Van der Voort zweifelt an van Gerwen, Netflix öffnet den Littler-Ticketverkauf & Greaves dominiert die Average

Darts News vom 14. Oktober 2026: Van der Voort kritisiert van Gerwen, Netflix startet den Littler-Ticketverkauf, Greaves stellt 16 der 20 besten Averages.
Das Wichtigste des Tages
Vincent van der Voort hat an diesem Mittwoch offen infrage gestellt, ob Michael van Gerwen genug tut, um aus seiner Formkrise herauszufinden. Die Furcht vor dem Niederländer sei im Übungsraum verschwunden, sagt ausgerechnet sein langjähriger Weggefährte. Parallel dazu öffnete Netflix den freien Ticketverkauf für die Show „Beat Luke Littler“, die PDC legte die Average-Bilanz der Women's Series vor, Wayne Mardle kritisierte den überfüllten Terminkalender, und in Antalya begannen die Einzelwettbewerbe des WDF Turkish Classic.
Van der Voort über van Gerwen: „Die Angst ist komplett weg“
Vincent van der Voort hat sich an diesem Mittwoch so deutlich über Michael van Gerwen geäußert wie selten. Der zurückgetretene Profi, der van Gerwen über Jahre als Reisebegleiter und Trainingspartner erlebt hat, führt dessen anhaltende Ergebniskrise nicht auf fehlendes Können zurück, sondern auf Vertrauen und Arbeitsaufwand. „Es muss eine Frage von Form und Vertrauen sein. Wir alle wissen, was er in der Vergangenheit geworfen hat, es ist also nicht so, dass er es nicht kann“, sagte van der Voort. Dass sich aus den zuletzt besseren Ansätzen nichts Belastbares entwickelt habe, ärgert ihn: „Da muss viel Zeit hineingesteckt werden.“
Schwerer wiegt seine Einschätzung der psychologischen Lage. „Er hat noch den Namen, aber es gibt keinen Spieler im Übungsraum, der denkt: Oh nein, ich muss gegen ihn spielen. Die Angst ist komplett weg“, so van der Voort. Der Punkt ist weniger eine Momentaufnahme als eine Verschiebung: Spieler außerhalb der absoluten Spitze gingen früher mit Respekt in eine Partie gegen den dreimaligen Weltmeister, heute wissen sie, dass auch ein Average unter dem eigenen Bestwert reichen kann. Genau daraus zieht van der Voort seine Kritik – nicht am Talent, sondern an der Konsequenz, mit der daran gearbeitet wird. Bemerkenswert ist, dass diese Sätze von dem Mann kommen, der van Gerwen am nächsten steht und ihm im selben Atemzug zutraut, das alte Niveau wieder zu erreichen.
Winmau bringt eine neue van-Gerwen-Serie
Dass der Name weiter trägt, belegte am Mittwoch eine andere Meldung: Winmau stellte eine neue van-Gerwen-Kollektion vor, die vier Modelle umfasst. Den Einstieg bildet ein 21 Gramm schwerer Messingsatz mit Anthrazit-Finish für Einsteiger und Nachwuchsspieler. Darüber steht das Tungsten-Modell TS mit 90 Prozent Wolframanteil in 21, 23 und 25 Gramm, dessen drei hintere Griffringe auf van Gerwens drei WM-Titel verweisen. Das TS-Pro mit überarbeiteten Astrogrip-Sektionen kommt dem am nächsten, was van Gerwen derzeit auf der Bühne wirft, und ist in 23, 24 und 25 Gramm erhältlich. Spitzenmodell ist das W-Max in dunklem Onyx-Finish mit 24-Karat-Akzenten, angeboten in 22, 23 und 24 Gramm. Zu jedem Satz gehört ein kostenloser Monat Autodarts.
