Anderson warnt vor Littlers Rückzug, van Leuvens Neustart & Springers Doppel-Drama in Leicester

Darts News vom 28. September 2026: Anderson verteidigt Littler, Springer scheitert an Noppert, van Leuven über ihren Neustart, Wilson löst das WM-Ticket.
Der Montag im Darts hatte zwei Gesichter: In Leicester rollte am Abend der erste Ball beim Herbst-Major, und parallel dazu füllten Wortmeldungen von gleich drei früheren Weltklasse-Spielern die Schlagzeilen. Gary Anderson und Adrian Lewis nahmen Luke Littler gegen die Pfiffe in Schutz, Glen Durrant brachte Geldstrafen für Turnier-Absagen ins Gespräch – und Noa-Lynn van Leuven sprach darüber, wie nah sie am Karriereende stand.
Das Wichtigste des Tages
- Gary Anderson nennt die Behandlung von Luke Littler durch Teile des Publikums „widerwärtig“ – und warnt, der 19-Jährige könnte künftig nur noch in Großbritannien antreten.
- Adrian Lewis springt ihm bei und rät Littler, Pfiffe konsequent zu ignorieren.
- Glen Durrant bringt Geldstrafen für Spieler ins Spiel, die Pro-Tour-Turniere auslassen.
- Noa-Lynn van Leuven spricht über die Folgen der DRA-Regeländerung: „In den ersten Wochen fühlte es sich an, als wäre ich fertig im Darts.“
- Niko Springer scheitert als einziger Deutscher beim World Grand Prix zum Auftakt an Danny Noppert.
- Carl Wilson löst im UK-&-Ireland-Qualifier sein erstes WM-Ticket.
Story des Tages: Anderson und Lewis nehmen Littler in Schutz
Es ist selten, dass sich zwei Weltmeister am selben Tag zum selben Thema äußern – an diesem Montag war es so. Gary Anderson fand die schärfsten Worte: Littler bekomme bei Turnieren „eine Menge ab. Es ist widerwärtig. Es ist schlimm.“ Der Schotte verband das mit einer Warnung an das Publikum: „Dieser Junge ist phänomenal. Es kann weitere 50 Jahre dauern, bis sie einen Jugendlichen sehen, der so Darts spielt wie dieses Kind.“ Wenn sich nichts ändere, werde Littler „nur noch in Großbritannien spielen, und das war’s dann“ – der Rest Europas würde etwas Besonderes verpassen.
Fast zeitgleich meldete sich Adrian Lewis zu Wort. Der zweimalige Weltmeister bezeichnete das Verhalten von Teilen des Publikums als unfair: „Ich finde das nicht nett, ich finde das nicht angebracht. Am Ende des Tages ist er ein junger Kerl.“ Sein Ratschlag fiel pragmatisch aus: „Das Beste, was du tun kannst, ist, nicht zu reagieren. Wenn sie anfangen zu buhen und zu pfeifen, nimm einfach keine Notiz davon.“
Die Debatte hat einen konkreten Hintergrund: Littler war in Amsterdam bei den World Series of Darts Finals in mehreren Partien ausgepfiffen worden, ein Referee musste eingreifen. Sportlich endete das Turnier für ihn im Halbfinale gegen Jonny Clayton, der damit seine historische Major-Serie beendete. Zuletzt hatte Littler bereits Turniere in Deutschland und den Niederlanden gemieden – genau der Rückzug, vor dessen Ausweitung Anderson nun warnt.
Anderson war an diesem Montag gleich doppelt Thema: Der Schotte erklärte in einem weiteren Interview seinen Medienboykott und begründete ihn mit der Qualität der Fragen – „ein einjähriges Kind würde bessere Fragen stellen“. Sportlich steht er am Dienstag selbst auf der Bühne.
Durrant und die Frage nach Strafen
Glen Durrant griff das Thema Absagen von einer anderen Seite an. Der frühere Premier-League-Champion stellte die Frage in den Raum: „Ich schätze, die eine direkte Möglichkeit ist: Bestraft man jemanden mit einer Geldstrafe?“ Gleich darauf lieferte er das Gegenargument mit – bei Spielern, die Preisgelder in sechsstelliger Höhe einspielen, verpuffe eine moderate Strafe wirkungslos.
Durrant sorgt sich zudem um die European Tour. Seine Befürchtung: Weil die verlängerte European Championship über die Players Championships leichter zu erreichen sei, könnten Spieler die European-Tour-Events künftig noch häufiger auslassen. Gleichzeitig verteidigte er die Profis: Die Topstars hätten zwischen den Turnieren kaum noch Zeit zum Trainieren – man könne nicht gleichzeitig höhere Averages und einen volleren Kalender fordern. Wie real das Thema ist, zeigte zuletzt die Häufung prominenter Absagen bei den Players Championships in Den Bosch.
Noa-Lynn van Leuven: „Es fühlte sich an, als wäre ich fertig“
Noa-Lynn van Leuven schilderte am Montag, wie sehr sie die Regeländerung der Darts Regulation Authority getroffen hat, die transgeschlechtlichen Frauen die Teilnahme an Frauenwettbewerben verwehrt. „Ich wusste nicht, dass so etwas läuft. Ich habe damit nicht gerechnet“, sagte die Niederländerin. „In den ersten Wochen fühlte es sich tatsächlich an, als wäre ich fertig im Darts.“
Aufgeben will sie trotzdem nicht: „Ich bin nicht bereit, dem Spiel den Rücken zu kehren. Ich will einfach weiterspielen.“ Ihre Konsequenz ist ein Kurswechsel – weg von den gewohnten Terminen, hin zu WDF-Turnieren, Challenge-Tour-Events und Starts in Ländern wie Schweden oder der Schweiz. Ihre ganze Saison sei „quasi in die Luft geflogen“, die realistische Hoffnung auf eine Lakeside-Qualifikation ist dahin. Die Reisekosten und Startgelder für die vielen Trips nach Großbritannien stellt sie inzwischen offen infrage.
