Littler streicht die Niederlande, Munyua löst erneut das WM-Ticket & Sorge um van Duijvenbodes Wurfhand

Darts News vom 21. September 2026: Littler zieht in Den Bosch zurück, Munyua qualifiziert sich für die WM, van der Voort bestätigt Probleme bei van Duijvenbode.
Das Wichtigste des Tages: Littler streicht die Niederlande
Der Darts-Montag gehört einer Absage. Luke Littler steht nicht mehr auf der Meldeliste der Players Championships 29 und 30 in Den Bosch. Der Weltranglisten-Erste hatte für den ProTour-Doppelschlag in der Maaspoort gemeldet – heute zog er seine Nennung zurück. Und es blieb nicht dabei: Auch für die Dutch Darts Championship in Maastricht, ein Event der European Tour, sucht man seinen Namen im Feld vergeblich. Drei Turniere in den Niederlanden, drei Mal kein Littler.
Die sportliche Rechnung dahinter ist schnell aufgemacht – und sie trifft ausgerechnet den dominierenden Spieler dieser Saison. Für die Players Championship Finals in Minehead qualifizieren sich die besten 64 der ProTour-Order-of-Merit, jener Rangliste, in die ausschließlich Preisgelder von Pro-Tour-Turnieren einfließen. Littler steht dort auf Platz 125, rund 16.750 Pfund hinter dem letzten Qualifikationsplatz. Wer die Pro Tour auslässt, sammelt dort nichts: Mit dem Verzicht auf Den Bosch ist Minehead für den amtierenden Weltmeister praktisch erledigt. Ein Weltmeister, der ein Major schlicht nicht erreicht – das ist die bemerkenswerteste Zeile dieses Darts-Montags.
Eine offizielle Begründung lieferten weder die PDC noch Littler selbst. In den Berichten dieses Montags taucht dafür durchweg derselbe Satz auf: „Es bringt nichts, dass ich reise und meine Zeit verschwende, während ich ausgebuht werde. Ich will einfach nur mein Darts spielen.“ Und auf die Frage, ob er niederländische European-Tour-Turniere künftig genauso meiden könnte, wie er es mit den deutschen ohnehin hält, lautete die Antwort: „100 Prozent.“ Wer heute die Meldeliste liest, bekommt die Umsetzung dieser Ansage frei Haus geliefert.
Die Debatte: Darf ein Weltmeister ganze Länder auslassen?
Dass der beste Spieler der Welt einen Teil-Rückzug aus einem der wichtigsten Darts-Länder überhaupt vollzieht, ist Stoff für einen Grundsatzstreit – und der wurde heute quer durch die Fachmedien geführt. Die Kernfrage: Ist ein Weltmeister, der ganze Nationen aus seinem Kalender streicht, noch Werbeträger für seinen Sport? Oder ist er in erster Linie Unternehmer in eigener Sache, der sich aussucht, wo er arbeitet?
Raymond van Barneveld wählte in seiner Einordnung den versöhnlichen Ton – und verschob die Diskussion vom Publikum weg, hin zur Belastung. „Es ist der Druck“, sagte der Niederländer. „Alle reden darüber: Kann Littler das ganze Jahr durchziehen und alle großen Majors gewinnen? Das erzeugt gewaltigen Druck.“ Littler sei aktuell der beste Spieler der Welt, so Barneveld – aber: „Jeder ist fehlbar.“ Man kann das als Verteidigung lesen, man kann es auch als Warnung lesen: Wer zwölf Monate lang unter Dauerbeobachtung der Perfektion steht, zahlt irgendwo einen Preis. In diesem Fall offenbar in Form eines zusammengestrichenen Reiseplans.
Bemerkenswert ist dabei die Asymmetrie: Ein Turnierkalender, der auf den besten Spieler der Welt verzichten muss, verliert Zuschauer, Aufmerksamkeit und Verhandlungsmasse. Littler selbst verliert vor allem Ranglistenpunkte, die er bei den großen Einladungsturnieren ohnehin nicht braucht. Die Pro Tour ist das Fundament des Kalenders für jene hundert Spieler, die sich Absagen nicht leisten können – für den Weltranglisten-Ersten ist sie inzwischen offenbar eine Option unter mehreren.
Sorge um van Duijvenbode: Van der Voort bestätigt Probleme in der Wurfhand
Die zweite Nachricht mit Nachwirkung für die kommenden Wochen kam aus dem niederländischen Podcast-Umfeld. Vincent van der Voort bestätigte heute, dass Dirk van Duijvenbode mit körperlichen Problemen kämpft: Der Niederländer hatte zuletzt Schmerzen in der Wurfhand, bei nahezu jedem Dart. Inzwischen weiß er offenbar, woher es kommt.
„Da ist etwas, das nicht in Ordnung ist und gelöst werden muss“, sagte van der Voort. „Es muss einfach behoben werden.“ Entwarnung gibt es insofern, als die Sache nicht als schwerwiegend eingestuft wird – behandlungsbedürftig ist sie trotzdem. Van der Voort zeigte sich überzeugt, dass sein Landsmann die richtigen Leute kennt, um das kurzfristig in den Griff zu bekommen.
