Littler sagt Antwerpen ab, Van Gerwen überholt Wade & Clemens vor Comeback

Littler sagt Antwerpen ab, Van Gerwen überholt Wade & Clemens vor Comeback

Darts News vom 8. September 2026: Littler sagt Antwerpen ab, Van Gerwen überholt Wade in der Order of Merit, Clemens vor Comeback, Coulson dominiert bei MODUS.

Der Dienstag hat dem Darts-Kalender keinen einzigen Turniersieg beschert – dafür umso mehr Bewegung hinter den Kulissen. Luke Littler streicht Antwerpen von seinem Plan, die frisch aktualisierte Order of Merit schiebt Michael van Gerwen wieder an James Wade vorbei, Gabriel Clemens steht vor einem überraschenden European-Tour-Comeback, und ein Tour-Card-Inhaber von Weltranglistenplatz 98 rechnet öffentlich vor, warum sich das Profileben für ihn schlicht nicht rechnet. Dazu ein früherer Weltmeister mit einer steilen These, ein Weltranglisten-Dritter, der zum Golfschläger greift, und ein Rechtsstreit, der den englischen Amateurdarts noch beschäftigen wird. Der Abendreport.

Das Wichtigste des Tages: Littler sagt Antwerpen ab

Es war die Meldung, auf die die Veranstalter der Flanders Darts Trophy gehofft hatten, dass sie ausbleibt: Am Dienstag wurde bestätigt, dass Luke Littler beim anstehenden European-Tour-Event in Antwerpen nicht antreten wird. Der Weltranglisten-Erste ist Titelverteidiger, war als Topgesetzter geführt und hätte erst in Runde zwei eingreifen müssen. Nun fehlt dem 48er-Feld sein größtes Zugpferd.

Die Begründung ist so nüchtern wie entlarvend für die Kräfteverhältnisse an der Spitze: Littler hat seinen Platz bei der EM in Dortmund längst sicher und braucht das Preisgeld der European Tour schlicht nicht. Also bleibt der Terminkalender frei.

Profiteur ist ausgerechnet ein Lokalmatador: Kim Huybrechts rückt nach. Der Belgier stand als dritter Mann auf der Reserveliste, nachdem er in der Schlussrunde des Tour-Card-Holder-Qualifiers mit 1:6 an Bradley Brooks gescheitert war. Für Huybrechts ist der Nachrücker-Platz mehr als ein netter Heimauftritt vor eigenem Publikum in der Antwerp Expo: Er liegt auf Rang 18 der ProTour-Geldliste und braucht rund 2.500 Pfund, um noch in die Top 16 und damit zum World Grand Prix nach Leicester zu springen. Ein einziger gewonnener Auftaktabend könnte reichen.

Littler ist dabei nicht der einzige Absager. Mehrere gesetzte Spieler haben ihre Teilnahme zurückgezogen, die Namen waren am Dienstagabend noch nicht vollständig offiziell. Ausgespielt werden in Antwerpen 230.000 Pfund, davon 35.000 für den Sieger. Wer in Runde eins gewinnt, hat 3.500 Pfund sicher.

Order of Merit: Van Gerwen überholt Wade

Das am Dienstag veröffentlichte Update der PDC Order of Merit bringt eine Rückkehr, mit der zuletzt nicht mehr jeder gerechnet hatte: Michael van Gerwen steht mit 651.000 Pfund wieder vor James Wade (644.750 Pfund) und rückt damit an die Top 5 heran. Jonny Clayton liegt mit 690.500 Pfund in Schlagdistanz – für den Niederländer, dessen Formkurve monatelang Gesprächsthema war, ist das die deutlichste Aufwärtsbewegung seit Langem.

An der Spitze ist der Abstand dagegen grotesk: Luke Littler führt mit gut 3,156 Millionen Pfund und hat damit mehr als das Dreifache des Zweiten Luke Humphries (1,022 Millionen) auf dem Konto. Gian van Veen folgt als Dritter mit 1,006 Millionen, Gerwyn Price ist Vierter.

