Rekord-Average von Raymond Smith in Canberra, Kloses WM-Zittern in Wigan & Van Barnevelds bittere Bilanz

Darts News vom 26. September 2026: Raymond Smith wirft 108,88 in Canberra, Daniel Klose bangt um sein WM-Ticket, Van Barneveld zweifelt an seiner Zukunft.
Ein Samstag, der um kurz nach Sonnenaufgang in Australien beginnt und am späten Abend in den Niederlanden endet: Der 26. September 2026 hat dem Darts einen neuen Rekord-Average, ein deutsches Nervenspiel um ein WM-Ticket und die vielleicht ehrlichsten Sätze geschenkt, die Raymond van Barneveld in diesem Jahr gesagt hat.
Das Wichtigste des Tages
- Raymond Smith gewinnt den Auftaktabend der ANZ Premier League in Canberra – mit 108,88 dem höchsten Average der Turniergeschichte.
- Ben Robb wirft Titelverteidiger Simon Whitlock raus und geht im Finale trotzdem mit 1:5 unter.
- Daniel Klose scheitert in Wigan im Halbfinale und muss um seinen WM-Startplatz bangen.
- Raymond van Barneveld nennt 2026 das schlechteste Jahr seiner Karriere.
- Gian van Veen erklärt, warum seine Fans keine Bilder von hinter den Kulissen bekommen.
Canberra: Smith wirft den höchsten Average der ANZ-Geschichte
Während Europa noch schlief, lieferte die AIS Arena in Canberra den stärksten Wurf des Tages. Raymond Smith eröffnete die zweite Auflage der Dabble Darts ANZ Premier League mit einem Abend, den die Serie so noch nicht gesehen hat: Im Halbfinale gegen Debütant Mal Cuming setzte der Australier beim 5:3 einen Average von 108,88 auf die Anzeigetafel – neue Bestmarke der ANZ Premier League, die bisherige Höchstmarke von 104,65 ist damit deutlich überboten. Fünf 180er streute Smith allein in dieses Halbfinale ein, und er brauchte sie auch: Cuming, der bei seinem Serien-Debüt keineswegs wie ein Statist auftrat, hielt bis zum Schluss dagegen.
Im Finale traf Smith auf Ben Robb, der zuvor für die Überraschung des Abends gesorgt hatte: Der Neuseeländer schaltete im anderen Halbfinale mit 5:3 Titelverteidiger Simon Whitlock aus. Gegen Smith hatte Robb dann allerdings nichts mehr entgegenzusetzen. Bei einem Average von 79,70 blieb er weit unter seinen Möglichkeiten, Smith gewann mit 5:1 und führt die Tabelle nach Abend eins an. Die Differenz von fast 30 Average-Punkten zwischen Sieger und Verlierer erzählt die Geschichte des Endspiels besser als jede Leg-Statistik.
Das Format macht jeden Spieltag zu einem kompletten Mini-Turnier: Viertelfinale, Halbfinale, Finale an einem Stück, ohne Schonfrist für schwache Starts. In der Runde der letzten acht setzten sich Cuming, Smith, Whitlock und Robb durch und ließen Tim Pusey, Brody Klinge, Joe Comito und Jonny Tata zurück. Für die Beteiligten geht es um deutlich mehr als Preisgeld: Der Gesamtsieger der Serie kassiert 30.000 Dollar und löst obendrein Startplätze für die PDC-WM im Alexandra Palace sowie für den Grand Slam of Darts. Wer in Australien und Neuseeland den Sprung auf die große Bühne sucht, hat hier seinen kürzesten Weg – und Smith hat ihn am Auftaktabend mit maximalem Nachdruck betreten.
Darts in Deutschland: Klose und das 700-Pfund-Polster
Im Robin Park Leisure Centre in Wigan ist die Challenge-Tour-Saison in ihre Schlussphase gegangen – und für den deutschen Darts hängt daran einiges. Daniel Klose stand bei der Challenge Tour 21 im Halbfinale und musste sich dort dem 16-jährigen Archie Self mit 2:5 geschlagen geben. Self holte anschließend den Titel mit 5:1 und 104,49 im Endspiel gegen Tommy Morris – alle Zahlen dazu stehen im ausführlichen Turnierbericht, dessen Auslosung wir am Morgen vorgestellt hatten.
Das Problem für Klose: Genau dieser Morris hat durch seine Finalteilnahme kräftig aufgeholt. In der Challenge Tour Order of Merit führt weiterhin Derek Coulson mit 15.150 Pfund vor Joe Hunt mit 14.050 Pfund. Klose hält Rang drei mit 11.800 Pfund – Morris folgt auf Rang vier mit 11.100 Pfund. Ein Polster von 700 Pfund, und das vor den letzten Turnieren der Saison.
