Littler-Ehrung in Hamburg, Schindlers Formkrise & Hedmans Appell an die PDC

Darts News vom 1. September 2026: Littler holt den Sport-Bild-Award, Schindler in der Formkrise, Hedman kritisiert die PDC, Klose glänzt bei MODUS.
Das Wichtigste des Tages
Der 1. September war ein Dienstag ohne großes TV-Turnier – und trotzdem einer der dichtesten Nachrichtentage der vergangenen Wochen. Luke Littler ließ sich in Hamburg feiern und schickte gleich eine Ansage an die Rekordbücher hinterher. Martin Schindler steht im Zentrum einer unbequemen Formdebatte. Deta Hedman nahm die PDC wegen der Kalenderkollisionen im Frauendarts ins Gebet. Und aus Ostwestfalen kam die vielleicht schönste Geschichte des Tages: Ein Zwölfjähriger räumt ein Feld mit 488 Startern ab. Dazu wurde das Wochenende von Budapest eingeordnet – mit einem historischen Meilenstein für Ross Smith und einem Blick auf das Rennen um Dortmund.
Littler in Hamburg: Award, Ansage, Ausblick
Es war ein Tagesausflug mit Symbolkraft: Luke Littler reiste nach Hamburg, um beim Sport-Bild-Award den „Weltmeister-Award" entgegenzunehmen – als jüngster Weltmeister der Darts-Geschichte und mittlerweile zweifacher Champion. Dass ein deutsches Sportmagazin einen Dartspieler in eine Riege mit Uli Hoeneß und Alexander Zverev stellt, sagt einiges über den Stellenwert der Sportart im deutschen Markt.
Spannender als die Trophäe war, was der 19-Jährige im Anschluss sagte. Auf seine Motivation angesprochen, antwortete er trocken: „Es ist Darts, du bist ganz allein gegen alle. Was mich antreibt, sind einfach Titel." Und mit Blick auf Phil Taylor: „Schaut euch an, was Phil Taylor über viele Jahre erreicht hat. Ich bin erst 19 – wenn ich in den nächsten 30 Jahren Lust dazu habe, breche ich noch ein paar Rekorde." Über 3,1 Millionen Pfund auf der Order of Merit und 14 Major-Titel stehen bereits in seiner Bilanz; nur Taylor und Michael van Gerwen liegen in der ewigen Major-Wertung vor ihm.
Dass die Konkurrenz das Szenario ähnlich einschätzt, machte Chris Dobey deutlich. Der 36-Jährige nannte Littlers Blackpool-Woche „unglaublich", warnte aber zugleich: „Ich glaube, ihr habt sein Bestes noch nicht gesehen." Sein Trostpflaster für den Rest der Tour: „Unschlagbar ist er trotzdem nicht."
Darts in Deutschland
Das deutsche Darts lieferte an diesem Dienstag gleich mehrere Geschichten – eine unangenehme, zwei sehr schöne.
Die unangenehme betrifft Martin Schindler. Der Strausberger, in den vergangenen zwei Jahren das Gesicht des deutschen Spitzendarts, kommt 2026 nicht in Tritt. Seine Siegquote liegt bei rund 46 Prozent – erstmals in seiner Profikarriere unter der 50er-Marke. Das eingespielte Preisgeld von etwa 134.000 Pfund liegt weit hinter den Werten von 2025 (rund 241.000) und 2024 (rund 231.000). Ein Materialwechsel zurück auf unbeschichtetes Tungsten gilt als eine Erklärung, die ehrlichste kam aber von ihm selbst: „Ich habe im Moment nicht das natürliche Selbstvertrauen, mein Spiel auf die Bühne zu bringen." Aktuell steht Schindler auf Rang 19 der Weltrangliste – noch komfortabel, aber getragen von Ergebnissen aus 2024 und 2025. Fällt er aus den Top 32, wären automatische Startplätze und Setzlisten-Vorteile in Gefahr.
Die Gegenbewegung liefert der Nachwuchs. In Bad Salzuflen gewann der zwölfjährige Ben Schneider am Wochenende die MyDartCoach Championship – bei 488 Startern, in einem Feld mit PDC-Tour-Card-Inhabern und Next-Gen-Spielern. Schneider marschierte durch:
- Viertelfinale: Schneider 5:0 Marvin Koch
- Halbfinale: Schneider 5:2 Marc Spalt
- Finale: Schneider 6:3 Elias Jahn (87er-Average)
Über das gesamte Turnier gab er elf Legs ab. Der bereits bei Target unter Vertrag stehende Junge nahm 2.500 Euro mit nach Hause.
Und auch international sammelten deutsche Talente ein: Beim WDF-Wochenende im österreichischen Fels am Wagram holte Mika Donnevert im Jugendbereich gleich vier Titel – ein glatter Durchmarsch. Bei den Mädchen gewann Merve Hummel zwei Turniere, Kimi Seemann erreichte bei den Blue Danube Open das Viertelfinale. Bei den Erwachsenen gingen die vier Ranglistenturniere an Mürsel Yavuz (6:0 gegen Davy van der Zande), Moreno Blom (6:1 gegen Nick Fullwell), Brian Raman (6:3) und Jenson Walker (6:4). Parallel meldeten die DDV-Landesverbände aus Hamburg, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen ihre ersten Saisonsieger. Randnotiz aus der Branche: Der Hersteller BULL'S Germany firmiert nach 28 Jahren künftig unter dem Namen BEAZD.
Frauendarts unter Druck: Hedmans Appell an die PDC
Deta Hedman hat mit 66 Jahren nichts von ihrer Direktheit verloren. Die Britin kritisierte die regelmäßigen Terminüberschneidungen zwischen der PDC Women's Series und den Turnieren anderer Verbände. Ihr konkretes Beispiel: Im Oktober kollidieren die letzten vier Women's-Series-Events in Wigan mit der England Classic in Selsey, wo vom 9. bis 11. Oktober drei Ranglistenturniere gespielt werden.
