Springer löst World-Grand-Prix-Ticket, Rekordjagd auf der European Tour & Rätsel um Klaasens neues Management

Darts News vom 11. September 2026: Niko Springer sichert sich in Antwerpen das World-Grand-Prix-Ticket, Cross wirft Reyes raus, European Tour vor Sieger-Rekord.
Das Wichtigste des Tages
Der Freitag im Darts stand ganz im Zeichen der letzten Ticket-Vergabe für den World Grand Prix. In Antwerpen begann die Flanders Darts Trophy, das letzte Ranglistenturnier vor dem Double-In-Major in Leicester – und schon die Nachmittagssession hatte Konsequenzen: Niko Springer hat mit seinem Auftaktsieg rechnerisch seinen Platz beim World Grand Prix sicher. Am Abend schickte Rob Cross den Wackelkandidaten Cristo Reyes mit 6:3 nach Hause, während Gabriel Clemens im späten Programm gegen Cameron Menzies gefordert war. Abseits der Bühne sorgte die Meldung um Jelle Klaasen für Stirnrunzeln: Der ehemalige Lakeside-Weltmeister hat eine neue Management-Agentur, obwohl er eine Vollzeit-Rückkehr auf die Tour ausschließt. Und die Statistiker haben nachgerechnet: Die European Tour 2026 steht vor einem historischen Rekord an verschiedenen Siegern.
Darts in Deutschland: Springer im Schongang, Clemens unter Druck, Schindler wartet
Niko Springer hat einen guten Tag hinter sich. Der Deutsche fegte den belgischen Host-Nation-Qualifier Jaimy Jacobs mit 6:1 von der Bühne, ohne dabei an sein Limit gehen zu müssen: Ein Average von 81,51 klingt unspektakulär, und tatsächlich ließ Springer 29 Darts auf die Doppel liegen – doch Jacobs war dem Druck der großen Bühne nie gewachsen. Springer brach den Belgier früh mit einem 52er-Finish auf der Doppel-16 zum 2:0, zog auf 4:0 davon, antwortete auf das einzige Leg seines Gegners mit einem 12-Darter und beendete die Partie mit einem 94er-Checkout. Klassenunterschied statt Glanzleistung – für einen Auftakt reicht das völlig.
Viel wichtiger als das Ergebnis ist die Folge: Springer lag vor dem Turnier mitten im Gerangel um die letzten Grand-Prix-Plätze der ProTour Order of Merit. Mit dem Preisgeld aus Antwerpen ist seine Teilnahme am World Grand Prix nun rechnerisch gesichert – der Mainzer kann in der zweiten Runde am Samstag gegen Nathan Aspinall befreit aufspielen.
Für Gabriel Clemens war es ein Freitag mit Fragezeichen. Der Saarländer war erst als erster Nachrücker von der Reserveliste ins Feld gekommen. In der Abendsession bekam er es mit Cameron Menzies zu tun – dem Schotten, der in der ProTour-Rangliste so weit vorne liegt, dass er nahezu sicher beim Grand Prix dabei ist. Für Clemens selbst wäre Leicester nur mit dem Turniersieg erreichbar; realistisch geht es für ihn in Antwerpen um Preisgeld und Selbstvertrauen. Der Sieger dieses Duells trifft am Samstag auf den topgesetzten Gian van Veen.
Martin Schindler greift als gesetzter Spieler erst morgen ein – und kennt seit dem Abend seinen Gegner: Es ist Rob Cross, der heute Cristo Reyes bezwang. Für Schindler geht es dabei um mehr als einen Zweitrundensieg: Um noch Chancen auf den Grand Prix zu haben, müsste er in Antwerpen mindestens das Viertelfinale erreichen. Eine unangenehme Aufgabe für den besten deutschen Spieler der Weltrangliste.
Story des Tages: Das große Zittern um Leicester
Die Flanders Darts Trophy ist mehr als ein European-Tour-Turnier – sie ist das letzte Qualifikationsevent für den World Grand Prix. 32 Spieler dürfen beim Double-In-Major antreten: die Top 16 der Order of Merit plus die 16 besten nicht bereits qualifizierten Spieler der ProTour Order of Merit. 27 Startplätze sind bereits vergeben, darunter die von Titelverteidiger Luke Littler, Luke Humphries und Gary Anderson. Fünf Plätze werden an diesem Wochenende in Antwerpen ausgespielt.