Der Zeitdruck ist real, denn das nächste Major steht unmittelbar bevor: Beim World Grand Prix in Leicester wartet auf van Duijvenbode direkt ein niederländisches Duell mit Gian van Veen. Ausgerechnet das Double-In-Format verzeiht Unsicherheit im Wurfarm noch weniger als jedes andere – wer die erste Doppel nicht sauber trifft, verliert Legs, die er statistisch längst gewonnen hätte. Eine Hand, die bei jedem Dart zwickt, ist in Leicester also kein Randthema, sondern potenziell das ganze Turnier.
Story des Tages: Munyua fährt wieder zum Ally Pally
Die schönste Meldung dieses Montags kommt nicht aus Den Bosch oder Leicester, sondern aus Nairobi. Heute wurde bekannt, dass sich David Munyua erneut für die PDC-Weltmeisterschaft qualifiziert hat – zum zweiten Mal in Folge. Im Endspiel des Afrika-Qualifiers setzte sich der Kenianer mit 8:7 gegen Evans Njuguna durch, entschieden im letzten Leg.
Munyua ist im Hauptberuf Tierarzt, 30 Jahre alt, und er ist am Alexandra Palace längst eine Kultfigur. Bei seinem Debüt drehte er gegen Mike De Decker einen 0:2-Satzrückstand und warf einen Major-Champion aus dem Turnier – ein Ergebnis, das bis heute zu den größten WM-Sensationen der jüngeren Geschichte gezählt wird. Dass er sich nun mit Averages im niedrigen 80er-Bereich erneut durch die Qualifikation arbeitete, macht die Sache nicht kleiner, sondern erklärt sie: Munyua gewinnt Spiele, weil er die engen Enden gewinnt. Afrikas bekanntester Dartspieler steht wieder im Feld, wenn in London gespielt wird.
MODUS Super Series: Robertson gewinnt den Tag ohne Niederlage
In der MODUS Super Series lieferte Scott Robertson eine makellose Vorstellung ab: fünf Spiele, fünf Siege, dabei nur neun abgegebene Legs. Der Auftakt gegen Steve West war mit 4:3 noch denkbar knapp, danach wurde es von Match zu Match souveräner – bis zum abschließenden 4:0 gegen Francesco Basili. Zweiter der Tageswertung wurde Scott Taylor mit vier Siegen; seine einzige Niederlage kassierte er ausgerechnet gegen Robertson (1:4).
- S. West 3:4 S. Robertson
- C. Puleo 2:4 S. Winder
- F. Basili 3:4 S. Taylor
- S. Robertson 4:3 C. Puleo
- S. Taylor 4:3 S. West
- S. Winder 0:4 F. Basili
- S. Robertson 4:1 S. Taylor
- C. Puleo 4:3 F. Basili
- S. West 4:2 S. Winder
- S. Taylor 4:3 C. Puleo
- S. Winder 2:4 S. Robertson
- F. Basili 2:4 S. West
- S. Winder 2:4 S. Taylor
- S. West 4:3 C. Puleo
- S. Robertson 4:0 F. Basili
Damit steht es in der Tageswertung 5-0 für Robertson, 4-1 für Taylor und 3-2 für West. Puleo, Basili und Winder kamen jeweils auf einen Sieg. Ausführlich analysieren wir den Spieltag im eigenen Turnier-Artikel.
Darts in Deutschland
Für deutsche Fans hat Littlers Rückzug einen bitteren Nebensatz. Der Weltmeister begründet seine Haltung gegenüber den Niederlanden ausdrücklich mit einem Vergleich: So, wie er deutsche European-Tour-Turniere bereits meidet, hält er es nun auch mit den niederländischen. Wer gehofft hatte, den besten Spieler der Welt demnächst wieder in einer deutschen Halle zu sehen, bekommt heute eher das Gegenteil bestätigt – die Absage-Logik wird ausgeweitet, nicht zurückgenommen.
Immerhin gibt es eine deutsche Geschichte mit positivem Vorzeichen: Daniel Klose, 46, aus Bechhofen, steht als Challenge-Tour-Nachrücker in den 128er-Feldern der Players Championships 29 und 30. „Dan The Man“ hat sich den Reserveplatz über seine Position auf der Challenge Tour gesichert und trifft nun auf ein Starterfeld, in dem neben Littler gleich mehrere Schwergewichte fehlen. Aus deutscher Sicht nicht gemeldet: Niko Springer. Bei je 150.000 Pfund Preisgeld und 15.000 Pfund für den Sieger ist das für einen Nachrücker eine Bühne, die man sich nicht aussucht – man nimmt sie.
Das steht morgen an
Ab Dienstagmittag wird in der Maaspoort in Den Bosch gespielt: Players Championship 29 eröffnet den ProTour-Doppelschlag mit 128 Spielern, 150.000 Pfund Preisgeld und 15.000 Pfund für den Turniersieger; Players Championship 30 folgt unmittelbar danach an gleicher Stelle. Für alle, die noch um WM-Plätze und die letzten Tickets für Minehead kämpfen, sind das zwei der wertvollsten Tage des Restjahres – zumal das Feld durch prominente Absagen spürbar ausgedünnt ist. Parallel laufen ab heute die Benachrichtigungen an alle Bewerber der WM-Ticketverlosung für den Alexandra Palace.