Absagewelle in Antwerpen, De Deckers Quali-Drama & Humphries' offene Worte

Darts News vom 10. September 2026: Absagewelle bei der Flanders Darts Trophy, De Decker scheitert im Heim-Quali, Humphries spricht offen über mentale Probleme.
Der Donnerstag hat dem Darts-Kalender genau das geliefert, was ihn spannend macht: eine Auslosung mit Sprengkraft, ein Qualifikations-Drama vor heimischem Publikum und eine sehr leise, sehr wichtige Geschichte abseits der Scheibe. Antwerpen war das Zentrum des Tages – aber die bewegendste Meldung kam aus England.
Das Wichtigste des Tages
- Vier Topstars sagen die Flanders Darts Trophy ab: Titelverteidiger Luke Littler, Luke Humphries, Jonny Clayton und Gary Anderson fehlen in Antwerpen.
- Gabriel Clemens rückt nach, Martin Schindler profitiert und ist plötzlich gesetzt.
- Mike De Decker scheitert im Host Nation Qualifier und verpasst damit auch den World Grand Prix.
- Luke Humphries spricht zum World Suicide Prevention Day erstmals so ausführlich über seine Panikattacken.
- Keith Deller nimmt die Topstars wegen der Absage-Praxis in die Pflicht.
Absagewelle in Antwerpen
Um die Mittagszeit veröffentlichte die PDC die Auslosung für die Blåkläder Flanders Darts Trophy, das dreizehnte European-Tour-Event der Saison, das von Freitag bis Sonntag in der Antwerp Expo steigt. Was dabei schwarz auf weiß stand, war für die Veranstalter ein Schlag: Gleich vier Namen aus den Top 16 tauchen nicht mehr auf. Titelverteidiger Luke Littler fehlt ebenso wie Luke Humphries, Jonny Clayton und Gary Anderson.
Für die Nachrücker ist es ein Geschenk. Gabriel Clemens, Kim Huybrechts, Brendan Dolan und James Hurrell erhielten am Donnerstag die frei gewordenen Startplätze – und mit ihnen die Chance auf Preisgeld aus einem Topf von 230.000 Pfund, von denen 35.000 an den Sieger gehen. Besonders pikant ist der Fall Anderson: Der Schotte steht in der European Tour Order of Merit derzeit auf Rang 41 und damit außerhalb der Qualifikationsplätze für die Europameisterschaft. Boden gutmachen kann er an diesem Wochenende nun nicht mehr.
Durch die Absagen verschiebt sich das gesamte Tableau. In der ersten Runde am Freitag treffen unter anderem Rob Cross auf Cristo Reyes, Raymond van Barneveld auf Jim Long, Damon Heta auf Beau Greaves und Dirk van Duijvenbode auf Brendan Dolan. Gewinnt Greaves, wartet in Runde zwei ausgerechnet Michael van Gerwen.
Quali-Drama in Belgien
Während die Stars absagten, kämpften die Belgier um die letzten vier Plätze. Der Host Nation Qualifier am Donnerstag ging an Jaimy Jacobs, Kevin Lankhuizen, Jeroen Caron und Andy Baetens – und produzierte den härtesten Moment des Tages. Mike De Decker, World-Grand-Prix-Sieger von 2024, marschierte über Xavier Bracke, Jerry Lemmens, Matthias Moors und James Vanbesien bis ins Finale des Qualifiers. Dort lag er gegen Jacobs 1:4 und 2:5 zurück, kämpfte sich auf 5:5 heran – und verlor den Entscheidungsleg.
Die Konsequenz reicht weit über das Wochenende hinaus: De Decker wird beim World Grand Prix fehlen, jenem Turnier, das er vor zwei Jahren sensationell gewonnen hat. Anfang Oktober fällt das Preisgeld dieses Titels aus seiner Zweijahreswertung – ein Absturz aus den Top 32 der Order of Merit ist damit kaum noch zu vermeiden.
Auch Dimitri Van den Bergh erlebte einen bitteren Tag. Der Belgier kehrte nach rund drei Monaten Pause zurück und verlor in der Runde der letzten 32 mit 2:6 gegen Andy Baetens. Und Brian Raman durfte gar nicht erst antreten: Sein Management hatte ihn schlicht nicht rechtzeitig für die Qualifikation gemeldet. „Brian hätte sich gerne auf dieser schönen Bühne gemessen, aber durch einen administrativen Fehler im Management wurde Brian nicht für die Qualifikation am Donnerstag gemeldet", teilte sein Team mit.
Darts in Deutschland
Die deutsche Bilanz des Tages ist überraschend gut. Gabriel Clemens ist der prominenteste der vier Nachrücker und trifft am Freitagabend auf Cameron Menzies. Gewinnt der „German Giant", wartet in Runde zwei mit Gian van Veen ein dicker Brocken.
Noch mehr profitiert Martin Schindler. Durch die Absagen rutscht er in den Kreis der 16 gesetzten Spieler, muss am Freitag also gar nicht ran und steigt erst am Samstag ein – gegen den Sieger aus Rob Cross gegen Cristo Reyes. Das ist mehr als ein sportliches Duell: Reyes gehört zu den Spielern, die um die letzten World-Grand-Prix-Tickets kämpfen, und Schindler wird in dieser Rechnung ebenfalls als Außenseiter-Kandidat geführt.
