Grand-Prix-Rennen wird zum Nervenspiel, Schindler unter Zugzwang & Ally-Pally-Ballot vor dem Schluss

Darts News vom 6. September 2026: Das Grand-Prix-Rennen spitzt sich zu, Martin Schindler unter Zugzwang, Gerwyn Price im Halbfinale, Ally-Pally-Ballot endet.
Das Wichtigste des Tages
Es war einer jener Sonntage im Darts-Kalender, an denen die eigentliche Geschichte nicht auf der Bühne geschrieben wird, sondern in einer Tabelle. Während die European Tour in Prag ihren zwölften Halt der Saison abarbeitet, tickt im Hintergrund eine Uhr, die für ein gutes Dutzend Profis über das Jahr entscheidet: Der Cut für den World Grand Prix rückt näher, und nur noch zwei Turniere zählen für die Rangliste. Jedes Leg, das heute gespielt wurde, hat an dieser Rechnung mitgeschrieben – und für einige war es die vorletzte Gelegenheit, überhaupt noch etwas zu beeinflussen.
- Grand-Prix-Rennen: Nach der heutigen Ranglisten-Betrachtung stehen fünf Spieler auf Plätzen, die noch kippen können – der Korridor über dem Strich ist teilweise nur 1.500 Pfund breit.
- Deutscher Blick: Martin Schindler fehlen rund 10.000 Pfund auf einen Startplatz in Leicester, Niko Springer liegt knapp, aber nicht sicher darüber.
- Kurioser Fall des Tages: Dave Chisnall steht im ProTour-Rennen auf Rang zwölf – und hat sich für keines der beiden verbleibenden Wertungsturniere qualifiziert.
- Prag: Gerwyn Price zieht als Erster ins Halbfinale ein, Luke Humphries folgt ihm – die ausführliche Turnier-Analyse gibt es bei uns separat.
- Ally Pally: Der PDCTV-Members-Ballot für die WM-Tickets läuft in seine Schlussphase, der allgemeine Ballot folgt unmittelbar danach.
Story des Tages: Fünf Wackelkandidaten und ein Mann ohne Startplatz
Der World Grand Prix ist das eigenwilligste Major im Kalender. Wer dort antritt, muss jedes Leg mit einem Doppel eröffnen – ein Format, das Favoritenrollen zuverlässig zerlegt und Außenseiter groß macht. Genau deshalb ist die Qualifikation so begehrt: 32 Plätze gibt es, 16 davon gehen gesetzt an die Top 16 der PDC Order of Merit, die anderen 16 an die bestplatzierten noch nicht qualifizierten Spieler der ProTour Order of Merit. Und weil für diese Wertung nur noch das laufende Turnier in Prag und die Flanders Darts Trophy zählen, ist aus dem Ranglisten-Rennen ein Countdown geworden.
Wie eng es zugeht, macht die heute veröffentlichte Analyse der Race-Tabelle deutlich: Rund um den entscheidenden 16. Platz drängen sich Cameron Menzies, Niko Springer, Joe Cullen und Cristo Reyes in einem Korridor von gerade einmal 1.500 bis 7.500 Pfund über dem Strich. Zur Einordnung: Das ist in mehreren Fällen weniger, als ein einziger tiefer Turnierlauf abwirft. Fünf Positionen gelten als akut kippgefährdet – ein Viertelfinale hier, ein Achtelfinale dort, und die Reihenfolge steht Kopf.
Das Bemerkenswerte an dieser Konstellation: Wer noch spielt, hat es zumindest in der eigenen Hand. Menzies etwa stand am Nachmittag in Prag am Board, verlor sein Achtelfinale gegen Gerwyn Price mit 1:6 – sportlich ein Nachmittag zum Abhaken, in der Grand-Prix-Rechnung aber ein Arbeitstag, der Preisgeld auf ein Konto spült, das nur knapp über dem Strich liegt.
Den bittersten Fall liefert allerdings ein Mann, der gar nicht mehr eingreifen kann. Dave Chisnall steht im ProTour-Rennen auf Rang zwölf und damit scheinbar komfortabel – doch er hat sich weder für Prag noch für die Flanders Darts Trophy qualifiziert. Sein Punktestand ist eingefroren, während alle Konkurrenten noch zweimal nachlegen dürfen. Chisnall kann seine Qualifikation nur noch verlieren, nie verbessern. Ähnlich ausweglos, wenn auch aus sportlichen Gründen, ist die Lage von Daryl Gurney, Mickey Mansell, Rob Owen, Keane Barry, Connor Scutt und Callan Rydz: Für sie reicht rechnerisch praktisch nur noch ein Turniersieg.
Darts in Deutschland: Für Schindler wird Flandern zum Endspiel
Für den deutschen Darts liest sich die heutige Ranglisten-Bilanz unangenehm. Rund 10.000 Pfund fehlen Martin Schindler auf einen Grand-Prix-Startplatz – und ihm bleibt genau ein Turnier, um diese Lücke zu schließen. Eine solche Summe holt man auf der European Tour nicht mit zwei gewonnenen Runden auf; es braucht in Belgien einen tiefen Lauf, im besten Fall bis in die Endphase des Turniers.
