Wade sagt Prag ab, Klaasen bremst sein eigenes Comeback & Winmau greift nach der Autodarts-Welt

Wade sagt Prag ab, Klaasen bremst sein eigenes Comeback & Winmau greift nach der Autodarts-Welt

Darts News vom 3. September 2026: James Wade sagt den Czech Darts Open ab, Ricky Evans rückt nach, Jelle Klaasen bremst sein Comeback, Winmau startet Autodarts.

Das Wichtigste des Tages

Der Donnerstag war einer dieser Darts-Tage, an denen nicht das Board die Schlagzeilen schreibt, sondern die Meldungen drumherum. Prag füllt sich, die Startlisten werden final – und ausgerechnet einer der prominentesten Namen fehlt. Dazu ein früherer Weltmeister, der seinem eigenen Comeback eine Absage erteilt, ein Ausrüster, der mit einem Schlag in den Autoscoring-Markt drängt, und ein ehemaliger Weltranglisten-Erster, der die Allzeit-Hierarchie neu sortiert. In der Live Lounge lief parallel die MODUS Super Series weiter – dazu weiter unten mehr.

Wade zieht zurück, Evans übernimmt den Platz

Die Nachricht des Nachmittags kam aus dem PDC-Europe-Büro: James Wade hat seine Teilnahme an den Czech Darts Open zurückgezogen, die ab morgen in der PVA Expo Praha steigen. Eine Begründung gab es weder vom Spieler noch vom Veranstalter – und es ist bereits die zweite Euro-Tour-Absage von Wade in Folge, nachdem er auch beim vorangegangenen Stopp in Budapest nicht antrat.

Sportlich ist das mehr als eine Randnotiz. Wade steht aktuell auf Rang 30 des European Tour Order of Merit, 31.000 Pfund auf dem Konto, gerade einmal 1.500 Pfund über dem Strich für die European Championship. Wer bei den verbleibenden Turnieren Termine streicht, verschenkt genau die Punkte, die im Herbst über Qualifikation oder Zuschauerrolle entscheiden. Dass ausgerechnet der amtierende Australian-Darts-Masters-Sieger seine Chancen dünner macht, gehört zu den Kuriositäten dieser Saison.

Profiteur ist Ricky Evans. Der Engländer rückte von der Reserveliste nach und trifft am Freitag um 15.30 Uhr auf Kevin Doets. Für Evans ist das ein Geschenk mit Ansage: ein Erstrundenspiel gegen einen formstarken, aber schlagbaren Gegner – und die Aussicht, sich mit einem Sieg direkt in die Auslosung gegen einen der 16 Gesetzten zu spielen.

Der Prager Spielplan steht: Humphries jagt den Hattrick, Littler kehrt zurück

Mit der finalen Startliste wurde heute auch die Ausgangslage klar. Luke Humphries geht als Titelverteidiger in das zwölfte Euro-Tour-Event des Jahres und jagt in Prag den dritten Erfolg in Serie – insgesamt wäre es sein vierter Titel bei diesem Turnier. Kaum ein Spieler hat sich eine europäische Halle so zu eigen gemacht wie „Cool Hand" die tschechische Hauptstadt.

Die zweite große Geschichte heißt Luke Littler. Der Weltranglisten-Erste bestreitet in Prag sein erstes Euro-Tour-Turnier seit den Belgian Darts Open im März – ein Comeback auf dem Kontinent, das dem Turnier Zuschauer und Brisanz beschert. Wie alle 16 Gesetzten steigt Littler erst am Samstag in Runde zwei ein. Ebenfalls im Feld: Michael van Gerwen, Gerwyn Price und Jonny Clayton.

Aus der ersten Runde am Freitag stechen zwei Partien heraus: Daryl Gurney trifft auf Beau Greaves – die Neuauflage eines Duells mit Vorgeschichte –, und Rob Cross bekommt es mit Keane Barry zu tun. Insgesamt 48 Spieler, 230.000 Pfund Preisgeld, 35.000 Pfund für den Sieger. Vier Plätze im Feld wurden heute im Host Nation Qualifier unter tschechischen Spielern ausgespielt; die Qualifikanten treffen am Freitag auf Andrew Gilding, William O'Connor, Krzysztof Ratajski und Damon Heta.

