Das Rennen um Dortmund wird eng, Van der Voort über Van Gerwens Hunger & Wellingers Debüt in Basel

Darts News vom 9. Oktober 2026: Reyes und Sedlacek punkten im Rennen um Dortmund, Van der Voort über Van Gerwen, Wellinger gibt in Basel sein Pro-Tour-Debüt.
Das Wichtigste des Tages
Mit dem vorletzten European-Tour-Turnier der Saison hat das Rennen um die 32 Startplätze für die Europameisterschaft in Dortmund seine entscheidende Phase erreicht. Cristo Reyes, der als letzter Qualifikant in den Tag ging, und Karel Sedlacek, der als Nachrücker ins Teilnehmerfeld gekommen war, gewannen in Basel ihre Auftaktpartien und verschafften sich Luft.
Daneben bestimmten drei weitere Themen den Tag: Vincent van der Voort äußerte sich in einem Interview ausführlich zur sportlichen Lage von Michael van Gerwen, Danny Ayres gewann bei der MODUS Super Series alle fünf Partien seiner Gruppe, und in Selsey begann das dreitägige Turnierwochenende des englischen Verbands mit drei ranglistenrelevanten Wettbewerben.
Das Rennen um die Europameisterschaft
Für die Machineseeker European Championship in Dortmund qualifizieren sich die besten 32 Spieler der European Tour Order of Merit. In diese Rangliste fließen ausschließlich die Preisgelder der European-Tour-Turniere ein, Ergebnisse von Players Championships oder Fernsehturnieren zählen nicht. Nach dem laufenden Wochenende steht nur noch ein weiteres Turnier der Serie an, entsprechend eng ist die Lage im unteren Drittel der Liste: Wer jetzt nicht punktet, hat nur noch einen Versuch.
Cristo Reyes ging als 32. und damit als letzter Qualifikant in den Tag. Der Spanier setzte sich gegen Cameron Menzies mit 6:4 durch und sicherte sich damit zumindest das Preisgeld der zweiten Runde. Menzies, der selbst auf einen Platz außerhalb der ersten 32 zurückgefallen ist, ließ im Verlauf der Partie mehrere Doppelchancen aus und schied aus.
Karel Sedlacek, der ohne die Absagen mehrerer Spieler gar nicht im Feld gestanden hätte, gewann mit 100,20 Punkten Average 6:4 gegen Sebastian Bialecki. Der Tscheche ist einer der Profiteure der Nachrückerregelung. Auch für ihn gilt: Jede gewonnene Runde verkleinert den Abstand nach vorn.
Unter Druck steht zudem Dave Chisnall. Der Engländer, der vierzehn Mal nacheinander bei der Europameisterschaft am Oche stand, liegt auf Rang 30 und damit nur knapp innerhalb der Qualifikation. Kim Huybrechts, 28., hat die Entwicklung gar nicht selbst in der Hand: Er konnte sich für das Turnier in Basel nicht qualifizieren und muss das Wochenende von außen verfolgen. Daryl Gurney fehlt ebenfalls im Feld.
Van der Voort über Van Gerwen: Der Hunger muss zurückkommen
Die meistbeachtete Wortmeldung des Tages kam nicht vom Oche, sondern aus einem Interview. Vincent van der Voort, früherer Profi und langjähriger Weggefährte von Michael van Gerwen, sprach über die Perspektive des dreimaligen Weltmeisters. Van der Voort hält eine Rückkehr auf das höchste Niveau weiterhin für möglich, sieht die Entscheidung darüber aber allein bei Van Gerwen selbst: Der Hunger auf Titel müsse zurückkommen, und die entscheidende Frage laute, wie viel Arbeit Van Gerwen in sein Spiel stecke und wie sehr er es wolle.
Zugleich ordnete van der Voort ein, warum der Maßstab heute ein anderer ist als in Van Gerwens dominanter Phase. Mit Luke Littler sei ein Gegner da, der gerade in den langen Formaten kaum Angriffsfläche biete; Littler habe in seiner Karriere erst eine einzige Partie über mehr als zwanzig Legs verloren. Van Gerwen selbst greift in Basel als an Position fünf gesetzter Spieler erst in der zweiten Runde ein.
Darts in Deutschland
Niko Springer war am Freitagnachmittag der einzige Deutsche im Einsatz und zog mit 6:1 gegen den Schweizer Roman Wellinger in die zweite Runde ein. Das Ergebnis fiel dabei deutlicher aus als die Leistung: Springer blieb bei rund 77 Punkten Average und ließ vor allem auf den Doppelfeldern viel liegen. Für seine Position in der European Tour Order of Merit zählt zunächst das Weiterkommen, sportlich bleibt reichlich Luft nach oben.