„Die Standardantwort lautet: Frauen müssen sich eben entscheiden", sagte Hedman – und genau das ist ihr Problem. Über 80 Prozent der Women's-Series-Teilnehmerinnen kommen aus Großbritannien und Irland, also exakt aus dem Einzugsgebiet der konkurrierenden Turniere. „Für das Wachstum des Frauendarts wäre es fantastisch, wenn wir die Überschneidungen auf ein Minimum reduzieren könnten." Ein Punkt, der in einer Saison, in der Beau Greaves gerade erst ihr European-Tour-Debüt gegeben hat, mehr Gewicht hat als je zuvor.
Nachklang Budapest: Smiths Meilenstein und das Rennen nach Dortmund
Ross Smith hat mit seinem 8:2 gegen Gary Anderson in Budapest nicht nur seinen zweiten European-Tour-Titel des Jahres geholt, sondern auch eine Schwelle überschritten: Es war sein zehnter PDC-Pro-Tour-Titel – als erst 25. Spieler überhaupt knackt er diese Marke. Zehn Siege aus 16 Finals, Rang 20 der ewigen Pro-Tour-Liste. Zum Vergleich, und als Erinnerung daran, in welcher Dimension sich die Spitze bewegt:
- Michael van Gerwen – 91 Titel aus 117 Finals
- Phil Taylor – 70 Titel
- Gary Anderson – 39 Titel
- Nächste Kandidaten für die Zehnermarke: Luke Littler und Nathan Aspinall mit je neun
Sportlich hat der Sonntag von Budapest die Tabellen kräftig durchgeschüttelt. Smith führt die European Tour Order of Merit nun mit rund 125.000 Pfund an, vor Wessel Nijman (106.000) und Krzysztof Ratajski (79.500). Josh Rock schob sich in die Top 5. Anderson dagegen bleibt trotz Finaleinzug nur 41., weil er fast die gesamte Saison ausgelassen hat – die Top 32 nach 15 Events qualifizieren sich für die European Championship vom 22. bis 25. Oktober in Dortmund. In Prag ist der Schotte deshalb dabei. Ebenfalls außerhalb der Ränge: Stephen Bunting (33.), Michael Smith (35.) und Daryl Gurney (36.). Bemerkenswert bleibt der Auftritt von Beau Greaves, die ihr European-Tour-Debüt zwar gegen Rob Cross verlor, dabei aber 104,88 im Average legte.
Stimmen des Tages
Mike De Decker räumte ein altes Missverständnis ab. Sein Satz „Ich spiele für mein eigenes Brot, nicht für mein Land" sei locker gemeint gewesen und ohne Kontext weitergetragen worden. Kritik am belgischen Team oder am World Cup of Darts sei damit nicht verbunden – 2027 werde er wieder antreten.
Stephen Bunting sprach über die dunkle Seite der Popularität. Der Streit um seinen selbst gewählten Beinamen „The People's Champion" habe sich verselbstständigt, die Folgen trafen aber vor allem seinen 14-jährigen Sohn: „Er wurde in der Schule gemobbt, also habe ich ihn auf eine Privatschule geschickt. Ein Teil der Anfeindungen kam über meinen Kanal."
Nick Kenny lieferte die kuriose Anekdote des Tages: Nach dem WDF-World-Cup-Sieg mit Wales tanzte er trotz Ermüdungsbruch – „ich sprang auf und ab, und dann knackte es" – und verbrachte anschließend sechs Wochen in der Schiene. Und Bradley Brooks erinnerte sich daran, wie ihm sein Manager nach der vermeintlich sicheren Tour Card eine Flasche Wodka in den Mund kippte, bevor die Rechnung noch einmal ganz anders aussah.
MODUS Super Series: Klose und Hamilton geben den Ton an
In Portsmouth spielte Gruppe A der Woche 5 ein komplettes Rundenprogramm über 15 Partien. Am Ende teilten sich Daniel Klose und Andy Hamilton mit je 4:1 Siegen die Spitze, wobei Klose mit 18:8 Legs die deutlich bessere Differenz vorweist – Hamilton hat dafür das direkte Duell gewonnen. Jordan Brooks und Neil Duff folgen mit je 3:2. Noa-Lynn van Leuven erwischte bei ihrem Super-Series-Debüt einen gebrauchten Tag und blieb ohne Sieg, verlor aber zwei Partien erst im Entscheidungsleg.
- Klose 4:0 Duff – die deutlichste Ansage des Tages
- Klose 4:0 Brooks
- Hamilton 4:2 Klose
- Brooks 4:3 Hamilton
- Duff 4:0 Schenk und Brooks 4:0 Schenk
- Schenk 4:3 van Leuven – Schenks einziger Sieg
Das steht morgen an
Am Mittwoch geht die MODUS Super Series in Portsmouth weiter, ehe am Samstag das Wochenfinale steigt. Im Fokus steht aber bereits Prag: Am Donnerstag wird gegen 13 Uhr die Auslosung für die Czech Darts Open bestätigt, die von Freitag bis Sonntag in der PVA Expo Praha gespielt werden – 48 Spieler, 230.000 Pfund Preisgeld, 35.000 für den Sieger. Luke Littler ist als Nummer eins gesetzt, Titelverteidiger Luke Humphries als Nummer zwei, dazu Michael van Gerwen und Beau Greaves. Aus deutscher Sicht sind Martin Schindler und Niko Springer dabei – für Schindler die nächste Gelegenheit, die Formkurve zu drehen. Zuvor werden am Donnerstag noch vier Plätze im Host-Nation-Qualifier vergeben.