Warum das zählt: Die besten drei der Challenge Tour Order of Merit, die sich nicht anderweitig qualifiziert haben, lösen ein Ticket für die PDC-WM 2027. Die Top zwei erhalten zusätzlich eine Tour Card für 2027 und 2028. Klose steht damit exakt auf der Kippe zwischen WM-Startplatz und leeren Händen – ein einziges gutes Turnier von Morris kann die Rechnung kippen, ein einziger Viertelfinaleinzug von Klose sie festschreiben. Für die übrigen deutschsprachigen Starter geht es vor allem um Erfahrung und Preisgeld; wie die Paarungen im zweiten Turnier des Wochenendes zustande kamen, haben wir in der Auslosung zur Challenge Tour 22 aufgeschlüsselt.
Story des Tages: Van Barnevelds ehrliche Bilanz
Es gibt Interviews, die man zweimal hören muss, weil man beim ersten Mal nicht glauben will, wer da spricht. Raymond van Barneveld hat im Gespräch mit Viaplay eine Bilanz gezogen, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lässt: „Ich stelle vorweg, dass es ein megaschlechtes Jahr ist. Ich kann in aller Ruhe sagen, dass es das schlechteste Jahr meiner Karriere ist.“
Der fünfmalige Weltmeister beschreibt ein Muster, das ihn zermürbt: „Ich bin immer noch fähig genug, meine Spiele zu gewinnen, aber das sind ein oder zwei, und dann hört es auch schon wieder ein bisschen auf.“ Aus den Ranglisten sei er faktisch herausgefallen. Und dann der Satz, der hängen bleibt: „Es kommt ein Tag, an dem du in den Spiegel schaust und sagst: War es das dann?“
Ein Karriereende verkündet Van Barneveld damit ausdrücklich nicht. Sein erklärtes Ziel bleibt der Ally Pally: „Ich will mein Allerbestes geben, um die WM zu erreichen.“ Sollte das nicht klappen, müsse man sich Gedanken machen – über Clinics, über Auftritte in der Wirtschaft, über Motivationsvorträge. Für einen Spieler, der über Jahrzehnte zum Inventar der großen Bühnen gehört hat, ist das eine bemerkenswert nüchterne Aufzählung. Bemerkenswert ist vor allem der Ton: kein Groll, keine Ausrede, kein Verweis auf Pfeilgewichte oder Auslosungspech. Van Barneveld redet über sein Spiel wie ein Analyst über einen fremden Spieler – und genau das macht die Sätze so schwer erträglich für alle, die ihn seit den Neunzigern begleiten.
Van Veen und das Kamera-Verbot der PDC
Gian van Veen gehört zu den Profis, die ihre Reichweite konsequent selbst bespielen – Vlogs, Einblicke, Backstage-Material. Bei den Players Championships in Den Bosch blieb die Kamera allerdings aus, und das nicht freiwillig. „Ich weiß, dass ihr mich gebeten habt, ein paar Bilder von hinter den Kulissen zu zeigen“, richtete sich der Niederländer an seine Zuschauer. „Aber ich muss euch leider enttäuschen. Es ist nicht erlaubt.“
Die Begründung liefert er gleich mit: „Die PDC erlaubt es nicht. Da kann ich wenig machen.“ Die Frage, die nach seinem Statement im Raum steht, beantwortet die PDC bislang nicht: Warum gilt bei den Pro-Tour-Turnieren ein Drehverbot, während dieselben Spieler bei den Fernsehturnieren zum Content-Motor der Sportart werden sollen? Van Veen formuliert seinen Unmut höflich, aber die Botschaft ist unmissverständlich – die Lücke zwischen dem, was Fans an Nähe erwarten, und dem, was der Verband zulässt, wird größer. Wie sein Turnierwochenende in Den Bosch sportlich verlief, steht in unserem Bericht zu Players Championship 29.
MODUS Super Series: die Ergebnisse des Tages
Im Studio der MODUS Super Series ging es kompakt zur Sache. Steve West und Reece Robinson sammelten je zwei Siege ein, kassierten aber auch jeweils eine Niederlage – ausgerechnet Scott Taylor, der gegen West mit 0:4 untergegangen war, fegte Robinson anschließend mit 4:0 von der Bühne. Jamie Owens holte gegen West ein 4:1, verlor aber gegen Robinson mit 1:4. Chris Whitehead bleibt nach einem 4:3 über Taylor bei einem Sieg aus drei Partien. Die Partien im Überblick:
- West 4:0 Taylor
- Robinson 4:0 Whitehead
- Owens 4:1 West
- Whitehead 4:3 Taylor
- Robinson 4:1 Owens
- West 4:1 Whitehead
- Taylor 4:0 Robinson
Die Einordnung samt Tabellenlage liefert unser eigener Turnierbericht zur MODUS Super Series.
Das steht morgen an
Die Challenge-Tour-Saison findet am Sonntag in Wigan ihr Ende: Mit den Events 23 und 24 stehen im Robin Park Leisure Centre die letzten beiden Turniere des Jahres an, die Registrierung läuft ab 08:00 Uhr, gespielt wird kurz nach der Auslosung. Dort fallen die Entscheidungen um die Tour Cards und die WM-Startplätze – und damit auch über Daniel Kloses Ally-Pally-Ticket. Zwei Turniere, zwei Tableaus, und für den Mann auf Rang drei der Order of Merit die längsten Stunden seiner Saison.