Huybrechts vergibt den Matchdart, Leung sagt Amsterdam ab & Springer fordert Littler

Huybrechts vergibt den Matchdart, Leung sagt Amsterdam ab & Springer fordert Littler

Darts News vom 4. September 2026: Huybrechts vergibt Matchdart in Prag, Leung sagt die World Series Finals ab, Springer siegt 6:0 und trifft auf Littler.

Das Wichtigste des Tages

  • Kim Huybrechts vergibt in Prag einen Matchdart und verliert 5:6 gegen Ryan Joyce – sein World-Grand-Prix-Ticket hängt jetzt an fremden Ergebnissen.
  • Man Lok Leung sagt die World Series of Darts Finals krankheitsbedingt ab, Dirk van Duijvenbode rückt als erster Nachrücker ins Feld.
  • Beau Greaves ist die erste Frau, die zwei European-Tour-Turniere unmittelbar nacheinander bestreitet.
  • Niko Springer gewinnt 6:0 mit einem 102,48er Average – und bekommt morgen Abend Luke Littler.
  • Bei der MODUS Super Series bleiben Danny Goddard und Neil Duff an diesem Spieltag ohne Niederlage.

Story des Tages: Das Rennen nach Leicester wird zur Nervensache

Es gibt Freitage, an denen eine erste Runde mehr entscheidet als jedes Halbfinale. Heute war so einer. Mit dem zwölften Event der European Tour im Prager PVA Expo begann das vorletzte Kapitel im Qualifikationsrennen für den World Grand Prix in Leicester – jenes Major, das als einziges der Saison im Double-in-Double-out-Modus gespielt wird und deshalb bei den Spielern einen eigenen Respekt genießt. Gesetzt sind die Top 16 der Main Order of Merit, dazu kommen die 16 bestplatzierten noch nicht qualifizierten Spieler der Pro Tour Order of Merit. Nach Prag bleibt als allerletzte Gelegenheit nur noch die Flanders Darts Trophy in Antwerpen.

Wer heute verlor, verlor also womöglich deutlich mehr als ein Spiel. Am bittersten erwischte es Kim Huybrechts. Der Belgier hatte gegen Ryan Joyce einen Matchdart auf dem Board – und stand am Ende doch als 5:6-Verlierer im Entscheidungsleg da. Huybrechts klebt ohnehin nur hauchdünn am Cut und ist jetzt auf sein Heimturnier in Antwerpen angewiesen, dazu auf Patzer der Konkurrenz. Kaum besser die Gemütslage von Joe Cullen: Der Yorkshireman unterlag Stephen Burton mit 3:6 und hat seine Grand-Prix-Hoffnungen damit selbst arg beschädigt.

Der Blick auf die Rangliste erklärt die Anspannung. Cameron Menzies, Niko Springer und Cullen liegen nur im Bereich von rund 1.500 bis 7.500 Pfund über dem Strich – Summen, die ein einziger tiefer Lauf umkehrt. Karel Sedlacek fehlen gut 7.750 Pfund auf Cristo Reyes, der als Sechzehnter die Wackelposition schlechthin innehat und heute mit 1:6 gegen Callan Rydz ebenfalls früh die Segel strich. Kurios ist die Lage von Dave Chisnall: Als Zwölfter hat er ein Polster von etwa 7.000 Pfund, kann selbst aber gar nichts mehr tun – er ist für keines der beiden ausstehenden European-Tour-Turniere qualifiziert und muss zuschauen, wie andere an ihm vorbeiziehen könnten. Für Martin Schindler, Beau Greaves und Jeffrey de Graaf beträgt der Rückstand rund 15.000 Pfund; da hilft kein Achtungserfolg mehr, sondern nur ein Wochenende bis in die Endphase.

Wer den Rechenschieber ansetzt, versteht die Dramatik: Auf der European Tour verschiebt jede gewonnene Runde vierstellige Beträge, ein Viertelfinaleinzug kann eine halbe Rangliste durcheinanderwirbeln. Genau deshalb war die Prager Nachmittagssession kein Aufwärmprogramm, sondern für ein halbes Dutzend Profis der Ernstfall.

Personalie des Tages: Leung sagt Amsterdam ab – van Duijvenbode rückt nach

Die zweite große Meldung des Tages kam nicht von der Bühne, sondern per Krankmeldung. Man Lok Leung hat seine Teilnahme an den World Series of Darts Finals in der Amsterdamer AFAS Live zurückgezogen. Der 27-jährige Hongkonger ist erkrankt und verpasst zusätzlich die verbleibenden Spieltage der PDC Asian Tour sowie die PDC Asian Championship – ein doppelter Rückschlag für einen der prägenden Spieler der asiatischen Szene, der sich seinen Platz in Amsterdam sportlich erarbeitet hatte.

Für Leung rückt gemäß Regel 3.7 Dirk van Duijvenbode in das 32er-Feld, der beim Tour-Card-Holder-Qualifier als erster Nachrücker geführt worden war. Der Niederländer ist in dieser Saison bereits bis ins Halbfinale des World Matchplay marschiert und hat bei den World Series Finals schon in einem Endspiel gestanden – ein Nachrücker mit Titel-Vita also. In Amsterdam bekommt er in der ersten Runde den Schweden Viktor Tingström. Pikantes Detail: van Duijvenbode war heute selbst in Prag im Einsatz und dürfte die Nachricht mitten im Turnierbetrieb erhalten haben.