Die Ausgangslage: Über die Hauptrangliste hat Jermaine Wattimena als 17. nur eine Chance, wenn er den Titel gewinnt – ihm fehlen 19.250 Pfund auf Nathan Aspinall auf Platz 16. In der ProTour-Wertung wird es unterhalb von Platz zwölf richtig eng: Dave Chisnall, Springer und Joe Cullen liegen nur wenige tausend Pfund über dem Strich, Cristo Reyes besetzte den letzten provisorischen Platz mit gerade einmal 500 Pfund Vorsprung. Dahinter lauern Kim Huybrechts und Sebastian Bialecki.
Der heutige Spieltag hat die Rechnung bereits verändert. Springer ist durch. Reyes dagegen kassierte gegen Cross die Erstrunden-Niederlage und geht ohne zusätzliches Preisgeld ins Wochenende – seine Hoffnung ruht nun allein auf dem Scheitern der Konkurrenz. Joe Cullen brauchte in der Abendsession gegen den belgischen Qualifier Andy Baetens, immerhin ein ehemaliger WDF-Weltmeister, jeden Punkt. Und für Kim Huybrechts und Sebastian Bialecki war der direkte Vergleich am Abend ein Endspiel um die Grand-Prix-Hoffnung: Nur wer weiterkommt, hat rechnerisch noch eine Chance. Beau Greaves, die erste Frau mit einem Sieg auf der European Tour, müsste das Turnier gewinnen, um Leicester zu erreichen – ihre Auftakthürde am Abend hieß Damon Heta, der Sieger trifft am Samstag auf Michael van Gerwen. Der Belgier Mike De Decker, für den ebenfalls nur der Titel gereicht hätte, ist nicht im Feld.
Antwerpen kompakt: Die Ergebnisse der ersten Runde
Die Nachmittagssession in der Antwerp Expo lieferte zwei Überraschungen und mehrere Comebacks. Andrew Gilding, einer der Etablierten der ProTour-Rangliste, verlor 5:6 gegen Chris Landman – der Niederländer führte 4:1, ließ Gilding auf 4:4 herankommen und behielt im Decider die Nerven. Ryan Joyce lag gegen Stephen Burton 2:4 zurück, glich mit einem 130er-Finish aus und gewann den Decider. Niels Zonneveld startete mit 0:3 in die Partie gegen Debütant Petr Tous und gewann anschließend sechs Legs in Serie. Kevin Doets zeigte mit einem 99,29er-Average beim 6:1 gegen James Hurrell eine der besten Leistungen der Session, Jeffrey de Graaf setzte sich im Decider auf der Doppel-10 gegen Jeroen Caron durch. Am Abend eröffnete Rob Cross mit dem 6:3 gegen Cristo Reyes.
- Niels Zonneveld 6:3 Petr Tous
- Bradley Brooks 6:4 Mickey Mansell
- Chris Landman 6:5 Andrew Gilding
- Kevin Doets 6:1 James Hurrell
- Karel Sedláček 6:2 Michael Hansen
- Jeffrey de Graaf 6:5 Jeroen Caron
- Ryan Joyce 6:5 Stephen Burton
- Niko Springer 6:1 Jaimy Jacobs
- Rob Cross 6:3 Cristo Reyes
Die weiteren Abendspiele – Cullen gegen Baetens, Menzies gegen Clemens, O'Connor gegen Lankhuizen, van Barneveld gegen Jim Long, Heta gegen Greaves, Bialecki gegen Huybrechts sowie van Duijvenbode gegen Dolan – liefen bei Redaktionsschluss noch. Ausführlich behandeln wir das Turnier in unserem separaten Turnier-Artikel.