Darts in Deutschland: Springer und Schindler mit Losen zum Anpacken

Zwei deutsche Profis stehen in Prag im 48er-Feld – und beide erfuhren heute, was auf sie zukommt. Niko Springer eröffnet den deutschen Turniertag am Freitag um 15.00 Uhr gegen den Tschechen Martin Homola, also gegen einen Gegner mit dem gesamten Publikum im Rücken. Der Lohn bei einem Sieg wäre allerdings beachtlich: In Runde zwei könnte es zur Neuauflage des Erstrundenduells vom World Matchplay gegen Luke Littler kommen – eine Bühne, die sich der Mainzer selbst gebaut hätte.

Martin Schindler erwischte auf dem Papier das kniffligere Los. Der deutsche Rekordnationalspieler trifft am Freitagabend um 20.30 Uhr auf Rob Owen, und wer die letzten Monate verfolgt hat, weiß: Owen zu unterschätzen hat schon prominenteren Spielern den Freitagabend gekostet. Sollte Schindler durchkommen, wartet in Runde zwei möglicherweise Wessel Nijman – ein Los, das im Idealfall Aufmerksamkeit garantiert, im schlechteren Fall ein frühes Wochenende bedeutet. Weitere deutsche Starter sind in der Auslosung nicht vertreten.

Story des Tages: Klaasen bremst sein eigenes Comeback

Die ehrlichste Meldung des Tages kam aus den Niederlanden. Jelle Klaasen, BDO-Weltmeister von 2006, hat heute gleich zweimal Neuigkeiten geliefert – und die zweite ist die bemerkenswerte. Zunächst wurde bekannt, dass der 41-Jährige zum Management von Mach Darts wechselt, wo Marco Vrolijk und Ronnie Rickner ein maßgeschneidertes Programm für ihn aufgesetzt haben. „Die Art, wie Mach Darts arbeitet und ihre Spieler unterstützt, ist genau das, was ich in dieser Phase meiner Karriere brauche", sagte Klaasen. Der entscheidende Unterschied zum früheren Team: Dort sei alles auf die PDC-Rückkehr ausgerichtet gewesen, jetzt gehe es um WDF-Turniere und die MODUS Super Series.

Und dann der Satz, der hängen bleibt. Klaasen will im Januar zwar zur Q-School antreten – aber nicht, um eine Tour Card zu gewinnen. „Wenn es verrückt läuft und ich eine Tour Card gewinne, glaube ich nicht, dass ich sie annehmen kann", sagte er. Sein Ziel ist der Zugang zur Challenge Tour, nicht die große Bühne. Der Grund ist seine Dystonie, jene neurologische Erkrankung, die seinen Wurfarm seit Jahren sabotiert: An einem Tag wirft er einen 90er-Average, am nächsten liegt er bei rund 70. Genau diese Unberechenbarkeit sei mental am schwersten zu ertragen. Es wäre eine 180-Grad-Wende nötig, sagt Klaasen, damit ein Vollprofi-Dasein wieder realistisch wird. Ein Spieler, der sich selbst nüchtern einschätzt, statt sich eine Rückkehrgeschichte zu erzählen – das ist selten genug, um Respekt zu verdienen.

Winmau greift nach dem Autoscoring-Markt

Abseits der Boards war der Donnerstag ein Tag mit strategischer Sprengkraft: Winmau hat sein Autodarts-Ökosystem vorgestellt. Herzstück ist eine kostenlose App für Scoring, Training, Leistungsanalyse und Online-Wettbewerbe. Darüber liegen zwei Hardware-Stufen: „Lens", ein Autoscoring-Assistent, der schlicht die Smartphone-Kamera nutzt, und „Autodarts X", ein Vier-Kamera-System für ambitionierte Heimspieler und Locations.