Komplettiert wird das deutsche Trio von Niko Springer, der bereits in der Freitag-Nachmittagssession antritt – ausgerechnet gegen Jaimy Jacobs, den Mann, der wenige Stunden zuvor De Deckers Turnier beendet hat. Der Sieger trifft anschließend auf Nathan Aspinall.
Story des Tages: Humphries öffnet sich
Die stärkste Geschichte des Donnerstags hat nichts mit Ergebnissen zu tun. Zum World Suicide Prevention Day sprach Luke Humphries gemeinsam mit der Organisation Samaritans so offen wie nie über die Angstzustände, die ihn 2019 fast die Karriere gekostet hätten – damals erlitt er während eines PDC-Turniers eine Panikattacke.
„Ich dachte, meine Karriere wäre vorbei", sagte der frühere Weltmeister. „Das Beste, was ich je getan habe, war, zu einem Arzt zu gehen und ihm zu sagen, wie ich mich fühlte." Entscheidend sei gewesen, das Schweigen zu brechen: „Der erste Schritt ist, offen und ehrlich darüber zu sein. Als ich meinem Vater und meiner Mutter erzählt habe, was los war, haben sie mir enorm geholfen." Heute blickt er auf neun Major-Titel, eine Weltmeisterschaft, einen World Cup und ein Matchplay zurück – und trotzdem: „Ich habe immer noch Momente, in denen ich Angst spüre, aber die kommen sehr willkürlich."
Rennen um die letzten Grand-Prix-Tickets
Parallel läuft ein Rechenspiel, das am Wochenende in Antwerpen entschieden wird. Vier Spieler liegen im Kampf um die letzten World-Grand-Prix-Startplätze eng beieinander:
- Joe Cullen – 82.750 Pfund
- Cristo Reyes – 82.000 Pfund
- Sebastian Bialecki – 80.500 Pfund
- Kim Huybrechts – 79.500 Pfund
Dahinter lauern Karel Sedlacek, Martin Schindler, Beau Greaves, Jeffrey de Graaf und Mickey Mansell, die allerdings tiefe Turnierläufe brauchen. Ausgerechnet Huybrechts profitiert doppelt: Er ist überhaupt nur wegen Littlers Absage im Feld – und ihm fehlen rund 2.500 Pfund auf den entscheidenden 16. Rang. „Das liegt definitiv eng beieinander. Am kommenden Wochenende kommt so viel zusammen", sagte Experte Vincent van der Voort und lobte den Belgier: „Der hat sich wieder gut zurückgekämpft." Bemerkenswert: Bialecki und Huybrechts treffen bereits in Runde eins direkt aufeinander.
Kurz notiert
Keith Deller nahm die Topstars wegen der Absagen in die Pflicht. Der frühere Weltmeister lobte Littler zwar („Man muss die Qualitäten dieses Jungen bewundern"), wurde dann aber deutlich: „Wenn du der wichtigste Spieler bist, ist es nicht gut, Turniere auszulassen." Und weiter: „Es hat keinen Sinn, Shows zu spielen und anschließend zu sagen, man sei müde und lasse deshalb Turniere aus." Deller verwies auf zehn ausgelassene European-Tour-Events und auf das Wachstumspotenzial des Sports in China und den USA.
Adrian Lewis sorgte für die kuriose Anekdote des Tages: Der zweimalige Weltmeister warf im Training einen Neun-Darter – und zwar mit den Pfeilen von Nathan Aspinall. „Ich konnte es selbst nicht glauben", sagte Lewis, der nach rund drei Wochen Pause zurückgekehrt war, und schränkte ein: „Ich denke, es war ehrlich gesagt mehr Glück als Verstand."
Das aktualisierte PDC-Form-Guide-Update, das die vergangenen 200 Legs auswertet, bestätigt derweil die Hierarchie: Luke Littler führt mit 101,57 Average und 44,90 Prozent Doppelquote und bleibt der einzige Spieler jenseits der 100er-Marke. Größter Gewinner ist Luke Woodhouse, der seinen Average um 4,69 Punkte steigerte. Deutsche Profis fehlen in den Top 10.
MODUS Super Series
In der MODUS Super Series startete am Donnerstagnachmittag die Gruppe C – und Gary Mawson legte einen perfekten Auftakt hin:
- Mawson 4:2 Painter, Mawson 4:3 Edwards, Mawson 4:2 Munyua, Mawson 4:3 Dekker
- Kevin Edwards und David Munyua folgen mit je drei Siegen
- Kevin Lane bleibt als Einziger ohne Erfolg
Das abschließende Duell Mawson gegen Lane lief zu Redaktionsschluss noch. Alle Details und Analysen gibt es in unserem separaten Turnier-Artikel.
Das steht morgen an
Am Freitag rollt die erste Runde der Flanders Darts Trophy: Die Nachmittagssession beginnt um 13 Uhr MESZ mit acht Partien, darunter Niko Springer gegen Jaimy Jacobs. Die Abendsession folgt ab 19 Uhr MESZ mit Gabriel Clemens gegen Cameron Menzies, Rob Cross gegen Cristo Reyes, Damon Heta gegen Beau Greaves und Raymond van Barneveld gegen Jim Long. Parallel geht die MODUS Super Series weiter: Gruppe C spielt ihren zweiten Tag am Nachmittag, Gruppe B legt am Abend nach.