Schindlers Big Fish ohne Happy End, Lloyds Menzies-Prophezeiung erfüllt sich & die Bundesliga rollt wieder

Darts News vom 5. September 2026: Schindler wirft in Prag den Big Fish und verliert doch, Menzies bestätigt Lloyds Lob, DDV-Bundesliga startet in die Saison.
Ein Samstag mit einem Wurf, den man so schnell nicht vergisst – und einem Ausgang, den man am liebsten sofort vergessen würde: Martin Schindler warf in Prag den Big Fish und verlor trotzdem. Dazu eine Einschätzung von Colin Lloyd, die sich noch am selben Nachmittag auf der Bühne bewahrheitete, ein Scherbengericht für die gesetzten Spieler und der Startschuss für die neue Saison der DDV-Bundesliga. Das DartCloud Journal zum Samstag, 5. September 2026.
Das Wichtigste des Tages
- Martin Schindler checkt in Prag 170 – den echten Big Fish – und verliert die Partie trotzdem 5:6 gegen Wessel Nijman.
- Colin Lloyd traut Cameron Menzies die Top 10 zu und vergleicht ihn mit Gary Anderson – Menzies schlägt Anderson wenige Stunden später 6:3.
- Fünf gesetzte Spieler scheitern allein in der Nachmittagssession in Prag.
- Die DDV-Winmau-Bundesliga startet in die neue Saison – der Titelverteidiger tritt erstmals unter neuem Namen an.
- Niko Springer bekommt am Abend die ganz große Bühne: Duell mit Weltranglisten-Primus Luke Littler.
- Im Rennen um die internationalen WM-Startplätze sind erst fünf von 48 Tickets vergeben.
Story des Tages: Der Lloyd-Effekt
Manchmal schreibt ein Darts-Tag seine Pointe ganz von allein. Am späten Vormittag veröffentlichte der frühere Weltranglistenerste Colin Lloyd eine Einschätzung über Cameron Menzies, die es in sich hatte. „Er ist Klasse, aber Top drei weiß ich nicht. In den Top Ten könnte er definitiv sein", sagte Lloyd über den Schotten. „Cammy ist ein sehr, sehr guter Spieler. Er ist ein schwerer Scorer, er punktet sehr, sehr hoch." Und dann der Satz, der den Rest des Tages überstrahlen sollte: „Wenn seine Doppel sitzen, erinnert er mich tatsächlich an jemanden wie Gary Anderson."
Lloyd blieb dabei nicht beim Kompliment. Er zog die Parallele bewusst weiter: Auch Gary Anderson habe in der frühen Phase seiner Karriere immer schwer gescort, sich aber selbst im Weg gestanden, weil die Doppel nicht fielen – bis das Spiel plötzlich zusammenlief und aus dem Talent ein zweifacher Weltmeister wurde. Genau dieser Schritt fehle Menzies noch. Dazu die Mahnung: Emotionen kontrollieren, Chancen selbst greifen, statt darauf zu warten, dass der Gegner sie herschenkt.
Wenige Stunden später stand Menzies in Prag auf der Bühne – ausgerechnet gegen Gary Anderson. Und er tat exakt das, was Lloyd eingefordert hatte: Er blieb in den engen Momenten ruhig, ließ Anderson nie in einen Rhythmus kommen und machte den 6:3-Erfolg über die Doppel 4 klar. 95,82 Punkte im Average, kein Feuerwerk, aber eine sehr erwachsene Vorstellung. Ein besseres Empfehlungsschreiben hätte der Schotte am selben Tag kaum abliefern können.
Darts in Deutschland
Es war der Wurf des Tages – und er reichte trotzdem nicht. Martin Schindler lieferte in Prag ein Zweitrundenmatch, über das noch länger geredet werden wird, und verlor es am Ende doch. Der Deutsche eröffnete mit einem 88er-Finish, Wessel Nijman glich aus und schaffte über die Doppel 16 das erste Break, Schindler konterte mit einem hohen 104er-Checkout. Und dann kam der Moment, auf den die PVA Expo gewartet hatte: 170 Rest, drei Darts, Triple 20, Triple 20, Bullseye. Big Fish – das höchste mögliche Checkout, gesetzt in einer Phase, in der jeder Fehler das Match gekostet hätte.
Nijman ließ sich davon nicht beeindrucken und antwortete über die Doppel 8. Schindler legte sein drittes hohes Finish nach, diesmal 127 – und stand plötzlich vor dem Sieg. Bei 68 Rest hatte er den Matchdart auf der Doppel 16, traf aber nicht. Im Decider bekam er bei 78 Rest die nächste Chance, doch der zweite Stelldart landete statt in der einfachen 20 in der einfachen 5, die Doppel 20 blieb unerreichbar. Nijman nutzte die Einladung und machte im zweiten Versuch über die Doppel 20 den 6:5-Sieg perfekt. Schindler verlässt Prag mit dem spektakulärsten Wurf des Tages im Statistikbogen – und mit dem bitteren Gefühl, ein Match verschenkt zu haben, das ihm gehört hätte.
