platz – er müsste dafür in Antwerpen gewinnen, hat sein Startrecht über die ProTour-Liste aber ohnehin sicher.

Richtig eng wird es an der Schnittkante:

  • Die letzten beiden Plätze halten Joe Cullen und Cristo Reyes – getrennt durch lediglich 750 Pfund.
  • Kim Huybrechts fehlen 500 Pfund auf Reyes.
  • Sebastian Bialecki liegt 1.500 Pfund zurück.

In dieser Region entscheidet ein einziges gewonnenes Match über eine Major-Teilnahme. Für Beau Greaves (67.750 Pfund), Jeffrey de Graaf (66.500 Pfund), Mickey Mansell (60.000 Pfund) und Gabriel Clemens (57.750 Pfund) reicht das nicht mehr: Sie müssen das Turnier gewinnen. Den kuriosesten Auftrag hat Mike De Decker – der Belgier muss sich morgen erst über den Host Nation Qualifier ins Turnier spielen und dieses dann auch noch gewinnen.

Darts in Deutschland

Für den deutschen Darts hat dieser Mittwoch eine unbequeme Rechnung geliefert. Martin Schindler steht auf Rang 20 der ProTour Order of Merit mit 75.500 Pfund – zu wenig für ein sicheres Ticket. Er muss in Antwerpen mindestens ins Viertelfinale, um seine Grand-Prix-Chance am Leben zu halten. Gabriel Clemens hat es als 28. mit 57.750 Pfund härter erwischt: Bei ihm hilft nur der Turniersieg. Deutlich entspannter ist die Lage von Niko Springer, der mit 87.000 Pfund auf Rang 14 liegt und ein Polster auf die Schnittkante hat – ohne dass es beruhigend groß wäre.

Besonders bitter ist das ausgerechnet beim World Grand Prix, dem einzigen Major im Double-in-Double-out-Modus – jenem Turnier, bei dem Schindler als erster Deutscher überhaupt im Viertelfinale stand. Umso mehr steht für ihn in Antwerpen auf dem Spiel.

Deutlich mehr Spaß machte die zweite deutsche Geschichte des Tages: Leon Weber, 23 Jahre alt, Tourcard-Inhaber seit 2025 und aktuell Nummer 87 der Welt, saß bei der Pub Edition von „The Last Flight“ in Krefeld auf dem Podium – gemeinsam mit Gabriel Clemens und Max Hopp, moderiert von Fabian Dippold. Weber sprach über seinen Neun-Darter und über sein Bühnendebüt beim European Darts Grand Prix in Sindelfingen und lieferte die ehrlichste Adrenalin-Anekdote des Tages: „Ich war so unter Adrenalin, dass ich beim Wurf auf die Triple 20 über das Board hinausgeworfen und Tops getroffen habe.“ Gewonnen hat er trotzdem, 6:3 gegen Ryan Joyce.

Dazu kam die charmanteste Debatte des Abends: Weber hat bis heute keinen offiziellen Spitznamen. Max Hopp rief die Community zu Vorschlägen auf, im Raum standen „Leon der Löwe“, „The Web“, „Spider-Man“ und „Leonidas“. Sportlich hat der Krefelder ohnehin geliefert: zwei Turniersiege in dieser Saison und Rang vier der Development Tour Order of Merit bei noch vier ausstehenden Events.

Story des Tages: Van Gerwen geht auf Sendung – und wird ehrlich

Michael van Gerwen hat seinen ersten eigenen Online-Livestream gemacht, gesendet aus dem eigenen Trainingsraum, Darts in der Hand, Fragen der Fans im Chat. Und er nutzte ihn für ein Geständnis, das seine alte Arbeitsweise in einem einzigen Wort zusammenfasst. Auf die Frage, wie viel er in seinen dominanten Jahren geübt habe, antwortete der dreifache Weltmeister: „Null. Ich habe früher nie trainiert.“ Er habe schlicht so viele Turniere gespielt, dass zusätzliche Übungsstunden überflüssig gewesen seien.