Dahinter zwei Bewegungen, die für den Winter zählen: Gary Anderson schiebt sich mit 611.750 Pfund an Stephen Bunting vorbei, der weiter absackt – für den früheren Masters-Champion ein weiterer Schritt in die falsche Richtung. Und Ross Smith zieht mit 559.750 Pfund an Chris Dobey vorbei. Wessel Nijman klettert ebenfalls und steht bei 580.250 Pfund. Es sind Zahlen, die im Herbst über Setzlisten und Startplätze entscheiden – und die zeigen, wie eng es unterhalb des Spitzenquartetts zugeht.

Darts in Deutschland

Für die deutschen Profis liefert derselbe Ranking-Stichtag gemischte Nachrichten. Martin Schindler hält Platz 19 mit 445.250 Pfund – aber das Polster schmilzt. In wenigen Wochen fallen rund 30.000 Pfund aus seiner Zweijahreswertung heraus, und damit droht dem deutschen Branchenprimus der Abschied aus den Top 20. Für die Setzlisten der Herbst-Majors ist das eine Zahl mit Gewicht.

Niko Springer bleibt auf Rang 38 (225.250 Pfund) und verkürzt den Abstand nach vorne – eine Platzierung in den Top 32 ist keine Fantasie mehr. Ricardo Pietreczko steht als 33. bei 266.000 Pfund.

Die deutlichste Bewegung gibt es bei Gabriel Clemens: Der German Giant verliert 4.000 Pfund und fällt um drei Plätze auf Rang 48 (177.500 Pfund). Ausgerechnet am selben Tag kommt aber die gute Nachricht aus Antwerpen. Weil mehrere Spieler ihre Teilnahme an der Flanders Darts Trophy zurückgezogen haben, steht Clemens als Nachrücker vor einem überraschenden European-Tour-Comeback. Er wäre damit neben Schindler und Springer der dritte Deutsche im Feld – und alle drei können Preisgeld in der aktuellen Ranglisten-Lage bestens gebrauchen.

Story des Tages: Die Rechnung, die nicht aufgeht

Die interessanteste Wortmeldung des Tages kam nicht von der Spitze, sondern von Rang 98. Adam Paxton hat offengelegt, was eine Tour Card finanziell tatsächlich bedeutet: 30.750 Pfund Ranglisten-Preisgeld in seiner gesamten bisherigen Laufbahn, davon 19.000 Pfund in dieser Saison.

Sein Kernvorwurf: Die PDC verlange durch die Häufung von Turnieren unter der Woche faktisch eine Vollzeitkarriere, bezahle aber nicht wie ein Vollzeitarbeitgeber. Sinngemäß: Man nenne sie zwar Profis, bezahle sie aber nicht dafür, Profi zu sein. Wer eine Erstrundenpartie gewinnt und dafür ein paar hundert Pfund zusätzlich bekommt, habe Anreise und Übernachtung damit noch längst nicht bezahlt.

Paxton bringt zwei Lösungswege ins Spiel: mehr Freiheit für Spieler aus dem hinteren Ranglistenbereich, parallel andere Formate wie die MODUS Super Series zu spielen – oder eine garantierte Mindestvergütung, wie sie im Snooker existiert. Es ist die Debatte, die den Boom des Sports begleitet: Oben werden Millionen verteilt, in der Breite der Tour geht die Kalkulation für viele nicht auf.

„Nur einer kann ihn schlagen“

Apropos Spitze: Ein früherer Weltmeister hat sich zur Dominanz von Luke Littler geäußert – und sich auf genau einen Namen festgelegt. Das Problem sei, dass es nur einen Spieler gebe, der Littler schlagen könne, und das sei Luke Humphries. Die Begründung: Humphries habe Littler bereits in Endspielen bezwungen und besitze das Nervenkostüm für große Finalabende.

Zahlenfutter für die These liefert eine ebenfalls am Dienstag veröffentlichte Bilanz: Littler steht bei 30 PDC-Titeln, gesammelt in 961 Tagen. Darunter sind zahlreiche Major-Erfolge, dazu Siege auf der European Tour, in der World Series und bei Players Championships. Der Mann ist 19.