Interessanter als die Produkte ist die Partnerschaft dahinter. Winmau geht eine exklusive Kooperation mit dem Amateur Darts Circuit (ADC) ein; ADC-Mitglieder erhalten über einen eigenen Code drei Monate Autodarts Plus gratis. Perspektivisch sollen Autodarts-X-Systeme in Locations installiert und eigene ADC-Wettbewerbe aufgesetzt werden. Die Zielgruppe benennt Winmau offen: Spieler unter 30, laut Hersteller das größte und am schnellsten wachsende Segment im Darts. Wer die Diskussion um Nachwuchsgewinnung verfolgt, erkennt hier den eigentlichen Punkt – Autoscoring senkt die Einstiegshürde, und wer die App besitzt, besitzt den Zugang zur nächsten Generation.

Colin Lloyd sortiert die Allzeit-Rangliste – und Van der Voort schickt Littler nach Holland

Ex-Weltranglisten-Erster Colin Lloyd hat sich heute in einem ausführlichen Interview festgelegt: Auf seiner Allzeit-Liste stehen Phil Taylor und Michael van Gerwen vor Luke Littler. „Ich habe Luke Littler momentan auf Platz drei", so Lloyd, der zur Einordnung darauf verweist, dass Littler erst gut zwei Jahre auf der Tour ist, während Taylor über 25 bis 30 Jahre dominierte. Van Gerwen traut er trotz schwieriger Phase weiterhin Titel zu: Michael sei der Vollprofi schlechthin, „in ihm stecken noch ein paar Majors".

Spannender als die Rangliste sind Lloyds Nachwuchstipps. Er nennt Mitchell Lawrie aus Schottland, der im Jugendbereich reihenweise Littler-Rekorde kassiere, dazu Kaya Baysal aus Burnley – beide sieht er als ernsthafte Tour-Card-Kandidaten. Am meisten schwärmt er allerdings vom erst 13 bis 14 Jahre alten Jack Johnson, der den WDF-UK-Titel im Herren-Einzel gewann und dabei die PDC-Profis Martin Lukeman und Owen Bates ausschaltete. Bei Cameron Menzies sieht Lloyd Top-10-Potenzial, aber Zweifel an der absoluten Weltspitze – die Doppelquote erinnere ihn an den frühen Gary Anderson.

Einen zweiten niederländischen Nadelstich setzte Vincent van der Voort. Im Podcast „Darts Draait Door" nahm er Littlers Ziel auseinander, in einem Kalenderjahr alles zu gewinnen: Wer das ernst meine, komme an den verbleibenden Players Championships nicht vorbei – zwei in England, vier in den Niederlanden. Die klare Botschaft an den Weltmeister: Wer alles will, muss auch dorthin fahren, wo keine Fernsehkameras stehen.

MODUS Super Series: Goddard mit weißer Weste

In der Live Lounge startete Gruppe C in den ersten von zwei Spieltagen – und ein Mann ließ nichts anbrennen. Danny Goddard gewann alle fünf Partien und liegt mit 20:9 Legs klar an der Spitze.

  • Goddard 4:3 van Leuven, Goddard 4:2 Hamilton, Goddard 4:2 Brooks, Goddard 4:2 Layton, Goddard 4:0 Smith – fünf Siege, kein Satzverlust im Tagesverlauf.
  • Jordan Brooks kam auf drei Erfolge, darunter ein 4:0 gegen Andy Hamilton und ein 4:2 gegen Noa-Lynn van Leuven.
  • Josh Smith gewann ebenfalls dreimal, unter anderem 4:3 gegen Brooks und 4:3 gegen Hamilton.
  • Hamilton blieb bei zwei Siegen, van Leuven und Mark Layton bei je einem.

Die beiden Bestplatzierten der Gruppe lösen das Ticket für die Finals Night am Samstagabend – entschieden wird das am Freitag im zweiten Gruppentag. Den kompletten Spieltag lesen Sie ausführlich in unserem separaten Turnier-Artikel.

Das steht morgen an

Der Freitag gehört Prag: Ab 13.00 Uhr laufen die ersten acht Erstrundenpartien der Czech Darts Open, ab 19.00 Uhr die zweiten acht. Niko Springer eröffnet um 15.00 Uhr gegen Martin Homola, Martin Schindler spielt um 20.30 Uhr gegen Rob Owen, Ricky Evans trifft um 15.30 Uhr auf Kevin Doets. Parallel wird ab 13.00 Uhr die Gruppe C der MODUS Super Series zu Ende gespielt – zwei Plätze für die Finals Night sind noch zu vergeben.

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