Littler stürmt im Dortmund-Ranking auf Rang vier, Springer und Schindler mit EM-Polster & Gurney beerdigt "Sup

Darts News vom 7. September 2026: Littler klettert im Europe-Tour-Ranking auf Rang vier, Springer und Schindler mit EM-Polster, Gurney streicht Superchin.
Ein Montag ohne großen TV-Abend – und trotzdem ein Tag, an dem sich für den Darts-Herbst mehr entschieden hat als bei manchem Turniersonntag. Die European Tour Order of Merit wurde heute neu ausgewiesen und zeigt, wer in wenigen Wochen bei der Europameisterschaft in Dortmund dabei ist und wer zittern muss. Zwei deutsche Profis stehen dabei erstaunlich komfortabel da, zwei weitere praktisch chancenlos. Dazu: eine Verletzungsmeldung von Luke Humphries, bestätigte Casting-Termine für Netflix' Darts-Show, das Ende eines Kult-Spitznamens – und 15 Partien bei der MODUS Super Series.
Europe-Tour-Ranking: Der Countdown nach Dortmund läuft
Die heute aktualisierte European Tour Order of Merit ist die wichtigste Tabelle dieses Darts-Herbstes: Die besten 32 dieser Wertung qualifizieren sich für die European Championship in den Dortmunder Westfalenhallen. Drei Turniere sind es noch bis zum Stichtag – die Rangliste von heute ist damit keine Momentaufnahme mehr, sondern fast schon eine Prognose.
An der Spitze steht weiterhin Ross Smith mit 133.000 Pfund, dahinter folgen Wessel Nijman (111.000 Pfund) und Krzysztof Ratajski (84.500 Pfund). Der spektakulärste Sprung gehört Luke Littler: Der Weltmeister kletterte um 16 Plätze von Rang 20 auf Rang vier, sein Konto wuchs von 40.000 auf 75.000 Pfund. Knapp dahinter rangiert Nathan Aspinall mit 74.000 Pfund. Auch Luke Humphries verbesserte sich deutlich, von Position 15 auf Rang neun (60.000 Pfund).
Deutlich unangenehmer liest sich die Tabelle am unteren Rand der Qualifikationszone. Joe Cullen hält Rang 32 mit 29.500 Pfund – und damit den letzten Dortmund-Platz. Direkt dahinter lauert mit Stephen Bunting ein Ex-Weltmeister und Major-Sieger, dem exakt 1.500 Pfund fehlen. In einer Wertung, in der ein einziger tieferer Turnierlauf vierstellig zu Buche schlägt, ist das nichts – und genau darin liegt die Brisanz: Diese 1.500 Pfund lassen sich an einem einzigen guten Nachmittag einsammeln, aber eben auch an einem einzigen schlechten wieder verlieren. Bunting ist längst nicht der einzige prominente Name, der in den verbleibenden drei Europe-Tour-Events liefern muss, um im Oktober nicht vor dem Fernseher zu sitzen.
Darts in Deutschland: Springer und Schindler mit Polster
Aus deutscher Sicht ist die heutige Rangliste eine gute Nachricht – und eine ernüchternde. Bester Deutscher ist Niko Springer auf Rang 24 mit 38.500 Pfund. Direkt dahinter, auf Position 27, steht Martin Schindler mit 34.500 Pfund. Beide liegen damit klar über dem Strich: Springers Vorsprung auf den ersten Nichtqualifikanten beträgt 10.500 Pfund, Schindlers immerhin 6.500 Pfund.
Das ist mehr wert, als es die nackten Zahlen andeuten. Für deutsche Profis ist die EM in Dortmund der emotionalste Termin des Jahres – eine volle Westfalenhalle, ein deutschsprachiges Publikum, ein Major vor der Haustür. Springers Position ist dabei bemerkenswert, weil sie nicht auf dem einen ganz großen Wurf beruht, sondern auf konstanten Ergebnissen quer über den Kontinent. Schindler wiederum gehört auf der European Tour seit Jahren zu den verlässlichsten Deutschen; Rang 27 ist kein Zufallsprodukt, sondern das Resultat regelmäßiger zweiter und dritter Runden.
Deutlich schwieriger wird es für den Rest des deutschen Aufgebots:
- Ricardo Pietreczko – Rang 58, 8.500 Pfund: Ihm hilft nur noch ein richtig tiefer Lauf, realistisch also mindestens ein Viertelfinale.
- Gabriel Clemens – Rang 128, 2.000 Pfund: praktisch aussichtslos.
- Florian Hempel – Rang 144, 2.000 Pfund: ebenfalls ohne realistische Chance.
Dass ausgerechnet der frühere WM-Halbfinalist Clemens bei einer EM im eigenen Land derzeit außen vor wäre, ist die bitterste Zahl dieses Montags aus deutscher Perspektive.
Personalie des Tages: Humphries spielte mit Schulterproblem
Heute wurde bekannt, unter welchen Umständen Luke Humphries zuletzt an die Scheibe getreten ist: Der Engländer kämpfte mit einem Schulterproblem, das ihn beinahe zum Rückzug gezwungen hätte. Nur die Arbeit seines Physiotherapeuten habe ihn überhaupt spielfähig gehalten.
„Ich wollte mich am Donnerstag zurückziehen und am Ende habe ich das Finale erreicht", ordnete Humphries ein – vier Endspiele in fünf Turnieren seien „eine großartige Serie".
Eine Absage steht ausdrücklich nicht im Raum, im Gegenteil: Humphries schickte gleich eine Kampfansage an Luke Littler hinterher. „Wenn er den ‚clean sweep' schaffen will, muss er es auf die harte Tour tun!" Trotzdem hat die Meldung Gewicht. Für einen Spieler, dessen größte Stärke die maschinelle Wiederholbarkeit seiner Wurfbewegung ist, ist ein lädierter Wurfarm das denkbar unangenehmste Signal – und der Kalender dieses Herbstes kennt keine Gnade.