Dass ausgerechnet Schindler in dieser Position steckt, ist die vielleicht bemerkenswerteste Zahl des deutschen Darts-Jahres. Er ist unangefochten die Nummer eins hierzulande, auf den großen Bühnen längst etabliert – aber in dieser Saison lief er seiner Form so oft hinterher, dass sich in der ProTour-Wertung nie ein Polster aufbauen wollte. Dabei hätte ihm das Double-in-Format des Grand Prix durchaus liegen können: Es ist ein Turnier für Nervenstärke und für Spieler, die einen schlechten Start überstehen, ohne die Fassung zu verlieren.
Etwas komfortabler, aber ebenfalls nicht in Sicherheit ist Niko Springer. Der Youngster gehört zu jener Gruppe knapp über dem Strich, deren Vorsprung jedes Mal schrumpft, wenn ein Konkurrent eine Runde weiterkommt. Auch er hat mit Flandern noch die Gelegenheit, das Thema selbst zu erledigen, statt am Ende auf fremde Ergebnisse angewiesen zu sein. Genau diese Konstellation macht die kommenden Tage für den deutschen Darts spannender als jedes einzelne Match: Es geht nicht um Titel, es geht um Startplätze.
European Tour 12 in Prag: der Tag in Kurzform
Das zwölfte von 15 European-Tour-Turnieren der Saison steuerte in der PVA Expo auf seinen Höhepunkt zu – 230.000 Pfund liegen im Topf, 35.000 davon für den Sieger. Der Nachmittag brachte ein Achtelfinale ohne große Erdbeben, aber mit zwei Entscheidungslegs: William O'Connor und Danny Noppert setzten sich jeweils erst im elften Leg durch. Am Abend legte Gerwyn Price als Erster vor und buchte mit einem 6:4 gegen Ross Smith das Halbfinal-Ticket – der Waliser hatte schon nach seinem Achtelfinale betont selbstbewusst angekündigt, diesen Titel holen zu wollen.
- Achtelfinale: Gerwyn Price – Cameron Menzies 6:1
- Achtelfinale: Ross Smith – Gian van Veen 6:3
- Achtelfinale: William O'Connor – Josh Rock 6:5
- Achtelfinale: Luke Humphries – Andrew Gilding 6:3
- Achtelfinale: Jonny Clayton – Keane Barry 6:4
- Achtelfinale: Michael van Gerwen – Wessel Nijman 6:4
- Achtelfinale: Danny Noppert – Luke Woodhouse 6:5
- Achtelfinale: Luke Littler – Krzysztof Ratajski 6:3
- Viertelfinale: Gerwyn Price – Ross Smith 6:4
Im zweiten Viertelfinale behielt Luke Humphries gegen William O'Connor die Oberhand und trifft im Halbfinale auf Price – ein Duell mit Geschichte, denn der Engländer hat dieses Event bereits dreimal gewonnen. Zu Redaktionsschluss standen noch die Viertelfinals zwischen Jonny Clayton und Michael van Gerwen sowie zwischen Danny Noppert und dem topgesetzten Luke Littler aus; Halbfinals und Finale werden im selben Abendblock durchgezogen. Die ausführliche Analyse mit allen Averages, den Schlüsselszenen und dem Sieger findet ihr in unserem separaten Turnierbericht.
Ally Pally: Der Ticket-Ballot geht in die Schlussphase
Weniger spektakulär, dafür für zehntausende Fans handfest relevant: Die Ticketvergabe für die WM im Alexandra Palace steht vor ihrem wichtigsten Schritt. Der exklusive Ballot für PDCTV-Jahresabonnenten – das Vorrecht, das die PDC ihren zahlenden Streaming-Kunden einräumt – läuft nur noch bis morgen. Direkt im Anschluss öffnet der allgemeine Ballot, an dem jeder teilnehmen kann.
Wer die Prozedur aus den Vorjahren kennt, weiß: Der Ballot ist eine Auslosung, kein Windhundrennen. Früh anmelden bringt keinen Vorteil, wohl aber Ruhe – wer die Frist verpasst, hat schlicht keine zweite Chance. Angesichts der Nachfrage, die die WM zuletzt Jahr für Jahr erzeugt hat, dürften die Anmeldezahlen die verfügbaren Sitzplätze erneut um ein Vielfaches übersteigen.
Das steht morgen an
Am Montag schließt der PDCTV-Members-Ballot für die WM-Tickets; der allgemeine Ballot öffnet unmittelbar danach um 12:00 Uhr britischer Zeit. Parallel kehrt die MODUS Super Series nach Portsmouth zurück: In Woche sechs der Serie 15 gehen zwölf Spieler in drei Gruppen an den Start, unter ihnen Derek Coulson, John O'Shea, Ex-Weltmeister Kevin Painter und Youngster George Killington. Auf der großen Bühne bleibt es dagegen zunächst ruhig – die European Tour meldet sich erst zur Flanders Darts Trophy zurück, dem letzten Wertungsturnier vor dem Grand-Prix-Stichtag.