Das ist Vergangenheit. Van Gerwen sprach offen über eineinhalb schwierige Jahre, über seinen Weg zurück und darüber, dass ihm heute nur harte Arbeit hilft – zurück an die Übungsscheibe, konstanter werden, weg von den großen Ausschlägen nach oben und unten. Auch sein Gewichtsverlust war Thema; auf seinen Wurf, betont er, habe der keinen negativen Einfluss.

Fast zeitgleich ordnete Vincent van der Voort im Podcast „Darts Draait Door“ ein, was er zuletzt gesehen hat – unsentimental: „Er weiß, dass er im Moment nicht um den Titel spielt. Sein Niveau muss insgesamt besser werden.“ Van der Voort verwies auf Partien, in denen van Gerwen bei 4:4 wieder einen Elfer oder Zwölfer nachlegen konnte – „das ist also noch drin“ –, aber auch auf Gegner wie Mario Vandenbogaerde: „Wenn du ohnehin nicht in Form bist und sehr hart arbeiten musst, ist er einfach ein schwieriger Gegner.“ Seine Botschaft: Der Weg zurück dauert Monate, nicht Wochen – und eine gute Turnierwoche ist noch keine Wende.

„Du wirst deinen Job aufgeben müssen“ – Paxton schlägt Alarm

Während an der Spitze über Titel geredet wird, hat Adam Paxton über das Existenzminimum gesprochen. Der 26-Jährige, aktuell Nummer 98 der Order of Merit, beschrieb im Podcast „Oche180“ die wirtschaftliche Realität der zweiten Reihe: „Du wirst deinen Job aufgeben müssen, zumindest teilweise, um Dartsspieler zu sein.“ Eine Einkommensgarantie gibt es dafür nicht – wer auf der ProTour sein Auftaktmatch gewinnt, bekommt 1.250 Pfund, wer verliert, geht leer aus.

Paxtons Vorschlag ist konkret: Spieler außerhalb der Top 64 sollten außerhalb der PDC starten dürfen, um dazuzuverdienen – etwa bei Formaten wie der MODUS Super Series. Und er stellte die Frage, die sich in der zweiten Reihe viele stellen: Warum gibt es im Darts, dem Wachstumsmarkt der Branche, keine Mindestverdienst-Garantie für Tourcard-Inhaber, wie sie der Profi-Snooker kennt?

Stimme des Tages: Chisnall über Taylor

Dave Chisnall hat in seiner Kolumne an den Maßstab erinnert, an dem sich in Leicester ohnehin alles messen lässt: „Die Leute begreifen noch immer nicht, wie gut er in seiner besten Zeit war“, schrieb er über Phil Taylor und erinnerte daran, wie er selbst gegen ihn ohne Legerfolg vom Board ging. Chisnall arbeitet derzeit daran, seine Position in der Order of Merit zu festigen – auch mit Blick auf den World Grand Prix.

MODUS Super Series

Bei der MODUS Super Series wurde das komplette Tagesprogramm über 15 Partien abgespult – und Jamai van den Herik hat es nach einem Fehlstart gedreht. Der Niederländer verlor sein Auftaktspiel gegen James Hubbard mit 2:4, gewann danach aber alles und beendete den Tag mit vier Siegen. Dahinter gab es ein Dreier-Patt: Derek Coulson, Hubbard und Pieter Dekker kamen jeweils auf drei Erfolge. Am bittersten erwischte es Gary Mawson, der nach einem 4:0 zum Auftakt vier Niederlagen in Serie kassierte, drei davon denkbar knapp mit 3:4.

  • van den Herik 4:1 Coulson
  • Coulson 4:2 Hubbard
  • Munyua 4:3 Coulson
  • Dekker 4:3 Hubbard
  • Hubbard 4:3 Mawson

Das steht morgen an

Am Donnerstag steigt in Antwerpen der Host Nation Qualifier zur Flanders Darts Trophy, bei dem vier Startplätze an belgische Spieler vergeben werden. Dort meldet sich Dimitri Van den Bergh nach langer Wettkampfpause zurück, und für Mike De Decker ist es die erste von zwei Pflichtaufgaben auf dem Weg zum World Grand Prix. Parallel geht die MODUS Super Series mit dem nächsten Spieltag weiter.

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