Netflix macht ernst: Casting-Termine für „Beat Luke Littler" bestätigt
Eine Meldung, die den Sport über die Kernszene hinaus betrifft: Die Bewerber für Netflix' geplante Darts-Show „Beat Luke Littler" haben heute die Bestätigung ihrer Casting-Termine erhalten. Gecastet wird an zwei Standorten – in London im Here East im Queen Elizabeth Olympic Park sowie in Manchester im Manchester Central.
Das Auswahlverfahren läuft dreistufig und an einem einzigen Tag ab: Zuerst müssen die Kandidaten ein Leg 501 innerhalb einer festgelegten Dartanzahl checken, danach folgt ein Gespräch mit der Produktion, zum Abschluss bewertet eine PDC-Jury Wurf und Auftreten in Kombination. Am Ende bleiben 20 Finalisten übrig, die in der Sendung gegen den Weltmeister antreten – um einen Preistopf von 501.000 Pfund.
Dass eine Streaming-Plattform ein Format baut, dessen gesamte Dramaturgie auf einem einzigen 19-jährigen Spieler ruht, sagt viel über den Zustand dieses Sports: Littler ist längst nicht mehr nur Weltmeister, sondern ein eigenes Genre.
Story des Tages: „Superchin" wird beerdigt
Die kurioseste Meldung des Tages kommt aus Nordirland: Daryl Gurney legt seinen Spitznamen „Superchin" ab. „Superchin wird gestrichen", heißt es in dem Video, mit dem der World-Grand-Prix-Sieger von 2017 die Aktion gestartet hat. „Daryl Gurney braucht einen neuen Spitznamen – und wir lassen euch entscheiden."
Statt einfach einen neuen Beinamen zu verkünden, delegiert Gurney die Entscheidung also an die Fans: Wer unter dem TikTok-Video seinen Vorschlag kommentiert, nimmt automatisch an einer Verlosung teil. Gemeinsam mit dem Partner Mad House gibt es 22 Preise zu gewinnen – einen Satz Gurney-Darts, ein signiertes Superchin-Shirt, zehn zweistündige Darts-Sessions und zehn Dartcases. Der Abschied hat damit eine schöne ironische Note: Ausgerechnet die Reste der alten Marke werden verlost.
Dahinter steckt mehr als eine Marketing-Spielerei. Spitznamen sind im Darts kein Beiwerk, sondern Kapital – sie stehen auf Shirts, in Walk-on-Grafiken, in jeder Anmoderation. Wer seinen Beinamen nach über einem Jahrzehnt austauscht, definiert seine öffentliche Figur neu. Dass Gurney den Schritt an die Fanbasis abgibt, ist geschickt: Der neue Name kommt mit eingebauter Akzeptanz.
Kurios: Van der Voort und das Postfach-Problem
Für die heitere Note des Tages sorgte Vincent van der Voort im niederländischen Podcast „Darts Draait Door". Der Niederländer erzählte von den Anfragen, die ihn per Instagram erreichen – und die offenbar von besonderer Kreativität sind. Ein Mitglied einer Rotterdamer Studentenverbindung habe ihn tatsächlich gebeten, im Rahmen einer Aufnahmeprüfung einen Dart in das Hinterteil eines Anwärters zu werfen.
Van der Voorts Antwort fiel eindeutig aus: „Nein, das mache ich nicht. Das tut auch weh." Er verwies zudem auf die Bakterien an einem Dartboard und scherzte über die dann fällige Tetanus-Impfung. Den Vergleich mit dem Postfach von Michael van Gerwen ertrug er mit Galgenhumor: Während sich beim Landsmann regelmäßig Frauen melden – „er macht nichts damit, um das klarzustellen" –, lande bei ihm eher die Anfrage nach Voiceover-Arbeiten für Erwachsenenfilme.
MODUS Super Series: Hubbard führt nach der ersten Session
Die Gruppe A der MODUS Super Series eröffnete ihre Woche mit 15 Partien. An der Spitze steht James Hubbard mit vier Siegen aus fünf Spielen und acht Punkten.
- James Hubbard – 4 Siege, 8 Punkte
- Derek Coulson – 3 Siege, 6 Punkte, 92,82er Average (Tagesbestwert)
- Jamai van den Herik – 3 Siege, 6 Punkte
- David Munyua – 3 Siege, 6 Punkte
- Patrick Dekker und Gary Mawson – je 1 Sieg, 2 Punkte
Die kurioseste Bilanz gehört Coulson: Seine drei Siege gewann er allesamt ohne Legverlust – 4:0 gegen Munyua, 4:0 gegen Mawson und 4:0 gegen den späteren Tagesführenden Hubbard. Verloren hat er trotzdem zweimal, unter anderem 3:4 gegen Patrick Dekker, dessen einziger Erfolg das war. Van den Herik startete mit zwei Niederlagen und gewann anschließend alle drei restlichen Partien, darunter das 4:2 gegen Coulson. Alle Details, Averages und Analysen gibt es in unserem separaten Turnier-Artikel.
Das steht morgen an
Am Dienstag geht die Gruppe A der MODUS Super Series mit der zweiten Session weiter – dieselben sechs Spieler, erneut 15 Partien. Für Patrick Dekker und Gary Mawson ist es die Gelegenheit, den Anschluss an das Spitzenquartett herzustellen, für Derek Coulson die Chance, seinen Spitzen-Average endlich in Punkte umzumünzen. Sonst bleibt es auf den großen Bühnen ruhig: Die nächsten Bewegungen im Dortmund-Ranking gibt es erst beim nächsten Europe-Tour-Event.