Die deutschen Hoffnungen ruhen damit am Abend auf Niko Springer, der in der Abendsession auf Weltranglisten-Primus Luke Littler trifft – ein Duell, das man sich als Underdog erst einmal verdienen muss. Angst hat der 26-Jährige keine: „Ehrlich gesagt habe ich nichts zu verlieren. Ich fühle mich sehr sicher. Natürlich wird es hart, aber es ist Best of 11. Also los, ich bin bereit!" Springer nennt auch den Grund für die besondere Anspannung: „Ich schaue gerade auf den Race to the World Grand Prix, deshalb ist jeder Sieg sehr wichtig." Es geht für ihn um die erste World-Grand-Prix-Qualifikation seiner Karriere – und die entscheidet sich in genau solchen Wochen.
Und zu Hause rollt wieder die Scheibe: Die DDV-Winmau-Bundesliga ist heute in die neue Saison gestartet. Der Titelverteidiger geht nach dem Vereinswechsel erstmals als ATSV Mutschelbach an den Start, weiterhin mit Namen wie Mensur Suljovic, José Justicia und Robert Marijanovic im Kader. Das Auftaktprogramm hatte es direkt in sich: Um 12 Uhr eröffnete Mutschelbach im Heimspieltag gegen den DC Dartmoor Darmstadt um die WM-Fahrer Nico Kurz und Kevin Münch, um 18 Uhr folgten die DC Torpedos Geiersthal. Drei hochklassige Begegnungen wurden vom Verband kostenlos im Livestream übertragen – ein Signal, das der deutschen Ligalandschaft guttut.
Europa: Prag – die Kurzfassung
Die Nachmittagssession der zweiten Runde war ein Scherbengericht für die Gesetzten: Gleich fünf von ihnen flogen raus. Krzysztof Ratajski zerlegte den an 16 gesetzten Jermaine Wattimena mit rund 101 im Average, William O'Connor drehte einen Rückstand gegen Ryan Searle, Keane Barry warf Chris Dobey aus dem Turnier, Andrew Gilding entzauberte Nathan Aspinall, und Cameron Menzies erledigte Gary Anderson. Das statistische Ausrufezeichen setzte Danny Noppert beim klaren Erfolg über Kevin Doets.
- Krzysztof Ratajski 6:2 Jermaine Wattimena
- William O'Connor 6:4 Ryan Searle
- Danny Noppert 6:1 Kevin Doets
- Cameron Menzies 6:3 Gary Anderson
- Wessel Nijman 6:5 Martin Schindler
- Keane Barry 6:4 Chris Dobey
- Ross Smith 6:1 Stephen Burton
- Andrew Gilding 6:2 Nathan Aspinall
- Gian van Veen 6:1 Jeffrey de Graaf
Die Abendsession mit Littler, Humphries, van Gerwen, Price, Clayton, Rock und Bunting lief bei Redaktionsschluss noch. Gian van Veen hatte mit dem 6:1 gegen Jeffrey de Graaf bereits den ersten Platz in der Runde der letzten 16 gebucht.
MODUS Super Series – die Kurzfassung
In der Gruppe um Neil Duff und Dmitrii Rogov gab es an der Spitze keine Ausrutscher, dafür jede Menge Nervenkitzel. Duff gewann alle drei Partien, musste dabei aber zweimal über die volle Distanz: 4:3 gegen Ziggy Schenk, 4:1 gegen Richard McKee und 4:3 im Spitzenduell gegen Martyn Turner. Rogov hielt mit drei eigenen Siegen dagegen – 4:3 gegen Turner, 4:1 gegen McKee und 4:2 gegen Schenk. Turner blieb mit dem 4:1 gegen Schenk der einzige weitere Sieger, Schenk und McKee gingen leer aus.
Der Weg nach Ally Pally
Während in Prag um Preisgeld und Ranglistenpunkte geworfen wird, läuft im Hintergrund das große Sortieren für die Weltmeisterschaft – und der Zwischenstand, der heute veröffentlicht wurde, macht klar, wie viel Arbeit noch vor der Tour liegt: Erst fünf der 48 internationalen Startplätze sind vergeben, an Mal Cuming als Sieger der Trans-Tasman Championship sowie an Lisa Ashton, David Cameron, Jesus Salate und Adam Sevada. 43 Tickets sind also noch frei. Bis zum Monatsende dürfte sich das Bild deutlich füllen: Die Prognose liegt bei rund 22 vergebenen Plätzen, weil in Ozeanien, Asien, Nordafrika und Nordeuropa gleich mehrere Finalevents und Qualifier folgen – dazu kommen die Challenge-Tour-Finals und der Qualifier für Tour-Card-Inhaber aus Großbritannien und Irland.
Das steht morgen an
In Prag geht es am Sonntag mit der dritten Runde weiter, ehe am Abend Viertelfinale, Halbfinale und Finale an einem Stück folgen – 35.000 Pfund gehen an den Sieger. Parallel endet in Neuseeland die DPNZ Tour, deren Order-of-Merit-Sieger direkt ins Alexandra Palace einzieht. Und in Calella bei Barcelona wird der Catalonia Open der WDF zu Ende gespielt.