Darts in Deutschland: Springer scheitert am Eingangsdoppel
Für den einzigen deutschen Starter beim Herbst-Major war der Abend nach gut einer Stunde vorbei. Niko Springer verlor sein Auftaktduell gegen Danny Noppert mit 1:2 nach Sätzen – und es war exakt jene Disziplin, die ihn das Spiel kostete, für die dieses Turnier berühmt ist: das Doppel zum Leg-Start.
Der Auftakt geriet zum Fehlstart. Noppert nahm den ersten Satz mit 3:0, legte ein 16-Darter-Leg hin und checkte 112. Springer vergab in dieser Phase fünf Versuche auf die Doppel. Im zweiten Satz lag der Niederländer bereits 2:0 vorn, ehe Springer mit zwei Legs in Folge – darunter eines in 21 Darts – zurückschlug und den Entscheidungssatz erzwang. Dort ging ihm erneut das Eingangsdoppel verloren: Im zweiten Leg brauchte er elf Anläufe, um überhaupt ins Leg zu kommen.
Am Ende standen 83,58 Punkte Average und eine Doppelquote von 33,3 Prozent gegen 88,42 und 53,3 Prozent aufseiten Nopperts. Damit ist das Major für den deutschen Darts-Sport schon nach dem ersten Auftritt beendet – Springer war der einzige deutsche Vertreter im 32er-Feld.
WM-Qualifikation: Wilson löst das Ticket
Im UK-&-Ireland-Qualifier für die PDC-WM setzte sich Carl Wilson durch und sicherte sich mit einem 7:4 gegen Shane McGuirk seinen ersten Ally-Pally-Start – bemerkenswerterweise mit dem schlechteren Average, alle Details dazu im eigenen Bericht. Der 37-Jährige hatte nie eine Tour Card und stand in dieser Saison auf Rang 58 der Challenge Tour Order of Merit. Auf dem Weg dorthin überstand er ein 6:5 gegen Jack Aldridge aus einem 3:5-Rückstand, schlug Steve Beaton 7:5 und Steve Lennon 7:3 – die Auslosung hatte ihm einen der dichtesten Turnierbäume beschert.
World Grand Prix: die Ergebnisse des Abends
In Leicester begann das Double-In-Major mit drei knappen Entscheidungen:
- Danny Noppert 2:1 Niko Springer
- Ross Smith 2:1 Cameron Menzies
- Nathan Aspinall 2:1 Kevin Doets
Ross Smith drehte gegen Menzies ein 0:3 und blieb bei 99,54 im Average – ein Wert, der im Doppel-Start-Format heraussticht. Menzies eröffnete mit einem 158er-Finish, ließ später aber zwei Matchdarts liegen. Nathan Aspinall gewann sein Duell mit Doets erst im letzten Leg. Bei Redaktionsschluss lief Jonny Clayton gegen Krzysztof Ratajski, danach folgen im Abendprogramm noch Gerwyn Price gegen Sebastian Bialecki, Michael van Gerwen gegen Ryan Joyce, Titelverteidiger Luke Littler gegen Luke Woodhouse sowie Wessel Nijman gegen Rob Cross.
Passend dazu erklärte Adrian Lewis, warum selbst die Weltspitze dieses Turnier fürchtet: „Es ist eines der härtesten Turniere. Der Schlüssel ist, dass du mit deinen ersten drei Darts eröffnest.“ Und: „Ich glaube nicht, dass sich irgendjemand wirklich darauf freut.“
MODUS Super Series: drei Sieger, eine Rechenaufgabe
Der Gruppentag der MODUS Super Series endete mit einem seltenen Bild: Gleich drei Spieler beendeten die Runde mit vier Siegen aus fünf Partien – und sie schlugen sich gegenseitig im Kreis. Jamie Atkins gewann 4:1 gegen Jeff Smith, Smith hatte zuvor Michael Wiles 4:1 bezwungen, Wiles wiederum setzte sich 4:2 gegen Atkins durch. Entscheiden musste also das Legverhältnis:
- Jamie Atkins – 4 Siege, 18:9 Legs
- Jeff Smith – 4 Siege, 17:9 Legs
- Michael Wiles – 4 Siege, 17:13 Legs
- Jim Widmayer – 2 Siege
- Nico Plovier – 1 Sieg
- Robert Thornton – 0 Siege
Atkins startete mit einem 4:0 gegen Thornton, Smith fertigte Widmayer 4:0 ab. Wiles hingegen zog sich durch zwei Krimis: 4:3 gegen Plovier und 4:3 gegen Widmayer. Für den Schotten Thornton, UK-Open-Champion von 2012, war es ein Tag zum Vergessen – fünf Spiele, fünf Niederlagen, kein einziger Matchgewinn.
Das steht morgen an
Am Dienstag geht in Leicester ab 19:00 Uhr die erste Runde weiter – mit acht Partien. Auf dem Zettel stehen unter anderem Luke Humphries gegen Dave Chisnall, Gary Anderson gegen Damon Heta, Gian van Veen gegen Dirk van Duijvenbode und Josh Rock gegen Niels Zonneveld. Komplettiert wird der Abend durch Chris Dobey gegen Jermaine Wattimena, Ryan Searle gegen William O’Connor, James Wade gegen Joe Cullen sowie Stephen Bunting gegen Andrew Gilding.