Zahlenspiel: Die European Tour vor einem historischen Rekord
Eine heute veröffentlichte Analyse rückt einen Trend ins Licht, der in den Ergebnislisten leicht untergeht: Die European Tour 2026 ist so unberechenbar wie selten. Nach zwölf von 15 Turnieren gibt es bereits neun verschiedene Sieger – Luke Littler, Wessel Nijman und Ross Smith mit je zwei Titeln, dazu Luke Humphries, Nathan Aspinall, Gerwyn Price, Josh Rock, Luke Woodhouse und Krzysztof Ratajski mit je einem. Der Rekord liegt bei elf verschiedenen Champions in einer Saison; zwei neue Sieger in Antwerpen, bei der Swiss Darts Trophy oder bei der Dutch Darts Championship würden die Bestmarke erreichen. Auch bei den Finalisten ist der Rekord in Reichweite: 18 verschiedene Endspielteilnehmer stehen zu Buche, die Bestmarke liegt bei 20. Dass mehrere Topspieler in Antwerpen fehlen, öffnet die Tür an diesem Wochenende weiter als sonst.
Kurz notiert
Jelle Klaasen und das Management-Rätsel: Der Lakeside-Weltmeister von 2006 hat mit MAG Darts eine neue Agentur an seiner Seite – und das, obwohl er öffentlich erklärt hat, keine Vollzeit-Rückkehr auf die PDC-Tour anzustreben und eine Tour Card wohl sogar ablehnen würde. Klaasen kämpft mit einer Dystonie und will sich auf MODUS Super Series, WDF und Challenge Tour konzentrieren. Vincent van der Voort wunderte sich im Podcast „Darts Draait Door“ offen über den Sinn der Zusammenarbeit: Wer nur auf Nebentouren spiele, verdiene angesichts von Reisekosten, Hotelrechnungen und freien Tagen im Job kaum Geld – „es wirkt wie Wohltätigkeit“. Sein Fazit: „Vielleicht gibt es etwas, das wir nicht wissen.“
Adrian Lewis und der Neun-Darter mit fremden Pfeilen: Der zweimalige Weltmeister berichtete heute von einem kuriosen Erlebnis am heimischen Board. Nach rund drei Wochen Pause fand er in seiner Scheibe Darts, die sein Vater dort gelassen hatte – ein Set von Nathan Aspinall – und warf mit ihnen nach ein paar Aufwärmwürfen prompt 180, 180, T20, T19, D12. „Ich konnte es selbst nicht glauben, ehrlich gesagt“, so der 41-Jährige, der seit seinem Rückzug von der Tour nur noch Exhibitions spielt: „Da war mehr Glück als Können dabei.“
MODUS Super Series: Van den Herik, Lane und Munyua setzen Akzente in Portsmouth
In Woche sechs der MODUS Super Series lieferte die Live Lounge in Portsmouth auch am Freitag dichtes Programm. Jamai van den Herik war mit Siegen gegen George Killington (4:3), John O'Shea (4:1) und James Hubbard (4:1) der Mann des Tages; Hubbard schlug Ram Guevara Jr. (4:1) und Killington (4:1), Guevara wiederum gewann gegen O'Shea (4:2) und Killington (4:1). Im zweiten Block brachte Kevin Lane vier Siege ins Ziel – darunter ein 4:0 gegen Kevin Painter und ein 4:3 gegen David Munyua – und musste sich nur Patrick Dekker (1:4) beugen. Munyua gewann ebenfalls vier Partien, die engen Duelle gegen Mawson (4:3), Painter (4:3) und Dekker (4:2) eingeschlossen, Kevin Edwards kam auf drei Siege. Alle Details gibt es in unserem eigenen MODUS-Artikel.
Das steht morgen an
Am Samstag steigen in Antwerpen die 16 gesetzten Spieler ein: Niko Springer trifft auf Nathan Aspinall, Martin Schindler auf Rob Cross, der Sieger aus Menzies gegen Clemens auf Gian van Veen, und Michael van Gerwen bekommt es mit dem Sieger aus Heta gegen Greaves zu tun. Außerdem stehen unter anderem Josh Rock gegen Ryan Joyce, Krzysztof Ratajski gegen Kevin Doets, Danny Noppert gegen Chris Landman und Gerwyn Price gegen Bradley Brooks auf dem Programm. In Portsmouth wird am Samstag die Finals Night der MODUS Super Series ausgetragen.