Netflix startet den Verkauf für „Beat Luke Littler“
Um 9 Uhr britischer Zeit hat Netflix an diesem Mittwoch den freien Ticketverkauf für „Beat Luke Littler“ geöffnet. Karten gibt es ab 35 Pfund, Einlass in Manchester Central ist um 16 Uhr, die Live-Show beginnt um 19 Uhr. Das Format ist einfach gehalten: Bis zu 20 Amateure treten gegen Luke Littler an, jeweils über ein einziges Leg 501. Wer gewinnt, erhält 501.000 Pfund.
Die Produktion ist breiter angelegt als ein reines Darts-Event. Durch den Abend führt Gary Lineker, Richard Osman ist als Analyst eingeplant, Josh Denzel gehört ebenfalls zum Moderationsteam, Verkleidungen sind ausdrücklich erwünscht. Netflix streamt die Show weltweit. Sportlich zählt der Abend nichts, als Reichweitenprojekt ist er die bislang größte Investition eines Streaming-Anbieters in den Dartsport.
Mardle kritisiert den Kalender, Nicholson erklärt Wades Aufschwung
Wayne Mardle hat den dicht getakteten Terminplan kritisiert und dafür einen scharfen Begriff gewählt. „Alle stehen unter dieser Ranglisten-Erpressung, und ich nenne es Erpressung, weil sich jeder für bestimmte Turniere qualifizieren will“, sagte der frühere Profi und heutige Kommentator. Pausen seien kaum möglich, ohne Wettkampfhärte zu verlieren: „Du musst deinen Arm in Bewegung halten, und zwar im Wettkampf, du musst den Kopf fokussiert halten.“ Auch die veränderte Informationslage sprach Mardle an: Unbekannte Gegner gebe es nicht mehr, „jeder weiß über jeden Bescheid, Social Media hat die Welt so klein gemacht“. Als unterschätzten Kandidaten für die WM nannte er Krzysztof Ratajski: „Jemand, der immer gut spielt, ist ein Geheimtipp, weil ihn nie jemand erwähnt. Er wird sie nicht gewinnen, aber er wird einen Lauf haben.“
Einen Gegenentwurf lieferte Paul Nicholson, der den Aufschwung von James Wade erklärte. Der 43-Jährige hat sich nach einem zwischenzeitlichen Absturz wieder nach vorn gearbeitet, und Nicholson führt das auf eine veränderte Motivation zurück. „Manche Sportler werden von Geld angetrieben, manche von Ruhm, manche vom Wettkampfinstinkt und andere vom Wunsch, für ihre Familie zu sorgen“, sagte er. Bei Wade gehe es inzwischen eindeutig um das Letzte: „Er will für seine Jungs sorgen. Er will dafür sorgen, dass seine Familie sich für den Rest ihres Lebens keine Sorgen um Geld machen muss.“ Zudem sieht Nicholson in Wades ADHS- und Bipolar-Diagnosen für diesen Sport einen möglichen Vorteil: „Neurodiversität kann eine Superkraft sein“, sagte er mit Blick auf die Fähigkeit zur Hyperfokussierung im Training.
Women's Series: 16 der 20 besten Averages gehen auf Greaves' Konto
Die veröffentlichte Average-Bilanz der PDC Women's Series liest sich eindeutig. 16 der 20 höchsten Match-Averages der Saison gehen auf das Konto von Beau Greaves. Den Saisonbestwert warf sie bei Women's Series 3 mit 107,36, ihr zweitbester Wert von 105,78 stammt aus Event 10. Sämtliche vier Averages über 103 Punkte stehen ebenfalls in ihrer Spalte, dazu 13 der 14 höchsten Werte der gesamten Saison. 17 der 24 Turniere gewann Greaves.