Martin Schindler ist als gesetzter Spieler noch nicht eingestiegen. Für den deutschen Spitzenspieler geht es in Basel um mehr als eine Runde: Er liegt in der European Tour Order of Merit nur wenige Plätze innerhalb der Qualifikation für Dortmund und kann seine Ausgangslage an diesem Wochenende deutlich verbessern.
Die Geschichte des Tages
Roman Wellinger, 13 Jahre lang Hobbyspieler und im Hauptberuf im Strassenbau tätig, gab mit dem 1:6 gegen Springer sein Debüt auf der Pro Tour. Der Bündner hatte sich über den Host-Nation-Qualifier ins Feld gespielt, wo er zehn 180er warf – mehr dazu im Bericht zu den Qualifikanten. Gegen Springer hielt er über weite Strecken mit, scheiterte aber an neun Gelegenheiten auf ein Doppel – ein Unterschied, der die klare Höhe des Ergebnisses erklärt. Auf der Bühne trug Wellinger ein Trikot, das seine Tochter Melanie, eine ehemalige Schweizer U16-Meisterin, entworfen hatte.
European Tour 14 in Basel: die Ergebnisse der Nachmittagssession
Den besten Average des Nachmittags legte Rob Cross mit 105,95 Punkten beim 6:3 gegen Mario Vandenbogaerde vor. Die beste Partie lieferten Bradley Brooks und Niels Zonneveld: Brooks drehte einen 2:4-Rückstand und gewann 6:4, beide blieben über 100 Punkten Average, zusammen warfen sie 13 Maximum-Aufnahmen. Joe Cullen eröffnete sein Spiel gegen Tom Bissell mit einem hohen Finish von 154, verlor am Ende aber im Entscheidungsleg 5:6. William O'Connor kam mit 92,95 Punkten zu einem 6:1 gegen Jani Haavisto.
- Bradley Brooks 6:4 Niels Zonneveld
- William O'Connor 6:1 Jani Haavisto
- Mensur Suljovic 6:3 György Jehirszki
- Karel Sedlacek 6:4 Sebastian Bialecki
- Niko Springer 6:1 Roman Wellinger
- Tom Bissell 6:5 Joe Cullen
- Cristo Reyes 6:4 Cameron Menzies
- Rob Cross 6:3 Mario Vandenbogaerde
Am Abend standen die restlichen Erstrundenpartien auf dem Programm, darunter Michael Smith gegen Rob Owen, Raymond van Barneveld gegen Maik Kuivenhoven und Dirk van Duijvenbode gegen Bruno Stoeckli. Zum Redaktionsschluss lief die Begegnung zwischen Andrew Gilding und dem Schweizer Stefan Bellmont. Für van Barneveld geht es dabei um mehr als das Turnier: Der fünfmalige Weltmeister belegt in der Pro Tour Order of Merit den letzten Platz, der zur Weltmeisterschaft führt.
MODUS Super Series: Ayres gewinnt alle fünf Partien
Danny Ayres hat seine Gruppe ohne Niederlage abgeschlossen. Der Engländer gewann alle fünf Begegnungen und verwies Conor Heneghan mit vier Siegen auf Rang zwei. Dahinter folgten Alex Spellman mit drei und Harrison Leigh mit zwei Erfolgen; Oliver Mitchell gewann eine Partie, Andreas Harrysson blieb ohne Sieg.
- Ayres 4:3 Leigh, Ayres 4:2 Mitchell, Ayres 4:0 Spellman, Ayres 4:0 Heneghan, Ayres 4:2 Harrysson
In der zweiten Gruppe war die Entscheidung am Abend noch offen: Lee Cocks, Niek Tuik und William Borland lagen nach sieben Partien mit je zwei Siegen gleichauf, Darren Trueman kam auf einen Erfolg, Danny Lauby Jr. auf keinen.
WDF-Auftakt in Selsey
Im Seal Bay Resort in Selsey begann das dreitägige Turnierwochenende des englischen Verbands. Den Auftakt machte das England International Open, in den kommenden Tagen folgen das England Masters, die Jugendwettbewerbe, das England Classic Open und die Women's Singles. Alle Einzelkonkurrenzen fließen in die WDF-Rangliste ein und sind damit für alle relevant, die sich über diesen Weg für die großen Verbandsturniere positionieren wollen.
Das steht morgen an
In Basel wird am Samstag ab 13:00 Uhr die zweite Runde über zwei Sessions ausgespielt. Dann greifen die 16 gesetzten Spieler ein, darunter Weltmeister Luke Humphries, Michael van Gerwen, Josh Rock und Titelverteidiger Stephen Bunting; aus deutscher Sicht trifft Martin Schindler um 14:30 Uhr auf Tom Bissell, Niko Springer spielt am Abend gegen Gian van Veen. Parallel wird in Selsey das England Masters ausgespielt, und in Wigan startet die PDC Women's Series mit den Events 21 und 22, bei denen Plätze für die Weltmeisterschaft und den Grand Slam of Darts vergeben werden.