Ben Schneider (12) düpiert die Tourcard-Profis, Peter Wrights Identitätsfrage & das Gedränge vor dem Grand-Pri

Ben Schneider (12) düpiert die Tourcard-Profis, Peter Wrights Identitätsfrage & das Gedränge vor dem Grand-Pri

Darts News vom 30. August 2026: Ben Schneider (12) gewinnt in Bad Salzuflen, Peter Wright unter Druck, WDF-Titel in Weston – und Budapest spitzt sich zu.

Das Wichtigste des Tages

Der letzte Sonntag im August liefert genau das, was diese Phase der Saison ausmacht: oben das Gedränge vor dem Meldeschluss für den World Grand Prix, unten eine Basisgeschichte, wie man sie nur alle paar Jahre erlebt. In Bad Salzuflen hat ein Zwölfjähriger ein Feld von fast 500 Spielern zerlegt, in Weston-super-Mare wurden zwei WDF-Titelrunden ausgespielt, in Österreich holten deutsche Nachwuchsspieler zwei Titel – und in England diskutiert die Szene offen über die Zukunft eines zweimaligen Weltmeisters. Dazu kommt aus Budapest ein Finalist, der ausgerechnet im richtigen Moment sein bestes Darts auspackt.

Story des Tages: Ein Zwölfjähriger räumt Bad Salzuflen ab

Es gibt Ergebnisse, die man zweimal liest, bevor man sie glaubt. Ben Schneider ist zwölf Jahre alt und hat bei der MyDartCoach Championship in Bad Salzuflen ein Teilnehmerfeld von 488 Spielern gewonnen – ein Feld, in dem auch Inhaber einer PDC-Tourcard standen. Das Turnier gehört längst zu den größten Einzelwettbewerben Deutschlands; in diesem Jahr wurde es erstmals auf zwei Tage ausgeweitet, mit dem Einzel am Samstag und einem Doppelturnier an diesem Sonntag. Insgesamt schüttete der Veranstalter zusammen mit dem Dartshop Löhne 14.000 Euro aus.

Das Bemerkenswerte ist nicht nur der Titel, sondern die Art, wie er zustande kam. Über das gesamte Turnier gab Schneider gerade einmal elf Legs ab. Im Finale gegen den 16-jährigen Elias Jahn – selbst eines der größten deutschen Nachwuchstalente – zog er mit drei Legs in Folge in 18, 18 und 15 Darts auf 4:1 davon und machte den 6:3-Erfolg mit einem 17-Darter zu. 2.500 Euro Preisgeld gehen an einen Spieler, der noch nicht einmal in der Nähe des Erwachsenensports sein müsste. Beim Ausrüster Target steht Schneider bereits unter Vertrag.

Man sollte solche Geschichten mit Augenmaß erzählen: Ein gewonnenes Wochenendturnier ist keine Karriere, und die Zahl der „nächsten Littler“ ist inflationär geworden. Aber ein Zwölfjähriger, der über zwei Tage gegen erwachsene Profis und Halbprofis derart konstant scort und doppelt, ist auch in der aktuellen, verjüngten Dartswelt eine Ausnahmeerscheinung. Der deutsche Nachwuchs hat an diesem Wochenende jedenfalls ein Ausrufezeichen gesetzt, das über die Landesgrenzen hinaus wahrgenommen wird.

Darts in Deutschland

Schneider war nicht der einzige deutsche Gewinner des Wochenendes. Bei den WDF-gerankten Austrian Open, die von Donnerstag bis heute liefen, gingen gleich zwei Nachwuchstitel nach Deutschland: Mika Donnevert gewann die Youth-Konkurrenz, Kimi Seemann setzte sich bei der U23 Youth durch. Die Hauptfelder blieben niederländisch – Moreno Blom holte das Open, Priscilla Steenbergen die Damenkonkurrenz.

Im Profibereich fiel die Bilanz aus Budapest dagegen ernüchternd aus. Niko Springer, der die Hungarian Darts Trophy im Vorjahr überraschend gewonnen hatte, startete stark in seine Titelverteidigung und fegte Maik Kuivenhoven mit 6:1 vom Board – in Runde zwei war gegen Ryan Searle beim 4:6 aber Schluss. Martin Schindler erwischte einen gebrauchten Abend und unterlag Keane Barry deutlich mit 2:6. Damit war der deutsche Auftritt bei einem der letzten European-Tour-Events vor dem Grand-Prix-Cut bereits am Freitag beendet.

Debatten und Personalien

Um Peter Wright wird die Diskussion lauter. Der zweimalige Weltmeister ist in der Order of Merit auf Rang 31 abgerutscht, bei der WM im Alexandra Palace war gegen Debütant Arno Merk mit einem 0:3 und einem 79,20er Average früh Endstation. Aus dem Umfeld der Szene kommt inzwischen der offene Rat, die schrille Bühnenfigur „Snakebite“ abzulegen und wieder als Peter Wright zu spielen. Wright selbst ringt sichtbar mit dieser Entscheidung – er will Fans und vor allem Kinder nicht enttäuschen, die genau wegen der bunten Frisur und der schrillen Hemden zum Darts gekommen sind. Es ist eine der interessantesten Fragen dieses Spätsommers: Wie viel Identität steckt in einem Image, und wann wird das Image zur Last?

Eine ähnlich unangenehme Kurve beschreibt Mike De Decker. Der Belgier war 2024 noch der Mann, der als krasser Außenseiter den World Grand Prix gewann; inzwischen geht es für ihn um die sportliche Existenz auf der Tour. Solche Fallhöhen gehören zum Geschäft, machen aber deutlich, wie schmal der Grat zwischen Major-Titel und Abstiegskampf im modernen PDC-Kalender geworden ist.