Beau Greaves schreibt Geschichte

Eine Randnotiz ist das nicht: Beau Greaves ist die erste Frau, die zwei European-Tour-Turniere unmittelbar nacheinander bestreitet. Die 22-Jährige aus Doncaster stand in der Abendsession von Prag gegen Daryl Gurney auf der Bühne – ein Wiedersehen mit jenem Nordiren, der sie bei der WM im Alexandra Palace in einem Fünf-Satz-Krimi gestoppt hatte.

Dass Greaves auf dieser Bühne keine Quotenfrau mehr ist, hat sie hinreichend belegt: Players-Championship-Siegerin in dieser Saison, dreifache Women's-World-Matchplay-Championin, dazu ein European-Tour-Debüt, bei dem sie Rob Cross bis ins Entscheidungsleg forderte. Wer heute Abend das Duell mit Gurney für sich entschied, bekommt es morgen mit Titelverteidiger Luke Humphries zu tun, der in Prag den dritten Erfolg in Serie anpeilt. Für Greaves ist jeder dieser Auftritte auch Ranglistenarbeit – der Grand-Prix-Cut ist für sie zwar weit, aber nicht außer Sichtweite.

Darts in Deutschland

Der beste Auftritt des Prager Nachmittags kam aus Mainz. Niko Springer, der „Meenzer Bub“, ließ dem slowakischen Host-Nation-Qualifier Martin Homola nicht ein einziges Leg: 6:0, dazu ein Average von 102,48 und ein 150er-Finish als Ausrufezeichen. Es war die Art Vorstellung, die an einem European-Tour-Freitag darüber entscheidet, wer am Samstag noch Nerven hat – schnell, sauber, ohne Wackler an den Doppeln.

Die Belohnung ist eine Bewährungsprobe der härtesten Sorte: Springer trifft in der zweiten Runde morgen Abend auf Weltranglisten-Ersten Luke Littler, der in Prag sein erstes European-Tour-Turnier seit dem Frühjahr bestreitet. Für Springer geht es dabei um mehr als eine Schlagzeile – er gehört zu jenen Spielern, die nur knapp über dem Grand-Prix-Strich liegen, und jeder weitere Sieg wäre bares Polster.

Auch Martin Schindler ging in Prag an den Start, in der Abendsession gegen Rob Owen. Für die deutsche Nummer eins ist das Turnier Teil einer Aufholjagd: Rund 15.000 Pfund Rückstand auf den Cut lassen sich nicht mit einem Erstrundensieg abtragen, sondern nur mit einem Wochenende, an dem er bis in die Endrunden durchmarschiert.

European Tour 12 in Prag: die Ergebnisse des Tages

48 Spieler, 230.000 Pfund Preisgeld, 35.000 Pfund für den Sieger – das sind die Rahmendaten des Turniers, das noch bis Sonntag läuft. Die heutigen Resultate der ersten Runde:

  • Cameron Menzies 6:1 Johan Engström
  • Andrew Gilding 6:3 David Rosi
  • Ryan Joyce 6:5 Kim Huybrechts
  • William O'Connor 6:1 Jiri Brejcha
  • Niko Springer 6:0 Martin Homola
  • Kevin Doets 6:2 Ricky Evans
  • Stephen Burton 6:3 Joe Cullen
  • Callan Rydz 6:1 Cristo Reyes
  • Luke Woodhouse 6:4 Connor Scutt

MODUS Super Series: Goddard fehlerfrei, Duff im Rhythmus

In der Live Lounge lieferte Danny Goddard den perfekten Arbeitstag ab: fünf Spiele, fünf Siege. Er setzte sich gegen Justin Smith (4:0), Mark Layton (4:1), Jordan Brooks (4:1), Noa-Lynn van Leuven (4:1) und im engsten Duell der Gruppe gegen Andy Hamilton (4:3) durch. Dahinter sortierten sich Hamilton und Smith mit je drei Erfolgen ein, während Layton ohne Sieg blieb.

In der zweiten Gruppe legte Neil Duff nach: Der Nordire gewann gegen Richard McKee (4:2), Ziggy Schenk (4:0) und Dmitrii Rogov (4:0), ohne dabei viel zuzulassen. Rogov (4:2 gegen Martyn Turner), McKee (4:1 gegen Turner), Schenk (4:0 gegen McKee) und Turner (4:3 gegen Schenk) verteilten die übrigen Punkte.

Das steht morgen an

In Prag geht es mit der zweiten Runde weiter: ab 13:00 Uhr Ortszeit die Nachmittagssession, ab 19:00 Uhr die Abendsession, in der Luke Littler gegen Niko Springer und Titelverteidiger Luke Humphries gegen den Sieger der Partie Gurney gegen Greaves antreten. Bei der MODUS Super Series steht der Finaltag der Woche an. In Deutschland startet die DDV-Bundesliga mit 36 Teams in vier Ligen in die neue Saison, und im englischen Middlesbrough spielt die ADC Winmau Championship North ihr Saisonfinale.

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