„Diese Experten haben überhaupt keine Ahnung“: Gary Anderson rechnet nach Matchplay-Gala mit seinen Kritikern

Gary Anderson rechnet nach seinem Gala-Auftritt beim World Matchplay 2026 mit seinen Kritikern ab und spricht offen über Titelträume sowie Sohn Tai.
Gary Anderson hat beim World Matchplay 2026 ein eindrucksvolles Ausrufezeichen gesetzt. Mit einem überragenden 10:2-Erfolg gegen Ryan Joyce zog der Schotte nicht nur souverän in die zweite Runde ein, sondern untermauerte mit einem Average von 109,96 Punkten eindrucksvoll seine Ambitionen auf den Titel.
Nach der Gala in den Winter Gardens nutzte der zweimalige Weltmeister die Gelegenheit jedoch nicht nur, um über seinen starken Auftritt zu sprechen. Stattdessen rechnete Anderson im Anschluss deutlich mit den Experten ab, die vor dem Turnier an seiner Form gezweifelt hatten.
Der 55-Jährige zeigte bei seiner mittlerweile 18. Teilnahme am World Matchplay möglicherweise die beste Leistung seiner Karriere in Blackpool. „The Flying Scotsman“ dominierte Ryan Joyce nach Belieben und lieferte eine der stärksten Vorstellungen des bisherigen Turnierverlaufs ab.
Vor dem World Matchplay waren allerdings einige Fragezeichen hinter Andersons Form aufgetaucht. Der Schotte hatte in dieser Saison lediglich 50 Partien bestritten und zudem keinen einzigen Pro-Tour-Titel gewonnen. Für viele Beobachter war das Anlass, seine Chancen auf einen weiteren Major-Erfolg kritisch zu hinterfragen.
Nach seinem überzeugenden Auftaktsieg wollte Anderson von dieser Kritik jedoch nichts mehr hören. Im Gespräch mit talkSPORT erklärte er unmissverständlich: „Es zeigt nur, dass all diese Experten überhaupt keine Ahnung haben.“
Damit war seine Abrechnung jedoch noch nicht beendet. Mit einer klaren Botschaft richtete sich Anderson an alle, die ihn bereits abgeschrieben hatten: „Wirklich gar keine. Man hört all diese Geschichten: ‚Ja, ja, ja.‘ Wisst ihr was? Schlaft da noch mal eine Nacht drüber.“
Durch den Erfolg gegen Joyce bleibt Anderson im Rennen um seinen neunten TV-Major-Titel und seinen ersten großen PDC-Titel seit seinem Triumph im Jahr 2018. Der Sieger des World Matchplay erhält neben der prestigeträchtigen Phil Taylor Trophy auch ein Preisgeld in Höhe von 225.000 Pfund.
Für Anderson steht das Finanzielle allerdings längst nicht mehr im Mittelpunkt. „Überhaupt nicht. Morgen früh stehe ich einfach wieder auf und gehe wieder zur Arbeit. Fertig. Das meiste kassiert ohnehin das Finanzamt. Es ist nicht das Geld, weswegen ich das mache.“
Vielmehr sei seine Leidenschaft für den Dartsport nach wie vor der entscheidende Antrieb. Gleichzeitig räumte Anderson ein, dass ihn sein Körper und sein Kopf inzwischen nicht immer in dieselbe Richtung lenken. „Ich spiele einfach gern Darts. Nur weiß ich manchmal nicht, ob mein Kopf sagt, dass ich weitermachen soll, oder ob mein Körper das sagt und mein Kopf eigentlich findet, dass ich aufhören sollte.“
Neben seiner eigenen Zukunft sprach Anderson auch über seinen Sohn Tai, der inzwischen erste Erfahrungen auf dem JDC-Circuit sammelt. Kürzlich unterschrieb der Nachwuchsspieler zudem einen mehrjährigen Ausrüstervertrag mit L-Style.
Trotz des Stolzes auf seinen Sohn legt Anderson großen Wert darauf, sich aus dessen sportlicher Entwicklung herauszuhalten. „Er macht alles selbst. Ich spiele nicht mit ihm Darts, ich gehe nur zuschauen.“
Auch beim Training mischt sich der zweimalige Weltmeister bewusst nicht ein. „Er ist ein junger Bursche und extrem motiviert. Wenn er etwas verpasst, gehe ich einfach weg.“
Anderson möchte verhindern, dass Tai sich auf die Unterstützung seines berühmten Vaters verlässt. „Ich habe überhaupt nichts mit Tai und seinem Darts zu tun. Er macht alles selbst. Er trainiert selbst und hat sich selbst das Rechnen beigebracht. Mehr noch, er kann besser rechnen als ich.“
Für Anderson ist deshalb klar, dass sein Sohn seinen eigenen Weg gehen muss. „Jetzt ist er am Zug. Wenn er das wirklich will, muss er es aus eigener Kraft schaffen. Er wirft gute Pfeile.“
Zum Abschluss konnte sich der Schotte dann doch noch einen scherzhaften Seitenhieb nicht verkneifen. „Sollte ich irgendwann im TV gegen ihn spielen, kriegt er einfach sein Fett weg.“
Nic Gayer ist seit 2022 im Journalismus tätig und begann seine Laufbahn als freier Redakteur im Lokaljournalismus für eine Tageszeitung. Heute berichtet er für Dartsnews.de über den professionellen Dartsport und ordnet das aktuelle Geschehen ein – von großen Turnieren bis zu Entwicklungen abseits der Bühne.
Regelmäßig ist er bei Events vor Ort und begleitet rund 20 Turniere pro Jahr, wo er Interviews führt, unter anderem mit Luke Littler, Luke Humphries, Michael van Gerwen, Gerwyn Price sowie Martin Schindler, Gian van Veen und Josh Rock.
Zudem ist er eine der prägenden Stimmen im englischsprachigen Dartsnews Podcast und Co-Host des Sport-Podcasts Overtime Takes.
Nic arbeitet aus der Nähe von München und steht kurz vor dem Abschluss als Bachelor of Arts in Sportjournalismus.
In seiner Berichterstattung legt er großen Wert auf sorgfältige Quellenprüfung, präzise Einordnung und aktualisiert Inhalte, sobald neue, gesicherte Informationen vorliegen.