Webster nimmt Littler in Schutz, Clemens adelt Wade & Schindlers Sprung Richtung Minehead

Darts News vom 23.09.2026: Webster verteidigt Littler in der Pfeif-Debatte, Clemens fordert Wade für die Premier League, Schindler springt Richtung Minehead.
Das Wichtigste des Tages
Ein Mittwoch, an dem die Pfeile in Den Bosch flogen – und der trotzdem von einer Diskussion bestimmt wurde, die den Darts-Sport gerade von innen umtreibt: Wie viel Lärm darf ein Publikum machen? Mark Webster meldete sich bei Sky Sports zu Wort und nahm Luke Littler in Schutz. Parallel sortierte sich die Rangliste für die Players Championship Finals in Minehead neu, Martin Schindler machte darin einen großen Satz nach vorn, und Gabriel Clemens erklärte, warum an James Wade bei der Premier-League-Nominierung 2027 kein Weg vorbeiführen darf.
Story des Tages: Webster verteidigt Littler in der Pfeif-Debatte
Mark Webster, Weltmeister von 2008 und heute Experte, hat der Sorge widersprochen, Luke Littler könnte dem Sport wegen der Zuschauer-Eskapaden den Rücken kehren. „Nein, ich glaube nicht, dass er deswegen dem Sport den Rücken kehrt“, sagte Webster bei Sky Sports über den Weltranglisten-Ersten. Littler war in Amsterdam bei den World Series of Darts Finals massiv ausgepfiffen und ausgebuht worden – unter anderem in den Partien gegen Publikumsliebling Danny Noppert und gegen Nathan Aspinall, in der der Referee einschreiten und die Ränge zur Ruhe ermahnen musste.
Webster zieht dabei eine klare Trennlinie: Buhrufe werde man aus dem Darts nie verbannen können, das gehöre zur Bühne dazu – gerade wenn ein Engländer gegen einen niederländischen Heimspieler antritt. Das schrille Pfeifen aber sei eine andere Kategorie. Webster berichtete von Gesprächen mit dem Sicherheitspersonal, das derzeit verschiedene Maßnahmen in den Hallen erprobe, um das Pfeifen in den entscheidenden Momenten einzudämmen. Seine Botschaft an Littler: Wer ganz oben steht, bekommt auch in britischen Hallen regelmäßig rauen Gegenwind – ein Sonderstatus sei nicht zu erwarten.
Die Einordnung fällt in eine ohnehin aufgeladene Lage. Littler hat angekündigt, Turniere in den Niederlanden künftig meiden zu wollen, und fehlt sowohl bei den Players Championships in Den Bosch als auch beim Dutch Darts Championship in Maastricht. Dass ausgerechnet ein Weltranglisten-Erster über die Atmosphäre in bestimmten Hallen diskutiert, zeigt, wie sehr der Boom des Sports auch seine Schattenseiten produziert: volle Arenen, aufgeheizte Stimmung – und ein Pfeifkonzert, das in Sekundenbruchteilen einen Wurf zerstören kann.
Darts in Deutschland: Schindler springt, Gotthardt ärgert Nijman
Martin Schindler war in Den Bosch der beste Deutsche und hat sich mit dem Einzug ins Achtelfinale vor allem ranglistentechnisch Luft verschafft. Der Auftakt gegen Matthias Ehlers geriet mit 6:4 und 99,15 Punkten im Schnitt eng, danach folgten ein 6:2 gegen Alan Soutar und ein souveränes 6:1 bei 98,35 Average. Im Achtelfinale führte Schindler gegen Jermaine Wattimena bereits 4:2, ehe der Niederländer die Partie drehte und mit 6:5 gewann – 96,25 Average für Schindler, aber eben keine Belohnung. Wie die Paarungen zustande kamen, steht in unserem Bericht zur Auslosung.
Die Belohnung bekommt er dafür in der Tabelle: Schindler verbesserte sich von Rang 60 auf Rang 53 der Players Championship Order of Merit und steht nun bei 32.500 Pfund Pro-Tour-Preisgeld. Das ist ein spürbares Polster im Rennen um die Top 64, die in Minehead bei den Players Championship Finals starten dürfen.