WDF: Drei Titel in Weston-super-Mare

Im Sand Bay Holiday Village in Weston-super-Mare lief das komplette walisische Wochenendpaket. Beim silbergerankten Welsh Classic setzte sich im Open Kaya Baysal mit 6:3 gegen Llew Bevan durch – nach einem 1:3-Rückstand folgten fünf Legs am Stück, inklusive Checkouts von 84 und 146. Es ist bereits der sechste Seniorentitel auf der WDF-Bühne. Bei den Damen behielt die Schwedin Vicky Pruim in einem Krimi mit 5:4 gegen Kirsi Viinikainen die Nerven; im Halbfinale war zuvor Routinier Deta Hedman mit 4:2 aus dem Weg geräumt worden. Für Pruim ist es der erste WDF-Titel seit März 2024. Die Youth-Konkurrenz gewann Jack Nankervis mit 5:1 gegen Addison Hefferon – der siebte Nachwuchstitel, nachdem im Halbfinale gegen Mason Teese noch ein Entscheidungsleg nötig war.

Beim bronzegerankten Welsh Masters teilten sich der Schotte Ross Montgomery (Open) und die Waliserin Rhian O'Sullivan (Damen) die Titel. Die Welsh Open liefen zum Redaktionsschluss noch; bei den Junioren stehen die Sieger bereits fest: Mitchell Lawrie (Schottland) bei den Youth, Macy Gibbons (England) bei den Girls.

Budapest kompakt: Smith marschiert ins Finale

Zum Finaltag der Hungarian Darts Trophy in der MVM Dome – dazu gibt es bei uns einen eigenen ausführlichen Turnierbericht – hier die Kernergebnisse des Sonntags:

  • Dritte Runde: Dirk van Duijvenbode 6:4 Rob Cross, Danny Noppert 6:4 Ryan Searle, Ross Smith 6:4 Jonny Clayton, Dave Chisnall 6:2 Keane Barry, Gian van Veen 6:3 Jermaine Wattimena, Gary Anderson 6:5 Stephen Bunting, Nathan Aspinall 6:4 Michael van Gerwen, Chris Dobey 6:3 Josh Rock
  • Viertelfinale: Noppert 6:5 van Duijvenbode, Smith 6:2 Chisnall, Anderson 6:5 van Veen, Aspinall 6:5 Dobey
  • Halbfinale: Ross Smith 7:3 Danny Noppert; Gary Anderson gegen Nathan Aspinall lief zum Redaktionsschluss noch

Ross Smith, Europameister von 2022, wirkt an diesem Abend wie der reifste Spieler im Feld: erst Clayton, dann Chisnall im Schnelldurchlauf, dann ein Halbfinale, das nie wirklich in Gefahr geriet. Bemerkenswert ist auch die Vorstellung von Gary Anderson, der mit 55 Jahren bei einem seiner seltenen European-Tour-Auftritte am Samstag über 105 im Average gegen Krzysztof Ratajski gelegt hatte und heute zwei Entscheidungslegs überstand. Für den Titel und 35.000 Pfund aus einem Topf von 230.000 Pfund fällt die Entscheidung erst am späten Abend.

Das Rennen nach Leicester

Genau deshalb ist Budapest mehr als ein normales Tour-Wochenende. Der World Grand Prix (28. September bis 4. Oktober in Leicester) setzt auf ein Feld aus den Top 16 der Order of Merit plus den 16 bestplatzierten, noch nicht qualifizierten Spielern der Pro Tour Order of Merit. Stichtag ist der 14. September – und im entscheidenden Bereich der Rangliste ist es eng wie selten: Zwischen Platz zwölf und Platz 17 lagen vor diesem Wochenende nur rund 43.000 Pfund, Ross Smith und Jermaine Wattimena standen sogar exakt gleichauf. Smiths Finaleinzug verschiebt dieses Bild spürbar zu seinen Gunsten, während Wattimena im Achtelfinale gegen van Veen hängen blieb. Auch Dave Chisnall und Chris Dobey haben ihre Position mit Siegen bis ins Viertel- beziehungsweise Halbfinale abgesichert – Luke Humphries hingegen kassierte am Samstag mit dem 3:6 gegen van Duijvenbode eine der wenigen echten Überraschungen des Turniers.

MODUS Super Series: Evetts endlich ganz oben

In der Live Lounge in Portsmouth ging Woche vier der Serie 15 an Ted Evetts. Der frühere PDC-World-Youth-Champion galt lange als bester Spieler des Formats ohne Wochensieg – jetzt ist der Haken dran: Nach einer makellosen Gruppenphase am Finaltag schlug er im Halbfinale Matty Dennant und im Endspiel Steve Beaton mit 4:1. Evetts löste damit sein Ticket für die Champions Week. Zuvor hatten sich John Henderson (Gruppe A), Paul Hogan (Gruppe B) sowie James Richardson mit einer perfekten Bilanz in Gruppe C für die Finalrunde der besten sechs qualifiziert.

Das steht morgen an

Ab Montag verlagert sich das Geschehen in die Arena MK nach Milton Keynes: Dort werden vom 31. August bis 2. September die Challenge-Tour-Events 16 bis 20 gespielt – für viele Spieler die letzte realistische Chance, sich im Rennen um eine Tourcard-Perspektive nach vorn zu schieben. Auf der European Tour geht es bereits am Freitag weiter, wenn in Prag die Czech Darts Open als zwölftes Event der Serie starten. Und dann tickt sie wieder, die Uhr bis zum 14. September – dem Tag, an dem feststeht, wer im Herbst in Leicester das Doppel-In üben darf.