Nur drei andere Spielerinnen tauchen in der Liste auf:
- Fallon Sherrock: 102,12 bei Women's Series 5 – Rang fünf
- Noa-Lynn van Leuven: 99,89 bei Women's Series 6 – Rang 14
- Lisa Ashton: 98,56 bei Women's Series 13 – Rang 18
19 der 20 Bestwerte wurden in gewonnenen Partien erzielt. Die einzige Ausnahme ist wiederum Greaves, die bei Women's Series 5 trotz eines Averages von 100,48 verlor. Über die gesamte Geschichte der Serie gerechnet entfallen 43 der 63 Averages über 100 Punkte auf sie.
WDF: Turkish Classic beginnt in Antalya
Im Adora Resort in Antalya hat die WDF den Turkish Classic eröffnet. Am Mittwoch standen die Einzelwettbewerbe der Open- und der Ladies-Klassifikation auf dem Programm, nachdem die Paarwettbewerbe den Auftakt gebildet hatten. Classic und Masters sind nach sieben Jahren Pause an den Austragungsort zurückgekehrt; insgesamt werden vier Turniere der Silber-Kategorie gespielt, dazu ein Bronze-Turnier für den Nachwuchs. Zu den früheren Classic-Siegern zählen Tony O'Shea, Jim Williams und Mark McGeeney.
MODUS Super Series: Coleman gewinnt vier von fünf
In der MODUS Super Series setzte sich Ashley Coleman durch. Er gewann vier seiner fünf Partien und verlor nur das Duell mit Aaron Turner knapp mit 3:4. Dahinter folgen Tommy Morris und Turner mit je drei Siegen, Scott Mitchell und Sander van Ockenburg-Zwaan kamen auf zwei, Jim McEwan auf einen. Die Tagesbilanzen im Überblick:
- Ashley Coleman: 4:1 McEwan, 4:2 van Ockenburg-Zwaan, 4:1 Mitchell, 4:2 Morris, 3:4 Turner
- Tommy Morris: 1:4 Turner, 4:2 McEwan, 4:2 van Ockenburg-Zwaan, 2:4 Coleman, 4:1 Mitchell
- Aaron Turner: 4:1 Morris, 2:4 Mitchell, 4:2 McEwan, 2:4 van Ockenburg-Zwaan, 4:3 Coleman
- Scott Mitchell: 4:3 van Ockenburg-Zwaan, 4:2 Turner, 1:4 Coleman, 3:4 McEwan, 1:4 Morris
- Sander van Ockenburg-Zwaan: 3:4 Mitchell, 2:4 Coleman, 2:4 Morris, 4:2 Turner, 4:3 McEwan
- Jim McEwan: 1:4 Coleman, 2:4 Morris, 2:4 Turner, 4:3 Mitchell, 3:4 van Ockenburg-Zwaan
Kurz notiert
Die PDC hat das Teilnehmerfeld der ersten European Open bestätigt: 160 Spieler, 750.000 Pfund Preisgeld, als Vorbild dient das Format der UK Open – alle Details zum neuen Major in der Salzburgarena. Ebenfalls an diesem Mittwoch Thema: der 14-jährige Jayden Walker, der mit seinem Erfolg bei der England International Open zum jüngsten WDF-Ranglistensieger im Seniorenbereich wurde und damit eine Bestmarke von Luke Littler unterbot – hier der ausführliche Bericht.
Das steht morgen an
Am Donnerstag wird um 12 Uhr britischer Zeit die Auslosung für das Dutch Darts Championship veröffentlicht, das letzte Turnier der European Tour in dieser Saison. 48 Spieler teilen sich im MECC Maastricht 230.000 Pfund, 35.000 davon gehen an den Sieger; Luke Humphries ist als Nummer eins gesetzt, dahinter folgen unter anderem Gian van Veen, Gerwyn Price, Jonny Clayton und Michael van Gerwen.
In Maastricht fallen zugleich die letzten Entscheidungen über Startplätze und Setzliste für die European Darts Championship in der Dortmunder Westfalenhalle. In Antalya stehen am Donnerstag die Masters-Wettbewerbe und das Bronze-Turnier der Jugend auf dem Programm.