Ally Pally: Das Los entscheidet

Um Punkt 12.00 Uhr BST ist am Dienstag der General Ballot für die WM im Alexandra Palace geöffnet worden. Wer sich registriert hatte, bekam den Zugangslink direkt ins Postfach. Erstmals in der Geschichte des Turniers werden die Tickets per Losverfahren vergeben – nötig geworden durch die Erweiterung auf rund 180.000 Tickets und den Umzug des Finales in die deutlich größere Great Hall. Für Fans, die den WM-Trip nach London planen, war der Dienstag also ein Pflichttermin.

Rechtsstreit beschäftigt den Amateurdarts

Abseits der Bühne wurde am Dienstag ein Fall öffentlich, der den englischen Verbandsdarts beschäftigen wird: Die 29-jährige Samantha Lewis klagt gegen die England Darts Organisation und Tri Nations Darts auf Diskriminierung, nachdem ihr die Teilnahme an Frauenwettbewerben untersagt worden war. Die Verbände bestreiten, dass der Ausschluss mit ihrer Transgeschlechtlichkeit begründet war, und verweisen auf Aussagen, die Lewis in einem Facebook-Beitrag über die Darts-Legende Deta Hedman getätigt haben soll. Verhandelt wird am Hull County Court. England Darts beziffert die bisherigen Rechtskosten auf rund 10.000 Pfund, bei einem vollständigen Verfahren könnten weitere rund 45.000 Pfund hinzukommen – für einen Amateurverband eine existenzielle Größenordnung.

MODUS Super Series: Coulsons perfekter Tag

In der Live Lounge wurde am Dienstag eine komplette Gruppe durchgespielt – 15 Partien, und einer räumte ab: Derek Coulson gewann alle fünf Begegnungen und ließ dabei gerade einmal vier Legs zu. Jamai van den Herik hielt mit vier Siegen dagegen und war der Einzige, der Coulson überhaupt zwei Legs abnahm.

  • Derek Coulson: 4:0 Dekker, 4:0 Mawson, 4:1 Hubbard, 4:1 Munyua, 4:2 van den Herik
  • Jamai van den Herik: 4:0 Mawson, 4:1 Dekker, 4:3 Munyua, 4:3 Hubbard
  • David Munyua: 4:3 Hubbard, 4:2 Mawson
  • Patrick Dekker: 4:3 Munyua, 4:2 Hubbard
  • Gary Mawson: 4:3 Dekker – der einzige Erfolg des Tages
  • James Hubbard: 4:0 Mawson

Unterm Strich: Coulson 5:0, van den Herik 4:1, dahinter Munyua und Dekker mit je zwei Erfolgen, Hubbard und Mawson mit je einem. Alle Details zum Turnierverlauf gibt es im separaten Turnier-Artikel.

Vom Oche auf den Golfplatz

Zum Schluss die vielleicht ungewöhnlichste Ankündigung des Tages: Gian van Veen, aktuell Nummer drei der Welt, tauscht kurzfristig die Scheibe gegen den Abschlag. Der Niederländer tritt beim Solheim Cup in seiner Heimat an – genauer gesagt bei einer All-Star Challenge über drei Löcher, die im Bernardus Golf in Cromvoirt bei Den Bosch vor dem eigentlichen Turnier steigt. Er tausche das Dartboard gegen den Golfplatz, sagte van Veen, der sich vorab noch einer Fragerunde stellt. Seine Mitstreiter wollte er nicht verraten.

Das steht morgen an

Am Mittwoch geht die MODUS Super Series weiter: Die sechs Spieler kehren ab 9.30 Uhr BST an die Scheibe zurück, gespielt wird wieder im Stream. Sonst bleibt der Kalender ruhig – das Ballot-Fenster für die WM-Tickets läuft weiter, und die Auslosung für die Flanders Darts Trophy steht noch aus.

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