Den zweiten deutschen Höhepunkt lieferte Kai Gotthardt, der in Runde zwei bei rund 100er Average Wessel Nijman mit 6:5 aus dem Turnier warf – ausgerechnet den erfolgreichsten Preisgeldsammler der gesamten Players-Championship-Serie. Im Anschluss war für Gotthardt gegen Brendan Dolan beim 2:6 Schluss. Gabriel Clemens überstand ein deutsches Duell gegen Florian Preis mit 6:5, unterlag dann aber Adam Gawlas mit 4:6. Ricardo Pietreczko erwischte einen komplett gebrauchten Tag und verlor 0:6 gegen Stephen Rosney, Max Hopp musste sich zum Auftakt Connor Manby mit 4:6 geschlagen geben – für den deutschen WM-Rekordteilnehmer ein Dämpfer.
In der Minehead-Rangliste bleiben die deutschen Aushängeschilder gut positioniert: Clemens liegt mit 49.250 Pfund auf Rang 24, Hopp mit 47.250 Pfund auf Rang 27.
Clemens macht sich für Wade stark
Abseits der Scheibe wurde Clemens deutlich. In der neuen Folge seines Podcasts „Darts auf die 1“ machte sich der Saarländer für eine Premier-League-Nominierung von James Wade im kommenden Jahr stark. „Sie können ihn nicht übergehen. Ehrlich“, so Clemens über den 43-Jährigen, der aktuell Sechster der Order of Merit ist. Entweder über eine Nominierung als Wildcard oder direkt über einen Platz in den Top vier – für Clemens ist Wade in der Premier League 2027 gesetzt.
Gleich noch eine Prognose schob Clemens hinterher: Beim World Grand Prix zählt er Wade zu den Mitfavoriten. Die Begründung ist handfest – Wades Stärke auf der Doppel 10 und der Doppel 20 passe perfekt zum Double-in-Double-out-Modus, der das Turnier in Leicester so eigen macht. Wer dort nicht sofort ein Doppel trifft, verliert Legs, ohne überhaupt ins Scoring gekommen zu sein; Spieler mit sauberer Eröffnungsroutine haben dadurch einen strukturellen Vorteil. Die Auslosung für Leicester haben wir bereits im Detail aufgeschlüsselt, ebenso Wades jüngsten Titel gegen Ross Smith.
Kampf um Minehead: Aspinall zittert, Anderson hält sich fest
Die Players Championship Order of Merit ist nach dem 30. Turnier der Serie zum Nervenspiel geworden. Nur die besten 64 fahren zu den Players Championship Finals – und ausgerechnet Nathan Aspinall steht trotz eines starken Laufs in Den Bosch weiter außen vor: Platz 74, 26.500 Pfund, rund 2.750 Pfund fehlen ihm auf den Cut, den derzeit Mike De Decker mit 29.250 Pfund markiert. Gary Anderson hält sich mit 29.750 Pfund auf Rang 62 fest, ohne selbst Preisgeld nachlegen zu können. Scott Williams hat sich mit seiner Finalteilnahme dagegen Luft verschafft. An der Spitze thront Wessel Nijman mit 150.250 Pfund.
Kompakt: Players Championship 30 und MODUS Super Series
Players Championship 30 in Den Bosch endete mit einem historischen Sieg: Karel Sedlacek gewann 8:7 gegen Scott Williams und ist der erste tschechische Spieler mit einem PDC-Ranglistentitel. Williams führte 7:5 und ließ drei Matchdarts liegen, Sedlacek konterte unter anderem mit einem hohen 164er-Finish über das Bullseye. Michael van Gerwen spielte über 107 im Turnierschnitt und verlor trotzdem 2:6 gegen Williams, Raymond van Barneveld erreichte das Viertelfinale. Alle Details stehen im ausführlichen Turnierbericht.
Bei der MODUS Super Series ging in Portsmouth der letzte Gruppe-A-Tag über die Bühne – und der gehörte Steve West:
- Steve West gewann alle fünf Partien, darunter ein 4:1 gegen Scott Robertson
- Scott Robertson holte vier Siege, unter anderem 4:0 gegen Scott Taylor und 4:3 gegen Chuck Puleo
- Francesco Basili setzte mit einem 4:0 gegen Scott Winder ein Ausrufezeichen, blieb ansonsten aber blass
- Scott Winder rettete mit einem 4:3 gegen Scott Taylor im letzten Match noch etwas Zählbares
Das steht morgen an
Am Donnerstag übernimmt bei der MODUS Super Series die Gruppe B, gespielt wird erneut aus der Live Lounge in Portsmouth ab 22:00 Uhr. Zudem endet um 14:00 Uhr GMT die Meldefrist für die nächsten Challenge-Tour-Events in Wigan – für die Spieler im Grenzbereich der Ranglisten eine kleine Deadline mit großer Wirkung.